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Norddeutsche Rundschau

04. Dezember 2016 | 07:15 Uhr

Städtebau : Das neue Gesicht der Alten Schule

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Heiligenstedtener errichtet in Wilster ein Wohnquartier mit Eigentumswohnungen und Lebensraum für Menschen mit Behinderungen

Wo einst ganze Generationen von Kindern die Schulbank drückten, und wo zuletzt ein reger Kulturbetrieb herrschte, entsteht jetzt das Wohnquartier am Stadtpark. Der Heiligenstedtener Architekt Ralf Momsen präsentierte im Bauausschuss der Stadt Wilster erstmals konkrete Pläne für die städtebaulichen Veränderungen in der Etatsrat-Michaelsen-Straße.

„Ich bin Betroffener, Architekt und Bauherr zugleich“, stellte sich Momsen zunächst in einer eher ungewöhnlichen Dreierkonstellation vor. Abgesehen von seinen beruflichen Ambitionen hat das Ehepaar Momsen auch eine private Triebfeder, die letztlich zum Erwerb der attraktiven und sehr zentral gelegenen Fläche direkt am Stadtpark geführt habe.

„Für mich ist das auch eine Herzensangelegenheit“, machte der Vater einer behinderten Tochter deutlich. Gemeinsam mit seiner Frau hatte sich ihm nämlich die Frage gestellt: Wie geht es eigentlich nach dem Besuch der Steinburg-Schule weiter? Und: Wie können Menschen mit einem Handicap möglichst umfassend am Leben teilhaben?

Das von ihm geplante Wohnquartier stehe deshalb auch ganz unter dem Zeichen der Inklusion. Dabei reagiert der Investor aber auch auf den steigenden Bedarf von Wohnraum gerade auch für die Zielgruppe der älteren Menschen, die ihren Lebensabend möglichst in zentraler Lage, aber auch weiterhin in eigener Regie verbringen wollen. Das neue Hauptgebäude sieht laut Momsen 12 bis 13 Eigentumswohnungen in Größenordnungen von 70 bis 136 Quadratmetern vor. „Das Interesse für solchen Wohnraum ist da“, sieht Momsen gute Vermarktungschancen.

In einem zweiten Gebäude sollen 15 Mietwohnungen in Größen zwischen 48 und 110 Quadratmetern angesiedelt werden. In Ausstattung und Barrierefreiheit sind sie bewusst für Menschen mit Behinderungen gedacht. Jede der Wohnungen, so beschrieb Momsen, verfüge zwar über eine kleine Pantry. Alle Bewohner zusammen könnten aber eine große Gemeinschaftsküche nutzen – vor allem auch als Ort der Begegnung und des Miteinanders. Eine kleine Wohnung für eine Pflegekraft und ein Büro für eine vielfältige Nutzung runden die Planung ab. Zusätzlich könnte in dem Gebäudekomplex auch noch das zuletzt immer wieder umgesiedelte Stadtarchiv ein endgültiges Zuhause finden.

„Die Abrissgenehmigung liegt vor“, erläuterte Momsen den Zeitplan. Voraussichtlich noch in diesem Sommer sollen die vorhandenen Schulgebäude von der Bildfläche verschwinden. Im Spätherbst könnte dann mit der Tiefgründung begonnen werden. Wenn alles nach Plan läuft, soll das Wohnquartier im Frühjahr 2018 stehen.

Bei der Planung, so betonte der Architekt weiter, sei berücksichtigt worden, dass die Neubauten die vorhandene Bausubstanz nicht überragen. Überhaupt sei das äußere Erscheinungsbild des neuen Wohnquartiers dem alten Bestand nachempfunden. Momsen plant zudem die Wiederherstellung eines früher wohl vorhandenen direkten Zugangs von der Etatsrat-Michaelsen-Straße zum Stadtpark.

Mit der Schaffung von Wohnraum für behinderte Menschen sieht sich Momsen als ideale Ergänzung zu den Plänen der Glückstädter Werkstätten, die ebenfalls Wohnraum, vor allem aber Arbeitsplätze auf dem Gelände des ehemaligen Wandmakermarktes schaffen wollen. „Bei Pflege und pädagogischer Betreuung können wir gut kooperieren“, fasste Momsen ein erstes gemeinsames Gespräch zusammen. Die beiden Projekte hätten sich übrigens unabhängig voneinander ergeben und würden sich nun gut ergänzen. Werkstätten-Geschäftsführer Emanuel Gaenslen verwies in diesem Zusammenhang auf die von seiner Einrichtung angebotenen ambulanten Dienste.

Im Bauausschuss zeigte man sich von den Planungen rundum angetan. Entsprechend zustimmend – so die Beschlussvorlage – wurde das Wohnquartier am Stadtpark denn auch zur Kenntnis genommen.

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erstellt am 21.Jun.2016 | 12:12 Uhr

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