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Norddeutsche Rundschau

30. September 2016 | 20:35 Uhr

Kultur : Der Tanz geht weiter: Verein für spektakuläres Kulturprojekt gegründet

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Die Alte Schule am Stadtpark in Wilster soll zu einem kulturellen Zentrum der Marsch werden.

Wilster Das Ziel ist klar: Tanz und Theater sollen in Wilster nach dem erfolgreichen 25-Wochen-Probelauf nicht nur weitergehen, sondern auch mit einem wesentlich erweiterten Spektrum auf Dauer die Alte Schule zum kulturellen Zentrum der Marschenstadt machen. Am Wochenende hat sich dafür der Verein „Alte Schule – Bildung und Kultur Wilstermarsch e. V.“ gegründet. Er drückt schon mit dem Namen aus, dass die Alte Schule Sitz bleiben und dem Schulverband Wilstermarsch abgekauft werden soll.

Die Vereinsgründung war mit dem bereits anwaltlich und vom Finanzamt geprüften Satzungsentwurf so sorgfältig und weitsichtig vorbereitet wie die bisherigen Aktionen, die Wilster mit 50 Presseberichten und auch Fernsehbeiträgen in die Öffentlichkeit brachten. „Wir müssen nun handeln, sonst sind wir nicht mehr handlungsfähig“, leitete Initiator Anton Brade die Versammlung ein, deren Resonanz auch die Organisatoren überraschte. Rund 40 Interessierte fanden sich im Bühnenraum der Alten Schule ein.

Zahlreiche Unterstützer, die verhindert waren, schickten Grußbotschaften. Und einige Beherzte gaben dem Projekt gleich einen beachtlichen Start-Anschub, so die Hohenlockstedter Unternehmerin Marianne Boskamp, die die Alte Schule am Vortag besucht hatte: „Es ist eine schwere Aufgabe, aber man muss es versuchen. Wir sind dabei.“ Sie wird den Verein fünf Jahre lang mit 5000 Euro jährlich stützen und würde sich auch um die Abdichtung der Feuchtigkeit in den Außenmauern kümmern. Nun werden weitere 20 Unternehmen und Kooperationspartner gesucht, die ebenfalls in dieser Dimension miteinsteigen. Damit wären die 100  000 Euro an jährlichen Betriebskosten gesichert. Denn Fördermittel, von denen diverse in Aussicht stehen, fließen nur, wenn eine Nachhaltigkeit von mindestens fünf Jahren garantiert ist, machten Carmen Galba und Anton Brade als Versammlungsleiter deutlich.

Insofern sei der Unterhalt und nicht der Kauf der Alten Schule der größte Kraftakt, den es zu stemmen und als erstes zu sichern gilt. Für den Kauf ist derzeit eine Genossenschaft mit vielen Anteilsnehmern in der Überlegung, was in den Details aber noch geprüft wird. Der Kaufpreis von 220  000 Euro ist dem Verein allerdings noch zu hoch. Der Wilsteraner Ratsherr Helmut Jacobs, der ebenso wie Amtsvorsteher Helmut Sievers der Gründungsversammlung angehörten, verwies darauf, dass schon feststehe, dass der Pavillon abgetrennt, der Stadt Wilster als Archivraum verkauft und damit auch der Kaufpreis geringer ausfallen werde.

Der nun gegründete gemeinnützige Verein dient mit einem jährlichen Mitgliedsbeitrag von 25 Euro der Förderung des Vorhabens sowie der Mittelbeschaffung und hat generell die Kunst und Kultur in der Region im Fokus. Es soll eine generationsübergreifende Bildungs- und Begegnungsstätte entstehen, die die Generationen und auch verschiedene Nationalitäten zusammenbringt, womit auch die aktuelle Flüchtlingsproblematik im Blick ist. Denn im Vereinszweck stehen auch Toleranz, internationale Gesinnung, Völkerverständigung und Heimatpflege, die sich gegen Ausgrenzung und Fremdenhass richtet.

„Die Kreativität von Anton Brade und seine Fähigkeit, Mitstreiter zu animieren, sind ein Glücksfall“, will Helmut Sievers auch in seiner Gemeinde und in den Nachbarkommunen für den Beitritt werben. Er schätze vor allem, dass das Projekt in einer Zeit der auseinander driftenden Generationen Jung und Alt zusammenbringe. Eine Besucherin beschrieb dies im Rückblick begeistert aus eigener Erfahrung: „Ich habe am Theaterkurs teilgenommen, und im Nebenraum war meine Tochter beim Breakdance.“

Für die Fortsetzung eines Kursprogramms und die Ausweitung in weitere kulturelle Dimensionen soll das Gebäude der Alten Schule bald komplett genutzt und baulich dafür nach und nach erschlossen werden. Neben eigenen Veranstaltungen und Kursen sollen auch zwei Räume vermietet werden, die beispielsweise unterstützende Firmen für Tagungen und Schulungen nutzen könnten. „Die Sparkasse wartet nur darauf, dass wir das Konzept vorstellen“, zeigte Anton Brade optimistisch die nächsten Schritte auf. 28 Besucher konstituierten sich als Gründungsversammlung und wählten ihn als ersten Vorsitzenden in den Vorstand. Carmen Galba ist Schriftführerin, Carsten Döhler zweiter Vorsitzender und Burkhart Lühmann Kassenwart.

Bis Weihnachten – solange hat der Schulverband weiterhin die freie Nutzung zugesagt – soll es ein Interimsprogramm geben, wozu nun auch die Vereinsmitglieder mit Angeboten für Abendveranstaltungen gefragt sind. Damit soll der in den letzten 25 Wochen erreichte Bekanntheits- und Beliebtheitsgrad aufrechterhalten werden. Denn die Bilanz, die Anton Brade zog, ist durchaus tragfähig:
Von 25 geplanten Kursen haben 20 stattgefunden, mit rund 200 Teilnehmern aus einem Altersspektrum zwischen acht und 76 Jahren. Zu weiteren 30 Sonderveranstaltungen fanden sich 1000 Besucher ein – und das alles mit einer Anschubfinanzierung von 8000 Euro und Sachspenden für 5000 Euro. Als Dank an die zahlreichen Unterstützer der letzten Monate verteilte Brade viele Sonnenblumen und kleine Sträuße. Er würdigte zudem den Schulverband, der die Schule mietfrei zur Verfügung stellt, die Volkshochschule als Träger des Projekts und viele Unternehmer und Privatleute, die mit Spenden und tatkräftiger Hilfe den Verlauf sicherten.

Der Abend klang mit vielen weiteren Gästen in einem kleinen Abschlussfest für das 25-Wochen-Projekt aus – mit swingender Musik, Tanz und diversen Gesprächen, die sich um die neue Zukunftsperspektive drehten. Wer das wohnlich erleuchtete, architektonisch ansprechende stadtzentrale Gebäude in die Nacht verließ, nahm das Bedürfnis nach Wiederkehr mit.

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erstellt am 31.Aug.2015 | 05:00 Uhr

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