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Norddeutsche Rundschau

10. Dezember 2016 | 21:38 Uhr

Prozess : Berufung – Suche nach der Wahrheit

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Ein Polizist soll einen 41-Jährigen in Kellinghusen geschlagen und getreten haben. Zeugen haben jedoch Erinnerungslücken.

70 Minuten dauerte die Aussage des Opfers gestern vor dem Landgericht. Erheblich länger war die Anreise des 41-Jährigen. 7500 Kilometer musste er per Flugzeug von Barbados aus zurücklegen, um zur Berufungsverhandlung in Itzehoe erscheinen zu können. Und das bei einem Lufthansa-Streik. „Die Anreise war chaotisch“, sagte er vor Gericht.

Der Techniker aus St. James, befreundet mit einer Kellinghusenerin (52), war am Himmelfahrtstag 2014 in einer Kneipe in der Störstadt geschlagen und getreten worden. Daraufhin verurteilte das Landgericht im Oktober 2015 einen Polizisten (43) zu einer Freiheitsstrafe von sechseinhalb Monaten auf Bewährung wegen gefährlicher Körperverletzung. Zu Unrecht, wie der Mann meint. Er habe niemanden verletzten wollen, sondern im Gegenteil versucht, einen Streit zu schlichten. Er legte deshalb Berufung ein, die jetzt vor dem Itzehoer Landgericht verhandelt wird.

Die Wahrheitsfindung wird dem Gericht allerdings nicht leicht gemacht. Wie schon bei der Verhandlung vor dem Amtsgericht gibt es widersprüchliche und unkonkrete Zeugenaussagen. Und es gibt Erinnerungslücken, weil der Vorfall bereits zweieinhalb Jahre zurückliegt. Außerdem floss Alkohol, denn es war Himmelfahrtstag.

Der Streit entzündete sich an der Damentoilette. Das ist unstrittig. Der Mann aus der Karibik suchte dort nach dem Handy einer Frau aus dem Gastraum der Kneipe, den diese dort verloren haben wollte. Das beobachtete ein Zeuge, der daraufhin mit dem 41-Jährigen einen Streit anfing und diesem die Mütze zweimal vom Kopf geschlagen haben soll. Der Gastwirt konnte schlichten, später entbrannte der Streit jedoch erneut.

Und hier kommt der Polizist ins Spiel, der sich privat in der Gaststätte aufhielt. Er wollte nach eigenen Aussagen nur schlichten, schlug nach Angaben von Zeugen jedoch auch selber zu. Diese Schlägerei soll sich darußen ereignet haben. „Eine Person hielt ihn fest, ein anderer schlug auf ihn ein“, erinnerte sich die Freundin des Opfers. „Ich konnte nicht fassen, was sich dort abgespielt hat.“ Das Opfer selbst betonte, dass ein Mann ihn in den Schwitzkasten genommen und ein anderer ihm den Arm nach hinten gedreht habe. Dann habe er noch Schläge bekommen. Andere Zeugen sprachen jedoch nur von einer Rangelei, wie sie mit viel Alkoholkonsum vorkommen kann. Uniformierte Polizisten konnten die Streitenden trennten, weil ein Polizeihund den Angeklagten kräftig biss.

Völlig unklar ist auch der Sachverhalt, der sich zuvor in der Kneipe abgespielt hat. Einige Zeugen betonten, dort habe es auch eine Rangelei gegeben, das Opfer selbst konnte sich daran nicht erinnern. Auch von einem Gespräch mit einem 40-Jährigen aus Itzehoe, der die Streitenden getrennt haben und mit dem Opfer ein Gespräch geführt haben will, wusste der Geschädigte zweieinhalb Jahre nach der Tat nichts mehr. Die Verhandlung wird am kommenden Dienstag fortgesetzt.

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erstellt am 01.Dez.2016 | 04:45 Uhr

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