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Norddeutsche Rundschau

10. Dezember 2016 | 13:53 Uhr

Energiewende : Das Milliarden-Projekt von Diekdorf

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Spatenstich mit Minister Robert Habeck und der Norwegische Botschafterin: Nahe Wilster beginnt der Bau der Konverterstation für die feste Stromleitung nach Norwegen.

Hartwig Beimgraben rückte erst einmal die Örtlichkeiten wieder zurecht: Die riesige Konverterstation entstehe nämlich nicht in Wilster, sondern in Nortorf. Und das Baugelände befinde sich auch nicht unter der Anschrift Dwerfeld, sondern im Ortsteil Diekdorf. Der Bauer muss es wissen. Einst liefen hier nämlich seine jungen Bullen herum. Tennet hat insgesamt rund zehn Hektar landwirtschaftliche Flächen erworben. Auf einem kleinen Teil davon stand gestern ein Zelt mit festlich eingedeckten Tischen. Geladene Gäste mit Energiewendeminister Robert Habeck und der Botschafterin des Königsreichs Norwegen, Elisabeth Walaas, an der Spitze feierten hier den Auftakt für einen entscheidenden und am Ende fast zwei Milliarden Euro teuren Baustein der deutschen Energiewende: den Baubeginn für eine Konverterstation mit fester Leitung nach Norwegen.

Zum Auftakt erschreckte Lex Hartmann als holländischer Geschäftsführer des Netzbetreibers und Bauherrn Tennet Moderator Carsten Kock mit dem Hinweis, dass Holländer vor allem dadurch bekannt seien, dass sie mit Wohnwagen und Tempo 120 die Autobahnen bevölkerten. Später erinnerte Wilsters Bürgermeister Walter Schulz aber auch daran, dass es ohne die Holländer das Projekt Nordlink an dieser Stelle vielleicht gar nicht geben würde. Die hatten nämlich im 11. Jahrhundert die Wilstermarsch erst eingedeicht.

Rund 900 Jahre später sind die Holländer wieder da – und schreiben vor allem das Thema Sicherheit ganz groß. Vor den offiziellen Reden wies Mitarbeiter Jürgen Kübler die Gäste detailliert ein. Man möge bitte das eingezäunte Gelände nicht verlassen, DRK (die Bereitschaft aus Wilster) und Feuerwehr (Helfer aus Nortorf) stünden für den Notfall bereit. Und bei Alarm solle man sofort eine Rettungsgasse bilden und sich zügig zum Sammelplatz begeben. Dabei ging zumindest gestern von der Baustelle nicht wirklich eine Gefahr aus. Bis auf eine gewaltige Sandfläche war nichts zu sehen. Ein Bagger stand in gebührendem Sicherheitsabstand bereit. Von hier aus wurde mit vereinten Kräften zumindest symbolisch ein dickes grünes Stromkabel über den Sandboden gezogen. Einzig die auf einer kleinen Bühne versammelten Fotografen und Fernsehteams hätten beim Bewältigen von zwei Stufen ins Rutschen geraten können. Alle Helfer verlebten einen ruhigen Tag.

Dafür hatte Lex Hartmann ein Plakat aus dem Lehrbuch deutscher Verkehrsschilder mitgebracht. Es zeigt unter anderem ein gelbes Ortseingangsschild auf dem Wilster steht. Der in die Literatur für Fahrschüler eingegangene Ortsname ist auf eine Initiative des früheren Bundesverkehrsministers Lauritz Lauritzen zurückzuführen. In landsmännischer Verbundenheit wählte er einst den Namen Wilster aus. Hartmann ist überzeugt, dass die Stadt mit der Konverterstation bundesweit nun ein zweites Denkmal bekomme. Da hilft es wohl auch nichts mehr, dass Nortorfs Bürgermeister Manfred Boll nicht müde wurde darauf hinzuweisen, dass die Anlage in seiner Gemeinde stehe.

Mit einem kleinen Empfang im Neuen Rathaus ging der Tag zu Ende. Tennet-Projektleiter Gunnar Spengel überreichte Walter Schulz ein neues Goldenes Buch für die Stadt. Als Erste hatte sich hier die Botschafterin eingetragen. Die nächste große Feier kündigte Lex Hartmann für 2019 an. siehe auch Wirtschaftsseite

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erstellt am 17.Sep.2016 | 09:00 Uhr

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