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Norddeutsche Rundschau

07. Dezember 2016 | 09:45 Uhr

Aktien : „Das Bauchgefühl muss mitspielen“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

In Zeiten von Niedrigzinsen wirbt Fondsmanager Martin Paulsen vom Itzehoer Aktienclub für Wertpapiere – viele Anleger tun sich jedoch schwer.

Wer spart, möchte damit Gewinne erzielen. Doch wie geht das in einer Phase, in der es auf klassische Anlagen nur noch geringe Zinsen gibt? Dieser Frage widmet sich der Itzehoer Aktien Club (IAC) bei seiner Herbsttour. Der Auftakt ist Mittwoch, 2. November, 19.30 Uhr, im Hotel Mercure in Itzehoe. Unter dem Titel „Das Zins-Dilemma“ hält IAC-Fondsmanager Martin Paulsen ein kostenloses Seminar, in dem er Aktien und Aktienfonds als Alternative zu klassischen Anlageformen vorstellt. Im Interview haben wir ihn nach möglichen Chancen und Risiken gefragt.

Herr Paulsen, haben Sie eigentlich noch ein Sparbuch?

Ich habe tatsächlich noch ein altes Sparbuch von der Postbank. Das habe ich neulich auf dem Dachboden gefunden. Eine Mark ist da noch drauf, das ist glaube ich noch zu verzeihen. Ansonsten hat das Sparbuch mittlerweile ausgedient.

Wie legen Sie dann ihr Geld an?

Ich glaube, dass man sich am Produktivkapital einer Volkswirtschaft beteiligen muss. Das geht für den Normalsparer über Aktien- und Aktienfonds. Daher ist auch nahezu mein vollständiges Vermögen in Aktien oder Aktienfonds angelegt. Natürlich habe ich auch eine Liquiditätsreserve, die jeder vorhalten sollte.

Und das würden Sie jedem Sparer empfehlen?

Ja. Auf klassische Anlagen gibt es nur geringste oder gar keine Zinsen mehr. Zinsprodukte sind auf Jahre, möglicherweise Jahrzehnte unattraktiv geworden. Aktienfonds bieten eine gute und einigermaßen sichere Alternative, mit der Sparer auch weiterhin eine Rendite erzielen können.

Was ist denn eigentlich ein Aktienfonds?

Einen Aktienfonds kann man verstehen als ein Sammelsurium von Anteilen vieler verschiedener Unternehmen. In einem deutschen Aktienfonds sind in der Regel immer die Firmen vorhanden, die Deutschland in der Welt repräsentieren, wie BMW, Siemens, BASF und Bayer. Es handelt sich in der Regel um eine breite Mischung vieler Unternehmen, um die Risiken abzufedern, aber gleichzeitig am Wirtschaftswachstum zu partizipieren.

Das Risiko ist also geringer als wenn ich nur eine einzelne Aktie kaufe?

Richtig. Wenn ich nur drei Aktien habe und eine macht pleite, dann ist der Vermögensaufbau oder die Altersvorsorge in Gefahr. Ein Fonds hat traditionell 50 bis 100 einzelne Titel im Depot und damit eine wesentlich breitere Basis.

Wenn ich in einen solchen Fonds investiere, dann sind Gewinne garantiert?

Eine Garantie kann Ihnen keiner geben. Je länger Sie allerdings ihr Geld anlegen, desto geringer das Risiko, dass Sie am Ende mit weniger dastehen. Ein Zeithorizont von fünf Jahren sollte das Minimum sein. Kurzfristige Schwankungen oder auch stärkere Einbrüche sind allerdings immer möglich. Damit muss man als Aktionär leider leben können.

Wie hoch sind denn die Gewinne, mit denen ich bei einem Aktienfonds rechnen kann?

Wie gesagt, es gibt keine Garantie. Wenn Sie die größeren Indizes nehmen wie den Weltaktienindex oder den Dow Jones, dann sind acht bis zehn Prozent auf lange Sicht sicher eine realistische Rendite.

Auf der anderen Seite fallen bei Fonds auch Gebühren an. Wer in den Fonds des Itzehoer Aktienclubs einsteigt, zahlt einen einmaligen Aufschlag auf die Anlagesumme von 2,5 Prozent und eine jährliche Managementgebühr von 1,5 Prozent. Macht es das am Ende nicht unprofitabel?

Auf Kosten sollte jeder Anleger durchaus schauen. Im Vergleich mit herkömmlichen Fonds sind die Gebühren beim Itzehoer Aktienclub moderat. Aber von Luft und Liebe lebt natürlich keiner, sowohl wir nicht als auch jeder andere Fonds.

Unterliegen die Fondsmanager denn einer gewissen Kontrolle?

Es gibt Anlagerichtlinien, in deren Rahmen die Fondsmanager frei entscheiden können. Wenn ich beispielsweise einen Europa-Fonds habe, kann der Manager nicht plötzlich sagen: Ich kaufe nochmal eben die Goldmine in Indonesien dazu. Wichtig für Anleger ist, dass transparent kommuniziert wird, in was investiert wird. So kann der Anleger dann selbst entscheiden, ob er sich mit diesem Stil arrangieren kann.

Aus Ihrer Sicht heißt das also: Ich kann mein Sparbuch und meine Lebensversicherung auflösen und investiere mein gesamtes Anlagekapital in Aktien?

Der Schritt, von 100 Prozent Sparbuch auf 100 Prozent Aktien umzusteigen, ist zwar aus meiner Sicht zu begrüßen. Ein so großer Spagat könnte aber zu Verwirrung oder bei einem kurzzeitigen Kursrückgang zu Enttäuschung führen. Letztlich muss das eigene Bauchgefühl mitspielen. Was nützt es, wenn ich zwar anlagemäßig richtig aufgestellt bin, aber nachts nicht mehr schlafen kann. Kleine Schritte zu gehen, ist der sinnvollere Weg.

Statt in Aktien könnte ich ja auch in Windräder oder Immobilien investieren...

Es ist auf jeden Fall schon mal besser in Sachwerte statt in Geldwerte zu investieren. Allerdings muss ich bei Windkraft relativ hohe Summen über einen relativ langen Zeitraum anlegen. Bei Immobilien gibt es exorbitante Steigerungen in den Metropolen, aber nicht im ländlichen Raum, wie zum Beispiel in Itzehoe.

Trotz allem: Die Mehrheit der Deutschen setzt immer noch auf klassische Anlageformen. Woran liegt das?

Das ist eine schwierige Frage. Ich glaube, es hat etwas mit der Trägheit der Deutschen zu tun. Albert Einstein sagte einmal: „Die reinste Form des Wahnsinns ist es, alles beim Alten zu lassen und gleichzeitig zu hoffen, dass sich etwas ändert.“ Das Zins-Umfeld hat sich in den letzten zehn Jahren deutlich verändert, da wäre es es unklug, bei seiner Vermögensanlage alles so zu belassen, wie es ist.


>Anmeldung zum Seminar unter 04821/67930 oder unter www.iac.de

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erstellt am 25.Okt.2016 | 05:00 Uhr

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