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Norddeutsche Rundschau

11. Dezember 2016 | 13:06 Uhr

Begeisterte Besucher im Kulturhaus Wilster: „Das ist große Kunst“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Er gilt als einer der besten Puppenspieler des Nordens. Und was Marc Schnittger zusammen mit Arne Bustorff im Kulturhaus Wilster ablieferte, war wirklich ungewöhnliches Theater en miniature. Die Rollen übernahmen einzelne Hände, mit passenden Handschuhen und Köpfen auf dem Zeigefinger versehen.

Sparsamer geht es nicht. Und trotzdem verfolgt das Publikum mühelos die kleinen Dramen, die sich über die beiden gestaffelten schwarzen Bühnen entspinnen. Die Palette reicht vom Kalauer über kurze szenische Schlaglichter auf Befindlichkeiten bis hin zur kompletten Geschichte um Liebe und Liebesleid. Ein Boxkampf wird nur durch drei Handschuh-Akteure zum Slapstick. Herrlich!

Mal verwenden die Figuren dabei eine verständliche Sprache, mal kommt eine Kunstsprache mit putzigen Ausdrücken und durchaus eigenem System zum Einsatz. Ihr Erfinder Gerhard Mensching (1932-1992) war Germanistikprofessor, aber auch leidenschaftlicher Puppenspieler. Mit 25 Jahren entwickelte er das „Taschentheater“ mit den schlichten Händen als Akteure. Und er erfand jene Kunstsprache, die auch Schnittger einsetzt. Der Fokus geht vom Sprachinhalt zur Leichtigkeit der Darbietung.

Nach seiner Ausbildung zum Schauspieler und dem anschließenden Figurentheater-Studium war Mark Schnittger über das vorherrschende Puppentheater nicht zufrieden. „Nach einer langen Phase des Zweifelns sah ich dann die neue Form von Gerhard Mensching“, erinnert er sich. Diese besondere Form des Puppentheaters führt Schnittger weiter, und das inzwischen recht erfolgreich. Seine Tourneen führen ihn und seinen Mitspieler Bustorff viel durch Süddeutschland. „Wir nehmen außerdem regelmäßig an der Figurentheater-Messe in Frankreich teil und werden dann weltweit angefragt.“ Dann geht es nach Bulgarien, Brasilien, Polen, Israel oder Österreich und Holland.

Zu ihrem Auftritt im Kulturhaus waren etliche Fans aus der Region angereist. In der ersten Reihe saßen Barbara Engel und ihre Mutter Brigitta Engel-Wilke aus Itzehoe. Beide kennen Schnittger von seinen Auftritten in der Itzehoer Kulturnacht. Die Tochter war schon so oft in seinen Vorstellungen, dass einzelne Ausdrücke der Kunstsprache inzwischen immer wieder in ihrem eigenen Alltag auftauchen. Ihre Mutter ist wieder erstaunt: „Die Gesichter bewegen sich ja gar nicht, aber trotzdem ist durch oft nur kleine Bewegungen die Aussage ganz klar.“ Sie erinnert sich noch einmal amüsiert an die Szene mit dem Maler und dem Modell: „Ich wusste gar nicht, wie erotisch eine blanke Hand sein kann!“ Und: „Der Abend ist jedes Mal total lustig! Das ist echt große Kunst!“

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erstellt am 26.Sep.2016 | 16:41 Uhr

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