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Norddeutsche Rundschau

03. Dezember 2016 | 12:39 Uhr

Erneuerbare Energien : Bürgerentscheid am 25. September

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Nach Beidenfleth gibt es jetzt in Stördorf die nächste Abstimmung über den Windkraftausbau.

Der Termin für den nach Beidenfleth nächsten Bürgerentscheid in Sachen Windenergie steht: Am 25. September können die gut 100 wahlberechtigten Stördorfer ihr Votum zu Plänen für einen weiteren Windkraftausbau in ihrer Gemeinde abgeben. Die Gemeindevertretung legte den Termin jetzt fest. „So eine rege Teilnahme hatten wir lange nicht“, kommentierte Bürgermeister Helmut Sievers die große Zahl von Zuhörern im Feuerwehrhaus. Die sorgten dann auch für eine rege Diskussion.

„Wenn man heute aus dem Fenster schaut, haben wir noch Wilstermarsch pur. Das ist ein schöner Flecken, für den es sich zu kämpfen lohnt“, nannte Lambert Lucks als Sprecher der Initiatoren die Beweggründe für den Antrag auf einen Bürgerentscheid. 46 Einwohner hatten das Begehren unterschrieben. In einer Stellungnahme dazu weisen sie daraufhin, dass von der Landesregierung aktuell 140 Hektar und damit 20 Prozent der Gemeindefläche als Abwägungsgebiet ausgewiesen seien. Nach aktuellen Plänen könnten dort mindestens ein Dutzend 200 Meter hohe Windräder aufgestellt werden. Lucks: „Jeder Stördorfer wird davon betroffen sein.“ Die Anlagen führten zu Lärm, Infraschall, Schattenschlag, nächtlicher Fluglichtbefeuerung, zur Zerstörung des charakteristischen Landschaftsbildes und damit zu einer andauernden Belastung. Daneben würden Sehenswürdigkeiten wie Schleuse, Schöpfmühle und historische Marschenhöfe beeinträchtigt. Fazit: „Wir brauchen keine weiteren Windkraftanlagen und wollen die typische Landschaft entlang des Stördeichs bewahren.“

In einer dann von der Gemeindevertretung einstimmig verabschiedeten eigenen Stellungnahme wird betont, dass derzeit noch gar nicht absehbar sei, ob und welche Flächen im Regionalplan als potentielle Vorrangflächen ausgewiesen werden. Gleichzeitig begrüßt das Gremium die direkte Beteiligung aller Einwohner und ruft zur Teilnahme an der Abstimmung am 25. September auf. Ein Gemeindevertreter meinte: „Das ist Basisdemokratie und besser, als wenn nur wir sieben, von denen einige auch noch befangen sind, darüber entscheiden.“ Die Frage einer möglichen Befangenheit hatte das Amt Wilstermarsch im Vorfeld geklärt. Laut Protokollführer Sven Baumann liege diese nicht vor, weil es nicht um Entscheidungen gehe, bei denen jemand wirtschaftlich einen unmittelbaren Vor- und Nachteil habe. Bürgermeister Sievers verließ dennoch freiwillig den Raum – „zum Schutz des Ehrenamts und meiner eigenen Person“, so seine Begründung.

Ein von der Initiative angeregter Verzicht auf den Bürgerentscheid und stattdessen ein klares Votum der Gemeindevertretung wurde verworfen. „Ein Bürgerentscheid ist in Kiel gewichtiger als ein Gemeinderatsbeschluss“, warf Sven Baumann dazu auch seine persönliche Meinung ein.

Während die Formalien sachlich abgearbeitet wurden, gab es noch eine kurze hitzige Diskussion um das Papier einer Gruppe von Landeigentümern. Diese hatten betroffenen Anwohnern Zuwendungen aus den Windenergie-Erträgen versprochen – aber nur, wenn sie nicht gegen solche Anlagen seien (wir berichteten-d.Red.). Zuhörer Arno Kruse sprach von „Schmiergeld und einem kulturellen Werteverfall“. Von den Windkraftgegnern wurden derartige Zahlungen denn auch als Versuch der Einflussnahme auf das Abstimmungsverhalten gewertet. Lambert Lucks: „Die Idee war ja vielleicht gut, aber die Ausführung schlecht.“

Verfasst und unterzeichnet hatte das Protokoll des Treffens von Landeigentümern mit möglichen Windflächen Jürgen Vollmert. „Das hätte nicht in die Zeitung gedurft“, reagierte er verschnupft darauf, dass dies öffentlich geworden war. Gleichzeitig deutete er aber auch Nachbesserungen an: „Der Satz war unglücklich. Das wird sicher wieder rausgenommen.“ Ansonsten stellte Vollmert fest, dass er „keine Träne vergießen werde, wenn keine Windmühlen kämen“.

Gemeindevertreter Wolfgang Möller rief schließlich alle Anwesenden und auch alle Stördorfer zur Besonnenheit auf. „Ich will vor allem, dass es keinen Krach in der Gemeinde gibt. Betroffen sind wir ja schließlich alle.“ Deshalb begrüße er auch den Bürgerentscheid, weil dieser die Basis für die weitere Arbeit schaffe.“

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erstellt am 29.Jul.2016 | 11:45 Uhr

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