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Norddeutsche Rundschau

11. Dezember 2016 | 03:21 Uhr

Feuerwehr : Chlorgas-Übung erschreckt Anwohner

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Im Freibad Wacken proben Freiwilligen Feuerwehren Wacken, Nienbüttel-Agethorst-Bokelrehm und der Löschzug Gefahrgut den Ernstfall sehr authentisch: Bürger alarmieren die Polizei

„Hiiilfeee, wo seid ihr? Helft mir! Hilfe!“ – die Schreie des jungen Mannes gingen durch Mark und Bein und wirkten so echt, dass Anwohner rund um das Freibad Wacken sogar die Polizei verständigten. Glücklicherweise handelte es sich dabei nur um eine Gemeinschaftsübung der Freiwilligen Feuerwehren Wacken, Nienbüttel-Agethorst-Bokelrehm und dem LöschzugGefahrgut (LZG) des Kreises Steinburg. Der simulierte Chlorgas-Austritt mit drei vermissten und verletzten Personen hielt am Freitagabend die rund 60 Feuerwehrkameraden auf Trab.

Wenn im Sommer das Freibad wieder seine Tore öffnet und Kinder und Erwachsene den Sprung ins Kühle Nass genießen, machen sich nur wenige Besucher Gedanken darüber, welcher Aufwand für die Sicherheit der Badegäste betrieben werden muss. Neben der gesicherten Badeaufsicht müssen Hygienevorschriften eingehalten werden. Die Chlorgasanlage, die das Badewasser kontinuierlich mit der keimtötenden Substanz anreichert, ist dafür unverzichtbar. Was aber passiert, wenn Chlorgas in die Umgebung entweicht? Dieses Szenario arbeitete Amtswehrführer Matthias Venohr zusammen mit dem Leiter des LZG, Björn Lüdtke, aus. „Wir wollen die Kameraden mit der potenziellen Gefahrensituation vertraut machen und für den Ernstfall sensibilisieren“, erklärt Venohr.

Nach der Alarmierung um 18.46 Uhr trafen wenige Minuten später die ersten Einsatzkräfte am Schwimmbad ein. Unter der Einsatzleitung von Matthias Venohr und Zugführer Helge Jacobs (LZG) galt es zunächst den immer noch laut um Hilfe schreienden Mann zu finden. Der Verletzte presste immer wieder seine Hände vor das Gesicht und wimmerte. Er habe zusammen mit seinen beiden Kollegen an der Chlorgasanlage gearbeitete e und dabei eine der mit der giftigen Substanz gefüllten Flasche umgekippt.

Im Rahmen ihrer Möglichkeiten begannen die Wackener Kameraden nach Erkundung des Geländes und der Personenrettung schließlich mit dem Aufbau einer Not-Dekontamination, während die Kameraden aus Nienbüttel-Agethorst-Bokelrehm sich um die Wasserversorgung bemühten, um die gefährlichen Chlorgase mit einem Hydroschild (Wasserwand) nieder zu schlagen. Nachdem auch der LZG aus Nordoe mit zehn Fahrzeugen, zwei Abrollcontainern sowie Strahl- und Atemschutz an dem Unglücksort eintraf, errichteten dieser sofort eine professionelle Dekontaminations-und Atemschutzsammelstelle. Gleichzeitig begannen zwei LZG-Trupps unter Einsatz ihrer Chemieschutzanzüge (CSA) und leichten Schutzanzügen mit der Rettung weiterer vermisster Personen, die sich noch in dem Chlorgasgebäude, in dem das ausströmende Gas durch dicke Nebel-Schwaden simuliert wurde, aufhielten. Den Abschluss der Gemeinschaftsübung bildeten Messfahrten in der näheren Umgebung, um die Konzentration des giftigen Stoffes in der Atemluft zu messen.

„Die Übung hat uns gezeigt, wie wichtig eine gute Zusammenarbeit ist – auch bei nicht alltäglichen Einsätzen“, zeigte Venohr sich nach der mehrstündigen Übung zufrieden. Diese Gemeinschaftsübung, die ein hohes Maß an Kräfteaufwand forderte, mache deutlich, dass bei einem solchen Unglück auch immer eine große Gefahr für alle Kameraden besteht.

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