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Kulturmärz : Bücherei-Chefin kann auch Kabarett

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Kristina Preiß leitet die Stadtbücherei Glückstadt – jetzt begeisterte sie mit ihrem Kabarett-Programm.

Seit drei Jahren leitet sie die Stadtbücherei. Im Rahmen des Kulturmärzes zeigte die Bibliothekarin eine ganz andere Seite von sich, ihre künstlerische Ader. Kristina Preiß trat zusammen mit der Pianistin Iris Paiska in ihrem Kabarett-Programm „Agathe, die irritierte Frau“ auf.

In der heimelige Atmosphäre des Stucksaales im Wasmer-Palais präsentierte sie vor ausverkauftem Haus ein Feuerwerk von guter Laune aus Satire, Musik und Verwandlungskomik. Für Preiß ein besonderer und aufregender Abend, denn die Glückstädter kennen sie bisher nur als Amtsperson. Im Kreis Steinburg ist sie bereits mehrfach aufgetreten, „warum nicht auch mal in Glückstadt?“ Und das Publikum, überwiegend weiblich, war begeistert und sparte nicht mit Applaus. Erst nach zwei Zugaben entließ es die beiden gut aufeinander abgestimmten Künstlerinnen. Und auch ihnen hat der Abend „Spaß gemacht.“

Angefangen hat es für Kristina Preiß 1989 mit einem Volksschulkurs in Hamburg zum Thema Kabarett. Zusammen mit einigen Teilnehmern bildete sich daraus eine Gruppe, die ihr Hobby weiter pflegte und als „Die Giftzwerge“ öffentlich auftrat. Nach zehn Jahren entwickelte Preiß dann ein eigenes Chanson-Programm, dass sie mit einer Pianistin vortrug. „Ich hatte Lust, eigene Texte zu schreiben. Die Idee dazu kam mir beim Lesen von Frauenzeitschriften. Eigentlich steht doch überall das gleiche drin, die Themen sind nur immer wieder neu verpackt.“

Sie sammelte Ideen und hatte immer ihr Heft dabei. „Während einer Zugfahrt habe ich Möglichkeiten aufgeschrieben, wie man einen Mann um die Ecke bringen kann. Dabei habe ich mir vorgestellt, dass ich als Terroristin verhaftet werde, wenn jemand meinen Schreibblock liest.“

Seit 2005 steht das Programm, und seit 2007 ist die Hamburger Profi-Musikerin Iris Paiska an ihrer Seite. Sie spielt Klavier und Klarinette als Bühnenmusikerin in verschiedenen Ensembles. Vom Flügel im Wasmer-Palais war sie angetan: „Ein Trauminstrument, den würde ich sofort mitnehmen.“

In ihrem gemeinsamen Chanson-Kabarett-Programm spielt sie den Gegenpol zur aufgedrehten Protagonistin. Bieder gekleidet stellt sie zwischen den Kabarettszenen eine Beethoven-Büste vor den Flügel und kommentiert ihre Mitspielerin: „Schöne Musik, aber sehr oberflächlich.“ Kristina Preuß dagegen wirbelte in wechselnden schrillen Outfits durch die bunte Themenpalette der Frauenmagazine. Als Redakteurin sucht sie nach einer passenden Story: „Ich mach aus jedem Furz ’ne Sensation. Schreib ich auch den größten Nonsens, in der Redaktion herrscht Konsens.“ Als Putzfrau Jaqueline in den Promihaushalten gab sie in bester sächsischer Mundart ein Schnupperstündchen zum Mitmachen in drei Varianten: Standard, De Luxe und Premium. Das Publikum musste bei einem Lied mitsingen und so tun, als ob sie Schrubberbürste und Fensterleder in der Hand haben.

Hauptthemen in dem Programm waren das Verhältnis zu den Männern und die geheimen Sehnsüchte einer Frau. „Ich wünsch’ mir Leiden ohne Liebe und eine Kette, die mich quält.“ In ihrer Beziehung zu Klaus-Dieter kriegt sie das nicht hin. Und im Katalog sieht Agathe die verlockenden Angebote: „Ich möcht so gern mal einen Mini tragen, aber ich weiß, dass das nicht geht – verdammt und zugenäht.“ Sie stöbert weiter frustriert in ihrer Zeitschrift: „Kreuzworträtsel lösen, das ist, was ich kann. Aber wie krieg’ ich damit einen Mann?“

Gekonnt parodierte sie die Beziehung zu ihrem lustvollen Olaf, den Essgewohnheiten von Roland, den Test „Welcher Schnarch-Typ passt am besten zu Ihnen?“ und die Beantwortung von Leserbriefen.

Amüsant und spitzzüngig bediente das Duo die gesamte Vielfalt der Frauenthemen. Mit Schlagern und Chansons garniert boten sie einen kurzweiligen Abend. Stimmlich abgewogen und textsicher versprühten sie mit hoher Bühnenpräsenz eine neue Note Glückstädter Kultur. Conny Scholz von der veranstaltenden Musikschule zeigte sich zufrieden: „Das war ein gelungener Abend.“

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