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Norddeutsche Rundschau

10. Dezember 2016 | 06:12 Uhr

Lebensretter : Dank für beherzten Sprung ins Wasser

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Silke Meier fuhr mit ihrem Rollstuhl in das Schwarzwasser in Glückstadt – Ali Güler rettete ihr das Leben

Es war ein dramatischer Unfall vor einigen Wochen: Silke Meier landete mit ihrem Rollstuhl im Schwarzwasser. Fast wäre die 52-Jährige ertrunken. Doch Ali Güler sprang hinterher und hielt ihren Kopf über Wasser. Seine Frau Bircan hielt zur gleichen Zeit Autos an, um weitere Hilfe zu holen. Jetzt trafen sich die Drei im Eisenbahncafé der Glückstädter Werkstätten, und Silke Meier dankte ihren Lebensrettern.

„Ich wollte nicht ins Schwarzwasser fahren“, versichert Silke Meier bei dem Kaffeetrinken scherzend. Sie sei gerade vom Theater spielen aus den Glückstädter Werkstätten gekommen und auf dem Wege nach Hause zur Wohngruppe im Tegelgrund gewesen. Silke Meier erinnert sich nur noch, dass das Hinterrad ihres Rollstuhls blockierte. „Ich habe Hilfe, Hilfe gerufen.“ Sie war voller Angst, denn der Rollstuhl rutschte über die Uferböschung in den Fluss.

„Wir sind gerade mit dem Auto vorbeigefahren“, erzählt Ali Güler. Er sah, was passierte und hielt an. Er zögerte keine Sekunde. „Ich bin einfach reingesprungen.“ Das Einzige, was der 27-jährige Glückstädter dann tun konnte: Den Kopf von Silke Meier über das Wasser halten. Denn aufgrund ihrer Krankheit war sie am Rollstuhl angegurtet, die Beine fest fixiert. Er konnte sie nicht herausholen. „Ich habe immer nur gehofft: Hoffentlich kippt der Rollstuhl nicht.“ Zu Hilfe kam ihm Friedrich Fuchs, ein Passant, der das Unglück ebenfalls gesehen hatte. Glück war es, dass die Männer im Fluss stehen konnten, das Wasser ging ihnen nur bis zur Brust – und der 10. Juni war ein warmer Tag.

Bircan Güler hielt inzwischen Autos an und bat um Hilfe. „Ein Lastwagenfahrer holte ein Seil aus dem Wagen“, sagt die 23-Jährige. Das Seil warfen sie ins Wasser, wo es Ali Güler und Friedrich Fuchs durch die Reifen des Rollstuhls schoben. So fest verankert, zogen die mittlerweile zahlreichen Helfer auf dem Gehweg den Rollstuhl mit Silke Meier an Land. Güler und Fuchs halfen dabei aus dem Wasser heraus.

Ali Güler hat sich anschließend noch viele Gedanken gemacht. „Ich habe Angst gehabt, dass ich es nicht schaffe.“ Dies ging ihm noch Tage danach durch den Kopf, die erste Nacht habe er sehr unruhig geschlafen. Denn an dem Abend war er bei seinen Schwiegereltern eingeladen, zu ihnen war er unterwegs. Sein Vater hatte ihn gebeten, vorher im Schrebergarten noch Pflanzen zu gießen, was ihm zeitlich wegen der Einladung nicht so ganz passte. Heute ist der Glückstädter froh, dass er in den Schrebergarten gefahren ist. Denn so kam er genau zur rechten Zeit an dem Unglücksort in der Stadtstraße vorbei. Kritisch sieht Ali Güler den Zustand des Gehweges: „Der muss erneuert werden“, fordert er. Zumindest müsste dort eine Absperrung hin zum Ufer aufgestellt werden.

Dankbarkeit zeigten auch Jörg Meklenburg, Bereichsleiter der Wohnstätten der Glückstädter Werkstätten, und Bereichsleiterin Susanne Karats. Die Beiden hatten das Treffen organisiert, und als kleine Geste Blumen und einen kleinen Präsentkorb für das Ehepaar Güler besorgt.

Der zehn Monate alte Sohn der Gülers hat von den dramatischen Ereignissen nichts mitbekommen: Selim schlief tief und fest im Auto, als seine Eltern das Leben von Silke Meier retteten. Um so munterer zeigte er sich jetzt beim Treffen im Eisenbahncafé.

Silke Meier ist nur froh, dass sie überlebt hat und schnell wieder aus dem Krankenhaus entlassen wurde. Denn körperlich hatte sie den Unfall unbeschadet überstanden. Allerdings fährt sie seit ihrem Unfall nicht mehr auf dem Gehweg am Wasser entlang, sondern auf dem Weg auf der anderen Seite der Stadtstraße. Und sie spielt weiterhin im Theater mit. Die Aufführung von „Romeo und Julia“ ist für den Winter geplant.

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erstellt am 09.Jul.2016 | 08:00 Uhr

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