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Norddeutsche Rundschau

09. Dezember 2016 | 22:24 Uhr

Bissig böser Bühnenprofi

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Autobiografischer Liederabend in der Ulmenhofschule: Hamburger Kabarettist Hans Scheibner unterhält mit neuem Programm „Skandale und Liebe“

Bissige politische Satire und hintergründige Kommentare – er war immer für sein nonkonformes Anecken bekannt. Am Sonnabend präsentiert der Pep-Kulturverein den Hamburger Kabarettisten Hans Scheibner in der Ulmenhofschule (20 Uhr). Wir sprachen mit dem 80-Jährigen über sein neues Programm, die Veränderung der Welt und seine persönliche Bilanz nach mehr als fünf Jahren auf der Bühne.

Herr Scheibner, Sie sind für bissige politische Satire bekannt. Wie kam denn Ihr neues Programm zustande?
Ich habe meine Autobiografie geschrieben, in der ich meine Stationen von den Anfängen übers Künstlerleben und die Hamburger Szene bis heute verarbeitet habe. Das habe ich natürlich in einem Kabarettprogramm zusammengefasst unter dem Titel „Skandale und Liebe“.

Sie treten am Sonnabend in Kellinghusen auf, dieses Mal etwas ungewohnt mit Band. Wie kam es dazu?
Ich habe auch neue Lieder geschrieben, eine ganze CD gemacht mit 16 neuen Songs unter dem Titel „Und plötzlich ist der Himmel wieder offen“. Nun wollte ich diese neuen Lieder auf der Bühne nicht von der CD abspielen und habe deshalb Livemusik hinzugefügt. So bin ich mit einer Band auf Tour.

Welche Bedeutung nimmt dabei die Musik ein?
Sie bringt eine zusätzliche Note hinein. Ich trete gemeinsam mit Berry Sarluis (Klavier, Akkordeon), Helge Zumdieck (Schlagzeug), Andreas Dopp (Gitarre) und Thomas Biller (Bass) auf. Wir sind Ende August in Hamburg gestartet und haben seitdem knapp 18 Auftritte absolviert. Inzwischen sind wir gut eingespielt.

Worauf kann sich das Publikum denn textlich freuen?
Es wird eine Mischung aus neuen, lyrischen Liedern, einigen Liebesliedern und ein paar Geschichten aus dem Leben geben, darunter auch einige deftige Sachen, denn ich habe ja ein skandalöses Leben gehabt.

Sie haben sich jetzt im Alter von 80 Jahren auf Geburtstagstournee begeben. So ein hohes Alter bedeutet ja auch immer, ein wenig Bilanz zu ziehen. Wie würde denn Ihre Bilanz ausfallen?
Insgesamt ganz wunderbar. Ich kann übers Leben nicht klagen, habe viel Glück gehabt, was vor allem für meine Auftritte gilt. Es gibt nichts Schöneres, als wenn Ideen und Geschichten dem Leser gefallen, auch wenn sie manchmal ganz schön böse sind. Ich habe Höhen und auch Tiefen gehabt, denn ich habe mich öfter mit den entscheidenden Leuten in den Fernseh- und Zeitungsredaktionen angelegt.

Die haben sie des öfteren provoziert, oft bis zum Rauswurf. Haben Sie das mal bereut? Oder würden Sie es immer wieder so machen?
Das würde heute vielleicht anders ausfallen, aber bestimmt nicht friedlicher. Es sind heutzutage zwar andere Umstände, aber es herrscht immer noch das gleiche Dilemma wie damals, wenn man sich mal umschaut.

Haben Sie ein Beispiel?
Wenn es etwa um rechtslastige Polizei geht, die den Rechten gegenüber rücksichtsvoll ist und nur auf die Linken drauf haut. Dann ist das heute fast das Gleiche. Damals habe ich mich geweigert, eine Ersatzkolumne zu dieser Aussage zu schreiben und gesagt, das kann nicht sein. Weil das alles aber in Wirklichkeit noch viel schlimmer war, konnte ich das nicht zurück nehmen. Es gibt noch viele weitere Beispiele.

Wie reagieren denn die Jüngeren im Publikum, die das damals alles nicht mitbekommen haben? Finden sie sich in dem Programm auch wieder?
Für die Jüngeren ist vieles natürlich neu. Denen gebe ich das Ganze in seiner aktuellen Fassung gerne noch einmal zum Besten.

Sie stehen jetzt seit 50 Jahren auf der Bühne. Wie hat sich das Kabarett in den vergangenen Jahrzehnten verändert?
Heutzutage gibt es vieles, was nur noch Kleinkunst und Komik ist. Es gibt zwar noch gute Kabarettisten, aber sie werden immer weniger.

Hat das auch auf Sie abgefärbt?
Das brauchte es gar nicht, denn ich habe ja selber viele komische Texte geschrieben. Dann aber eher in der Tradition von Loriot, denn ich habe mich nie als Comedian verstanden.

Wie hat sich Kabarett in Zeiten von Internet und Facebook für Sie verändert und wie gehen Sie damit um?
Ich habe eine Facebookseite erstellt, auf der ich mit einem meiner jüngsten Texte alleine 15  000 Klicks verzeichnet habe. Ich bin natürlich auch dort satirisch und aggressiv-politisch unterwegs. So heißt ein Text zeitgemäß „Das Pack“.

>Termin: Kulturverein „PEP: Hans Scheibner & Band „Skandale und Liebe“, Ulmenhofschule, Sonnabend, 22. Oktober, 20 Uhr; Eintritt: VVK: 25 Euro; AK: 29 Euro; Infos unter: www.pep-kulturverein.de; Hotline: 04822/309286; VVK-Stellen: Nötzelmann Elektro- u. Fernsehtechnik (Kellinghusen), Stadtbücherei Kellinghusen (Bürgerhaus), Sparkasse Westholstein (Zweigstelle Kellinghusen), BUCH & medien (Bad Bramstedt), Reisebüro Biehl (Itzehoe), Musik Hofer (Elmshorn) oder unter: www.pep-kulturverein.de.



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erstellt am 20.Okt.2016 | 16:02 Uhr

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