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Norddeutsche Rundschau

31. Juli 2016 | 03:37 Uhr

Tiergestützte Therapie : Der Hund macht’s möglich

vom
Aus der Redaktion der Glückstädter Fortuna

Spielend lernen: Bei den Glückstädter Werkstätten unterstützt Rüde Barney die Arbeit von Therapeutin Christine Wegener.

Für Svenja Struve ist es immer ein besonderes Ereignis, wenn Barney die Tagesförderstätte der Glückstädter Werkstätten besucht. Der neunjährige Appenzeller Sennenhund hat das Herz der jungen Frau erobert. Wenn er mit seinem Frauchen Christine Wegener im Haus ist, bleibt Svenja Struve die ganze Zeit in Barneys Nähe. Begeistert übernimmt sie jede kleine Aufgabe, um die Christine Wegener sie bittet. Mal hält sie kurz die Hundeleine oder reicht Barney ein Leckerchen.

Seit fünf Jahren besucht die diplomierte Sprachheilpädagogin Christine Wegener regelmäßig die Tagesförderstätte mit ihren Therapie-Begleithunden. Neben Barney kommt auch ihre Australian-Shepherd-Hündin zum Einsatz. Tiergestützte Therapie nennt sich das Angebot, das einen festen Platz im Konzept der Tagesförderstätte hat und für das Wegener ihre Hunde gezielt ausgebildet hat.

„Der Effekt ist manchmal verblüffend: Da mühen sich geschulte Pädagogen jahrelang ab, und dann kommt plötzlich ein Hund rein und irgendetwas klappt, was vorher nicht ging“, sagt der Leiter der Einrichtung, Hans Jörg Reinhard, der vom Nutzen der Therapie mit Hund überzeugt ist. „Natürlich muss man immer im Einzelfall sehen, was für wen sinnvoll und hilfreich ist, aber da gibt es eine sehr gute Abstimmung mit Christine Wegener. Ihre Beobachtungen und Erfahrungen fließen dann auch wieder in die Arbeit unserer Betreuer ein.“

Die Arbeit mit dem Hund läuft immer spielerisch ab, jedoch stets mit therapeutischem Hintergedanken. Jeder Teilnehmer macht unterschiedliche Übungen – je nach seinen Vorlieben und Fähigkeiten. „Manche Dinge fördern die motorischen Fähigkeiten, andere stärken das Selbstbewusstsein oder trainieren die Konzentrationsfähigkeit oder das Sprachvermögen“, erklärt Wegener.

Siljan Marschall versteckt beispielsweise mit großer Freude Spielzeuge, die Barney dann mit der Nase sucht. Da er auf einen Rollstuhl angewiesen ist, ist dafür nicht nur Kommunikation mit dem Hund notwendig, sondern auch mit Wegener. Das Spiel funktioniert nur, wenn alle drei gemeinsam mitmachen. „Die Motivation sich in so einem Rahmen einzubringen ist sehr hoch und es ist nicht so frustrierend wie in einer klassischen Therapiesituation, wenn etwas nicht gleich auf Anhieb funktioniert“, sagt Wegener.

Die Tagesförderstätte ist nicht Barneys einziges Betätigungsfeld. „Er unterstützt mich auch viel bei meiner sonstigen therapeutischen Arbeit“, berichtet die 34-Jährige. Unter anderem setzt sie den Hund auch bei der Arbeit mit Demenzkranken in Seniorenheimen ein. Besonders habe der Hund aber bei Kindern und Jugendlichen eine sehr positive Wirkung. „Er dient als Eisbrecher. Gerade bei sehr verschlossenen Klienten komme ich oft viel schneller voran, wenn wir mit und über den Hund kommunizieren können.“

Ganz bewusst setzt Wegener dabei die Charaktereigenschaften ihrer beiden Hunde unterschiedlich ein. „Manchmal benötige ich einen frechen Hund, der aktiv ist und kommunikative Situationen schafft und manchmal brauche ich einen ruhigen Hund, der Vertrauen und eine entspannte Atmosphäre schafft.“ Letzteres ist Barneys Spezialgebiet, während seine vierbeinige Kollegin eher den aktiven Part übernimmt. Bald bekommen beide Verstärkung durch Welpe „Blümchen“. Die junge Schweizer Sennenhündin wird in Kürze bei Christine Wegener einziehen und dann auch gleich mit der Ausbildung für ihren anspruchsvollen künftigen Job beginnen.

 

 

 

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erstellt am 28.Jan.2015 | 12:00 Uhr

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