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Norddeutsche Rundschau

26. März 2017 | 07:31 Uhr

Ausbau-Streit : „Das Vertrauen in die Stadt ist zerstört“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Ausbau-Streit um den Kremper Ostlandweg geht weiter. Anwohner fordern weiter Einsparungen und senden sogar Hilferuf an Bundeskanzlerin

Sie wollen alles versuchen, um die Stadtpolitiker um Bürgermeister Volker Haack dazu zu bewegen, die kostengünstigere Variante für den Straßenausbau zu wählen und mögliches Einsparpotenzial zu nutzen. Nicht allein, um die private Finanzlage weniger stark zu belasten, sondern auch um den städtischen Haushalt geringer zu strapazieren. Von dem allerdings, was bislang von kommunalen Entscheidungsträgern in städtischen Gremien dazu geäußert wurde, sind die Anwohner des Ostlandweges enttäuscht – und wütend auf aus ihrer Sicht wenig Bewegung Richtung Bürgerwünsche und -anregungen. „Das Vertrauen zur Stadt ist zerstört“, formulierte es Anwohner Martin Haase frustriert nach der jüngsten Hauptausschusssitzung, in der noch einmal bekräftig wurde, an dem geplanten Ausbau festzuhalten. Die Entscheidung fällt die Ratsversammlung in ihrer nächsten Ratsversammlung am 28. März.

In den Augen der Ostlandweg-Bewohner war die Ankündigung der Anliegerbeteiligung eine Farce. „So wie es jetzt geplant ist, war es nie eine Entscheidung von Einwohnern“, sagt Werner Kaufmann, dessen Tochter und Schwiegersohn im Ostlandweg wohnen. Die ihnen angekündigte Einflussmöglichkeit habe es nicht gegeben. Den von der Stadt geplanten Straßenausbau empfinden die Anwohner als überdimensioniert. Momentan sei die Straße 4,2 Meter breit, nun solle sie auf 5,55 Meter ausgebaut werden. Dabei fange die geforderte Breite einer reinen Anliegerstraße bei 4,50 Meter an, selbst bei einer Breite von 4,75 Meter käme noch eine Kosteneinsparung zum Tragen. Das Argument, die Straße müsse Begegnungsverkehr ermöglichen und der Untergrund auf Schwerlaster ausgelegt sein, sorgt für Kopfschütteln. Alle zwei Wochen gelangen drei Laster der Müllabfuhr in die Straße – die übrigens wie alle anderen Verkehrsteilnehmer in den Ostlandweg nur durch den Grünen Weg gelangen, der durch „Pflanznasen“ verengt und verkehrsberuhigt ist. Und es gebe noch mehr Ungereimtheiten, wobei sich Anwohner fragen, warum nicht ein zweites Planungsbüro zu Rate gezogen werde.

Da sie sich in ihrer Situation allein gelassen fühlen, wenden sie sich nun verstärkt an die Öffentlichkeit. Heike Thiele hat Hilferufe an Politiker bis hinauf zur Bundesebene gerichtet – schrieb selbst an Bundeskanzlerin Angela Merkel. Sie stellt darin den geplanten Ausbau dar und fragt unter anderem: „Wenn wir schon laut Satzung der Stadt 75 Prozent der umlagefähigen Aufwendungen zu tragen haben, warum werden dann nicht die von den Anwohnern vorgeschlagene Einsparpotenziale berücksichtigt?“ Sie stellt auch die finanzielle Belastung für die etwa 40 Anwohner dar – im Mittel 14000 bis 15000 Euro, die Höchstbelastung liegt gar bei über 21  000 Euro. Und sie führt Einsparpotenziale an, die ein unabhängiger Ingenieur ihr auf Anfrage telefonisch mitgeteilt habe. „Schon die Verringerung der geplanten Straßenbreite um einen Meter könnte bis zu 100  000 Euro Ersparnis ermöglichen“, betont Heike Thiele. Eine Einsparmöglichkeit, die der Bauausschuss nicht nachvollziehen konnte. In öffentlicher Versammlung wurde bei schmalerer Straße nur eine vom von der Stadt beauftragten Planungsbüro eine Kostenverringerung von 10  000 Euro ermittelt. Auch beim Straßenbelag habe es die zugesagte Abstimmung mit den Anwohnern – ebenfalls vor dem Kostenhintergrund – nicht gegeben. Hinzu komme, dass die Stadt über die 40 Jahre, seit es die Straße gibt, keine Instandhaltungsnachweise erbringen könne. Nun aber werde eine Straße geplant, für die die Anwohner unangemessen zur Kasse gebeten würden. Wo bleibe die soziale Gerechtigkeit? Ob es eine Reaktion der Kanzlerin geben wird? Wie auch immer, aufgeben wollen die Ostlandweg-Anwohner nicht.  

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erstellt am 19.Mär.2017 | 08:00 Uhr

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