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Norddeutsche Rundschau

04. Dezember 2016 | 00:57 Uhr

DGB Nord informiert über Werkverträge und Leiharbeit

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit. Das soll auch für Leiharbeiter gelten. Bisher ist das aber selten der Fall. Meist sei das Gehalt um zehn bis 50 Prozent geringer als von Arbeitnehmern mit Tarifvertrag, erklärt Susanne Uhl, Geschäftsführerin des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) Nord. Zahlreiche Ausnahmen verwässerten das Gesetz, das Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles verabschiedet habe und als Erfolg verbuche. Zum Ärger von Susanne Uhl.

Zeitarbeit diene zum Abbau von Auftragsspitzen. Viele Firmen machten dies aber zunehmend zur Dauereinrichtung. „Das zieht sich durch alle Branchen“, bedauert die für die Westküste zuständige Gewerkschafterin. Dabei ist der Einsatz von Zeitarbeitnehmern begrenzt. Sie dürfen in einem und demselben Betrieb nicht länger als 18 Monate arbeiten. Sonst müssen sie eingestellt werden. Zwar sollen sie nun nach neun Monaten denselben Lohn wie die Stammbelegschaft erhalten. 50 Prozent der Leiharbeitsverhältnisse dauern aber nicht länger als drei Monate.

Ein Dorn im Auge ist für Susanne Uhl auch die steigende Anzahl von Werkverträgen. Architekten, Handwerker, Baufirmen – sie alle seine Beispiele dafür.

Seit einigen Jahren würden Werkverträge zunehmend missbraucht. Bei einem Werkvertrag wird eine bestimmte Arbeitsleistung eingekauft. Nicht selten würden Werkvertrags-Arbeitnehmer von ihren Arbeitgebern aber als Scheinselbstständige ausgebeutet oder nachträglich zu Leiharbeitern deklariert.

Ganze Abteilungen würden aus einem Unternehmen ausgegliedert, deren bisherige Aufgaben werden von Fremdfirmen erbracht. „Das geht so weit, dass in manchen Unternehmen noch nicht einmal mehr 20 Prozent der Beschäftigten zur sogenannten Stammbelegschaft gehören“, so Susanne Uhl. Ein Beispiel sei die ehemalige Druckerei Prinovis in Itzehoe. Sie nennt ein Beispiel: Bei Prinovis hätten vier Mitarbeiter zu unterschiedlich hohen Löhnen dieselbe Arbeit ausgeführt.

Besonders kritisch: Die per Werkvertrag beschäftigten Mitarbeiter erhalten keinen Tariflohn, haben keinerlei Mitbestimmungsrechte „und wenn das Unternehmen pleite geht, gibt es auch keine Sozialpläne“, so Susanne Uhl. Zudem würden massiv Überstunden geleistet, die nicht vergütet werden und jegliche gesetzlich erlaubte Arbeitszeit sprengen. „Arbeitnehmer werden als rechtlose Manövriermasse benutzt.“

Sie fordert daher mehr Personal für Zoll, Arbeitsschutz- und Gewerbeaufsichtsämter und klare gesetzliche Regeln, wann ein Werkvertrag ein wirklicher Werkvertrag ist und wann nicht.


>„Outgesourct – Die Bedeutung von Werkverträgen und Leiharbeit in der Region“ heißt eine Veranstaltung des DGB am Donnerstag, 9. Juni, ab 19 Uhr in der AWO Heide.


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