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Norddeutsche Rundschau

09. Dezember 2016 | 08:56 Uhr

Blomesche Wildnis : Der Weiße Bär ist ihr Ein und Alles

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Inge Schippmann führt ihren Landgasthof seit 47 Jahren und widmet ihm einen Großteil ihres Lebens.

„Nach dem Feuerwehrball bin ich um fünf Uhr zu Bett gekommen, aber um sieben Uhr ging es schon wieder weiter, denn sonntags um zehn kommt der Stammtisch und mittags hatte ich noch einen 80. Geburtstag zu bewirten.“ Solche Tage sind für Inge Schippmann seltener geworden in der Traditionsgaststätte „Zum weißen Bären“. Seit 47 Jahren führt sie den Landkrug, der auf eine lange Geschichte zurückblicken kann. Die Zeit der großen Feste ist seit etwa zehn Jahren vorbei. Aber gern erinnert sich die 86-jährige Wirtin an den Sellerieball und den Blumenkohlball, bei dem die Junggärtner den Saal mit Gemüse geschmückt hatten. Auch das Vogelschießen der Schule und der Kaffeeball gehörten lange Zeit zu den besonderen Ereignissen auf dem Saal.

Woher der Name Weißer Bär kommt, ist nicht belegt. Vielleicht haben hier mal Bären gelebt, denn in der Nähe gab es früher auch den Schwarzen Bären. Das Haus wurde 1645 erbaut und Jakob Schippmann, der Großvater von Inge, kaufte es 1893. Von ihren Eltern Hermann und Alma übernahm sie die Wirtschaft 1960 in dritter Generation. Seit 1969 ist sie die Chefin. Und sie hatte es nicht immer leicht. Als jüngstes der vier Kinder ging sie nach der Schulzeit in der Dorfschule „An der Chaussee“ und in Glückstadt zum Ende des Zweiten Weltkrieges in Stellung bei der Mühle Engelbrecht am Altendeich. Dort arbeitete sie im Haushalt und half in der Landwirtschaft. „Wir mussten den Hunger in der Nachkriegszeit mit Steckrüben bekämpfen und die Kühe habe ich noch mit der Hand gemolken“, erzählt Inge Schippmann.

Auch zum Weißen Bären gehörte eine kleine Landwirtschaft mit Kühen, die sie danach zusammen mit ihrem Vater bewirtschaftete. „Als mein Vater mich fragte, ob ich die Gaststätte übernehmen will, habe ich mich gefreut.“ Als Erstes entschied sie 1962, die Tanzfläche neu zu verlegen, denn „ein Ehepaar war beim Tanzen auf dem unebenen Boden in einer Kuhle ausgerutscht und gestürzt.“

Der Charme dieser Zeit ist noch bis heute erhalten. Auf dem Saal mit Bühne steht ein alter Kachelofen. Im Tresenbereich, der durch einen Vorhang vom Saal abgeteilt ist, liegt ein Teppich und darauf stehen Sofas und Polsterstühle. Die Atmosphäre im Clubraum erinnert an ein Wohnzimmer. Diese herzliche und familiäre Atmosphäre ist bis heute das Markenzeichen der Landgaststätte. Bei den Vereins- und Familienfesten kümmert sich die Wirtin zusammen mit ihrem eingespielten Helferteam Inge Kästner, Antje Tiedemann, Ann-Christin Kardel und ihrer Nichte Frauke Czaja liebevoll um ihre Gäste. „Ich freue mich, wenn meine Gäste zufrieden sind und hinterher sagen: Inge, das war wieder schön bei dir.“

Zum Essen wird serviert, was gewünscht ist. Am häufigsten gibt es zu den Familienfesten Rinder- und Schweinebraten oder Rouladen mit verschiedenem Gemüse. Die Wirtin kocht selber und fängt mit der Zubereitung schon einen Tag vorher an. Das Fleisch kauft sie bei einem örtlichen Schlachter und für die anderen Dinge fährt sie zum Einkaufen mit dem Auto über Land. Für die Wäsche fährt sie sogar alle zwei Wochen bis nach Schwarzenbek.

Probleme mit den Gästen hat es nie gegeben – bis auf eine Ausnahme: „Bei einer Silvesterfeier hat ein junger Mann einen Knallkörper auf dem Saal gezündet. Der wurde aber von dem anwesenden Dorfpolizisten Stefan Strauß gleich rausgeschmissen.“

Seit Inge den Krug führt, gibt es den Sonntagsstammtisch. Von zehn bis zwölf Uhr treffen sich die sieben Herren im Alter zwischen 62 und 93 Jahren und plaudern über die Neuigkeiten der Region. Einer von ihnen ist Jonny Kruse: „Um zwölf Uhr ist pünktlich Schluss, denn gegessen wird zu Hause. Aber sonntags bei Inge gehört für uns zum Wochenende dazu. Hier ist es gemütlich und gesellig. Zu ihrem 80. Geburtstag haben wir unserer Wirtin einen Mast und eine Fahne geschenkt – roter Grund mit einem weißen Bären. Die Fahne hissen wir zusammen im April im Garten der Wirtschaft und im Oktober holen wir sie wieder ein. Inge mag das.“

Die Gäste beschreiben Inge als eine Einzelkämpferin, die Traditionen liebt und in ihrem Beruf aufgeht. Um ihre Nachfolge macht sie sich keine Sorgen: „So lange ich das kann, mache ich weiter, denn ich bin so zufrieden und der Weiße Bär ist mein Leben. Ich bin hier frei und unter Leuten und habe eine Aufgabe, die mich fit hält.“

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