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Norddeutsche Rundschau

04. Dezember 2016 | 21:31 Uhr

Little Flowers of China : Chinas kranke Kinder: Ausgesetzt, um zu überleben

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Jana Schmidt aus Grevenkop unterstützt mit ihrem Verein „Little Flowers of China” Waisenheime und arme Familien in China

Der kleine Hao aus China ist krank. Er leidet an Epidermolysis Bullosa, auch Schmetterlingskrankheit genannt. Seine Haut ist so empfindlich, dass sie bei Hautkontakt regelrecht zersplittert. Seine Behandlung ist kostspielig. Doch Hao hat Glück gehabt. Seine Familie ist zwar arm, aber die Liebe seiner Eltern ist größer als die Angst vor der finanziellen Belastung, die sie stemmen müssen. Und damit steht seine Situation in krassem Gegensatz zu anderen kranken Kindern armer Eltern. Viele Mütter und Väter fühlen sich von den Kosten für medizinisches Material überfordert, sehen nur einen Ausweg, damit ihr Kind überlebt: Die Eltern setzen es in der Hoffnung aus, dass es in einem der 1000 Waisenheime in China geheilt wird. Doch: „Das Kind wird dann zwar wieder gesund, aber es hat keine Familie mehr. Das darf nicht der Preis sein, damit ein Kind medizinische Betreuung bekommt“, sagt Jana Schmidt aus Grevenkop.

Um hier zu helfen, gründete die 40-Jährige im Jahr 2012 den Verein „Little Flowers of China“. Den Anstoß dazu gab der Tod der zweijährigen Yue Yue im Jahr 2011. Das Mädchen wurde von einem Lkw überrollt, viele Passanten gingen an dem blutenden Kind vorbei ohne sich zu kümmern. Der Vorfall löste heftige Diskussionen über die Herzlosigkeit in der Gesellschaft aus – und lenkte die Aufmerksamkeit der Grevenkoperin auf Chinas kranke Kinder. Zusammen mit nun 26 anderen Ehrenamtlichen tut sie nun alles, um ausgesetzten Kindern in China zu helfen. „So weit soll es aber gar nicht erst kommen. Mit unserem Familien-Hilfsprogramm möchten wir Eltern daran hindern, ihre Kinder wegzugeben. Das tun sie aus purer Verzweiflung.“ Deshalb konzentriert sich der Verein nun verstärkt darauf, mittellosen Familien unter die Arme zu greifen.

Er unterstützt mittlerweile 30 private und staatliche Waisenheime. Pro Monat schickt er zirka sechs 15 bis 20 Kilogramm schwere Pakete nach China: Babywindeln, Spezialnahrung und -fläschen, Wundcreme, Kompressen, Verbände. Freiwillige – Mitarbeiter aus den Heimen oder Deutsche, die in China leben – holen die Pakete vom Flughafen ab und bringen sie zu den Heimen. In den fast fünf Jahren Vereinsarbeit hat Jana Schmidt ein Netzwerk in China aufbauen können. „Wir arbeiten Hand in Hand mit anderen Organisationen, die direkt vor Ort präsent sind.“ Unterstützung bekommt der Verein auch von Geschäftsleuten und einer Stewardess, die regelmäßig nach Asien fliegen und auf Gepäck verzichten, um stattdessen die Sachspenden mit an Bord zu nehmen. Auch Geldspenden werden dringend benötigt: „Davon bezahlen wir beispielsweise Spezialkleidung oder die notwendigen Operationen der Kinder“, erklärt Jana Schmidt.

Die zweifache Mutter macht sich alle zwei Jahre selbst ein Bild vor Ort – zuletzt im Mai. Wenn sie darüber spricht, kommen der Grevenkoperin die Tränen. „Den Kindern fehlen die Eltern, sie sind hungrig nach Liebe. In einem Raum lagen überall kranke Babys. Als Mutter weißt du, dass gerade kranke Kinder die Mama brauchen.“ Umso wichtiger sei es, den Familien Unterstützung zu geben, damit sie in der Lage sind, ihren Kindern selbst helfen zu können. „Das ist jedes Mal eine emotionale, beeindruckende und auch wichtige Reise.“

Die Untätigkeit der chinesischen Regierung macht Jana Schmidt wütend: „Sie hilft diesen Familien nicht. Und sieht weg.“ Etwa 50 Prozent der Kinder in den staatlichen Heimen seien unterernährt, 90 Prozent der Heimkinder krank oder körperlich behindert. „Sogar Frühchen mit weniger als 1000 Gramm Körpergewicht liegen in den Heimen. Aber wir dürfen nicht immer die Fotos aus den Heimen veröffentlichen, die wir wollen, um zu zeigen, wie es vielen Kindern geht. Dennoch versuchen wir so gut es geht rüberzubringen, wie es wirklich ist. Auch für die Familien, die ein krankes Kind zur Welt bringen und Arztkosten nicht bezahlen können. “ Zum größten Teil dürften nur Fotos veröffentlicht werden von Kindern, denen es gut gehe. „Die anderen darf man nicht zeigen.“ Die Angst bei den Heimleitern sei groß. „Wir respektieren das. Dennoch möchten wir weiterhin versuchen, die Wirklichkeit zu zeigen“, schreibt sie auf der Homepage des Vereins. „Wenn keiner etwas sagt, erfährt auch niemand davon.“

Dennoch: Jana Schmidt liegt das Land am Herzen. „Ich mag China, das Leben, das Land und die Menschen. Es hat mich in den Bann gezogen. Ebenso die Probleme, die es für die Kinder und armen Familien darstellt. Für mich ist es eine Mission geworden. Eine Lebensaufgabe. Steht man einmal in einem so großen Waisenheim, dann verändert es einen. Man will einfach nur helfen.“

Unterstützung bekommt „Little Flowers of China“ nun auch aus der Musikszene: Die Rockband „Alpha Avenue“ aus Bayreuth hat den Song „Eyes of Angels“ für den Verein geschrieben, der gerade veröffentlicht wurde. Auf ihrer Homepage www.alpha-avenue.de und bei Facebook ist das Video mit Bildern von Jana Schmidts Reise im Mai zu sehen. Die Band schreibt dazu: „Wenn euch das Video, der Song, die Arbeit dieser engagierten Leute gefällt, teilt dieses Video, vielleicht können wir diesen Kindern und deren Eltern damit etwas Aufmerksamkeit zukommen lassen und die Welt ein wenig besser machen.“


>Alle Informationen über die Arbeit des Vereins „Little Flowers of China e.V.“ gibt es im Internet unter www.littleflowersofchina.org.

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erstellt am 01.Nov.2016 | 05:03 Uhr

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