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Norddeutsche Rundschau

25. September 2016 | 12:35 Uhr

Grossübung : Das große Geheule

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Am Sonnabend um 12 Uhr heulen 240 Sirenen zwecks einer Übung im Kreis Steinburg.

Morgen um Punkt 12 Uhr wird es laut im gesamten Kreisgebiet: 240 Sirenen werden eine Minute lang in einem auf- und abschwellenden Signal ertönen. In diesem Fall besteht kein Grund zur Sorge, es handele sich lediglich um einen Probealarm, unterstreicht Landrat Torsten Wendt. Das Sirenensignal „Warnung der Bevölkerung“ wird getestet, damit es die Bürger im Ernstfall richtig einordnen können. Nur wer das Sirenensignal erkennt, kann sich auch entsprechend verhalten.

Doch viele Bürger wissen im Ernstfall nicht, was zu tun ist. „Sie kennen nur aus Filmbeiträgen aus dem Zweiten Weltkrieg als Fliegeralarm. Da hat man automatisch sofort Schwarz-Weiß-Bilder im Kopf“, erklärt Katastrophenschutzdezernent Hans Treinies. Morgen brauchen sich die Steinburger nicht weiter um das Signal zu kümmern, im Ernstfall hingegen sollten sich die Bürger in einem Gebäude in Sicherheit bringen, das Radio einschalten und die Rundfunkansage abwarten, klärt Treinies auf. „Bei Stromausfall das Autoradio nutzen“, rät er.

„Auf keinen Fall die Notrufnummern 112 oder 110 wählen, wenn es sich nicht um einen schwerwiegenden medizinischen Notfall handelt“, appelliert Treinies eindringlich an die Steinburger. „Polizei, Feuerwehr und Katastrophenschutz benötigen jede freie Leitung, um Hilfs- und Rettungsmaßnahmen einzuleiten. Wenn jeder zum Telefon greift, brechen die Netze zusammen, was die Handlungsfähigkeit der Retter enorm einschränkt.“ Bei den Stürmen „Christian“ und „Xaver“ sei genau dieser Fall eingetreten. „Da riefen Leute an, um mitzuteilen, dass der Busch umgekippt ist und ein Herzinfarktpatient hing womöglich in der Warteschleife.“

Ein besonderes Augenmerk sei im Ernstfall auch auf pflege- und hilfsbedürftige Mitbürger zu legen. „Die Nachbarn verständigen und gegebenenfalls helfen, diese in Sicherheit zu bringen“, sei eine Bürgerpflicht, so Treinies. Und auch ausländische Nachbarn müssen unter Umständen gewarnt werden. „Denen ist das hiesige Warnsystem nicht bekannt und sie haben nur geringe oder keine Deutschkenntnisse“, unterstreicht Treinies.

„Ich bin froh, dass der Kreis die Sirenen noch hat“, betont er. Bis zum Ende des Kalten Krieges waren bundesweit noch flächendeckend Sirenen installiert, wurden dann vielerorts abgeschafft. „Der Kreis Steinburg übernahm alle Sirenen der Gemeinden, weil er nach unserer Gefahrenanalyse nicht auf diese verzichten kann und will“, verweist der Katastrophenschutzdezernent auf die zwei Kernkraftwerke in Brunsbüttel und Brokdorf und die Nähe zur Elbe. Aber auch in Hinblick auf neue Gefahren wie Tornados und Terror muss die Bevölkerung schnell und flächendeckend gewarnt werden können. „Diese Szenarien sind nicht wahrscheinlich, aber wir müssen auf das Unwahrscheinliche vorbereitet sein.“

Wenn die Gefahr vorüber ist, heult die Sirene in einem einminütigen Dauerton. Auch das wird morgen getestet und zwar um 12.05 Uhr.

Die anderen Sirenensignale sind den Steinburgern hingegen vertraut. „Die Sirenenprobe haben die Steinburger im Blut, die kennt hier jeder“, so Treinies: Für fünf bis zwölf Sekunden schrillt die Sirene jeden ersten Sonnabend eines Monats im Kreisgebiet. Und einige Gemeinden setzen mit dem Feueralarm – drei aufeinander folgende 15-sekündige Dauertöne – die Feuerwehr in Marsch. „Mittlerweile alarmieren viele Wehren die Einsatzkräfte aber über einen stummen Alarm.“ Das sind tragbare Funkmeldeempfänger, die von der Leitstelle in Elmshorn ausgelöst werden.

Auch in der Katastrophen-Warnung verbreiten sich immer mehr modernere Methoden, es gibt die Warnung direkt aufs Smartphone. Katwarn und Nina (Notfall-Informations- und Nachrichten-App) heißen die beiden gängigen Apps. In München hat die Warn-App Katwarn beispielsweise die Einwohner nach den Schüssen im Einkaufszentrum gewarnt. Auch im Kreis Steinburg sind diese beiden Apps im Gespräch, informiert Kreiswehrführer Frank Raether. „Man macht sich Gedanken, auch diesen Teil mitzunutzen. Das ist ein wichtiges System, um die Bürger zu erreichen. Vorbereitungen dazu laufen noch.“ Dass die Warnsysteme die Sirenen ablösen, sieht Raether aber nicht: „Gerade in Hinblick auf die Kernkraftwerke machen Sirenen Sinn. Lieber ein Signal mehr geben, als im Nachhinein nicht alle Bürger erreicht zu haben.“

Die Sirenenübung ist nur eine von drei Übungen am Sonnabend. Im Chemiepark Brunsbüttel wird der Ernstfall geprobt, bei dem der Löschzug-Gefahrgut des Kreises Steinburg sowie örtliche Feuerwehren und die Werksfeuerwehr beteiligt sind. Zusätzlich findet im Kreishaus in Itzehoe eine Stabsrahmenübung statt.

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erstellt am 16.Sep.2016 | 13:00 Uhr

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