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Norddeutsche Rundschau

05. Dezember 2016 | 11:33 Uhr

Handwerk : „Bei uns kann man Karriere machen“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Steinburgs Kreishandwerksmeister Norbert Lanz will das Image seines Berufsstandes aufpolieren – und den Nachwuchs für Jobs im Handwerk begeistern.

„Dem Handwerk geht es gut.“ Eine Aussage, die Norbert Lanz (60) in dieser Form nicht über die Lippen kommen würde. „Umgekehrt gilt dieser Satz im Übrigen auch nicht“, sagt der Kreishandwerksmeister für den Bereich Westholstein: „Dazu ist die Vielfalt innerhalb des Handwerks viel zu groß“, so Lanz, der im April die Nachfolge von Helmut Rowedder angetreten hat.

Allein in der Kreishandwerkerschaft Westholstein, die die Kreise Steinburg und Pinneberg umfasst, finden sich 17 Innungen und rund 1000 Mitgliedsbetriebe. Sie vertritt die Interessen von Bäckern, Dachdeckern, dem Baugewerbe bis hin zu Friseuren oder Textilreinigern. Und da lasse sich die Situation nicht so einfach über einen Kamm scheren. Ein Blick auf die Gehälter lässt erahnen, wie unterschiedlich sich das Handwerk präsentiert. „Im Baugewerbe findet man einen Stundenlohn von manchmal mehr als zwanzig Euro, während die Friseure um den Mindestlohn kämpfen“, erklärt Lanz. Um Nachwuchs kämpfen indes nahezu alle Betriebe. Wobei Geschäftsführerin Claudia Mohr feststellen kann, dass die Zahl der eingereichten Lehrverträge im laufenden Jahr leicht gestiegen ist (siehe Grafik). „Entscheidender sei allerdings, wie viele ihre Ausbildung erfolgreich zu Ende bringen“, meint sie.

Gesucht wird qualifiziertes Personal, das den Bestand insbesondere der Klein- und Kleinstbetriebe sichert. 85 Prozent der Betriebe im Baugewerbe beispielsweise haben zehn oder weniger Mitarbeiter. „Wenn der Firmenchef dann keinen Nachfolger findet, verschwindet der Betrieb irgendwann“, so Lanz. „Und das wird insbesondere in den kleinen Städten und Dörfern zum Problem, weil der Handwerker vor Ort nicht mehr da ist.“ Schon jetzt warten Kunden zum Teil mehrere Monate, ehe sie einen Termin bekommen.

Lanz sagt von sich selbst, er sei ein positiv eingestellter Mensch und glaubt daher auch: „Das Handwerk hat Zukunft.“ Er möchte das Gewerbe aus der Ecke holen und wieder gesellschaftsfähig machen. Dazu will er die Möglichkeiten, die sich im Handwerk bieten, prominenter darstellen. Nach seiner Ansicht streben derzeit zu viele Schulabgänger ein Studium an, was bisweilen auch den Eltern geschuldet ist, die ihre Kinder in diese Richtung treiben würden. „Auch bei uns kann man Karriere machen, bis hin zur Selbstständigkeit“, sagt Lanz. Das Modell der dualen Ausbildung sei vielen einfach nicht bekannt. Eine bundesweite Umfrage habe ergeben, dass die Menschen lediglich zehn Handwerksberufe kennen. „Es muss ein Bewusstsein dafür her, was Handwerk alles leistet“, findet der 60-Jährige. Längst reiche es nicht mehr aus, nur stramme Oberarme zu haben, Köpfchen sei zunehmend gefragt. „Handwerk ist mittlerweile auch Hightech.“ Als Beispiel führt Hinz den Straßenbau an. „Da wird heutzutage mit Laser- und Satellitentechnik vermessen.“

In die Pflicht nimmt Norbert Lanz die Politik, die gnadenlos gefordert sei, finanzielle Mittel bereitzustellen, insbesondere, wenn es um die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt geht. „Das Handwerk ist bereit, seinen Beitrag zu leisten.“ Hier und da haben Flüchtlinge bereits ein Praktikum, eine Ausbildung oder gar eine feste Stelle gefunden. Um nachhaltig das Problem des Fachkräftemangels zu dämpfen, brauche es allerdings Zeit. Zugleich fordert er die Unternehmen und Betriebe dazu auf, Input zu liefern. „Wir brauchen die Ideen von der Basis, um diese als Kreishandwerkerschaft bei den jeweilen Stellen vorzutragen“, so Lanz. „Ansonsten stülpt uns die Politik Dinge über, die uns nicht weiterhelfen.“

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erstellt am 30.Sep.2016 | 17:00 Uhr

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