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Norddeutsche Rundschau

07. Dezember 2016 | 17:25 Uhr

Energiepolitik : Baubeginn für die Strom-Drehscheibe

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Der Netzbetreiber Tennet investiert bis zu 90 Millionen Euro in neues Umspannwerk vor den Toren von Wilster. Kreispräsident Peter Labendowic, Bürgermeister Manfred Boll sowie Bernd Brühöfner und Christoph Schulze Wischeler griffen dafür jetzt zum Spaten.

Es wird das Herzstück der Energiewende in Deutschland: In einem neuen Umspannwerk vor den Toren von Wilster fließt der Strom von Nordlink und Suedlink zusammen, zweier Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungsverbindungen – kurz: HGÜ. Netzbetreiber Tennet investiert in der Marsch bis zu 90 Millionen Euro in einen Ersatz für das vorhandene Umspannwerk. Gestern war auf dem Baugelände am Nortorfer Dwerweg offizieller, erster Spatenstich.

„Es ist ein Schlüsselprojekt für uns und für das ganze deutsche Netz“, sagte Christoph Schulze Wischeler im Rahmen einer kleinen Feierstunde im Feuerwehrhaus Schotten. Der Sprecher ist seit Januar bei Tennet für den Netzausbau verantwortlich. Wie sehnsüchtig die für 2020 geplante Fertigstellung des Projekts in der Energiewirtschaft erwartet wird, machte Schulze Wischeler mit einfachen Zahlen deutlich. So seien im vergangenen Jahr rund eine Milliarde Euro an Kosten für Strom, der wegen unzureichender Netze nicht genutzt werden konnte, entstanden. Für die kommenden Jahre kündigte er Steigerungen auf bis zu fünf Milliarden Euro an. Um welche Größenordnungen von Strom es allein beim neuen Umspannwerk in Wilster geht, erläuterte er an Hand eines anderen Beispiels. So werde dort künftig so viel Strom bewegt, wie ein Kernkraftwerk erzeugen kann.

Es ist übrigens nicht die einzige Großbaustelle in der Wilstermarsch. Sozusagen auf der anderen Straßenseite sind bereits die Arbeit für die Endstation von Nordlink angelaufen. Dort soll es im September noch einen feierlichen Startschuss geben. Parallel dazu bauen die Norweger ein mit Wilster vergleichbares Umspannwerk. Der von dort via Nordlink kommende Strom landet in Wilster und wird über die Suedlink weiter in den Süden Deutschlands transportiert.

Dort hinkt Tennet dem Zeitplan wegen politischer Vorgaben allerdings deutlich hinterher. Statt der ursprünglich geplanten mehr als 600 Kilometer langen Freileitung mit entsprechenden Masten quer durch die Republik soll Suedlink nun bis auf ganz wenige Ausnahmen unter die Erde verlegt werden. Die Folge: Die schon fast fertige Trassenplanung muss nun völlig neu aufgerollt werden. Mit einer Fertigstellung, so Tennet–Bürgerkommunikator Peter Hilffert, rechnet man erst im Jahr 2025. Dennoch, so versichert er, sei das neue Umspannwerk bis dahin keine Endstation, sondern erfülle auch eine wesentliche Aufgabe für die Stabilität des gesamten Stromnetzes. Im Zusammenhang mit dem Wilster-Projekt werden die regionale 110-kV-Infrastruktur angepasst, eine neue Leitung zum Umspannwerk Itzehoe-West sowie 380-kV-Leitungen aus Brunsbüttel, Audorf, Dollern und Brokdorf verlegt.

Nach Darstellung von Gesamtprojektleiter Bernd Brühöfner stelle das neue Umspannwerk eigentlich nur einen Ersatz für das vorhandene da – allerdings sehr viel größer. Statt bislang vier werden nun 13 Hektar Fläche benötigt. Auch sonst wird die Anlage eines der größten Bauwerke in der Region. Schon das Fundament dürfte, wie Nortorfs Bürgermeister Manfred Boll anmerkte, in seiner Gemeinde zum höchsten Punkt werden. Bislang war dort bei einem Meter über dem Meeresspiegel Schluss. Die Portale, in die der Strom aus den Freileitungen kommend in die Anlage geleitet wird, werden bis zu 20 Meter hoch sein. Herz der zentralen Schaltstelle für das Stromnetz ist der Transformator – ein elf Meter langer und fünf Meter hoher und mit Öl gefüllter Kessel aus Metall. Er leistet die eigentliche Arbeit des Umspannens von einer Spannungsebene auf eine andere.

Während Suedlink hinterherhinkt, kann Tennet über das Planungstempo beim Umspannwerk nicht klagen. Innerhalb von sechs Monaten nach Antragstellung habe die Genehmigung vorgelegen. Brühöfner lobte dabei auch die große Zustimmung und Akzeptanz vor Ort. Tatsächlich hat die Gemeinde mit dem Projekt auch keinerlei Probleme, wie Bürgermeister Boll hervorhob. Im Gegenteil: „Auf dem Gelände des jetzigen Umspannwerks brütet inzwischen sogar der Austernfischer, den es hier früher gar nicht gegeben hat.“

Kreispräsident Peter Labendowicz schrieb dem Netzbetreiber dennoch ins Stammbuch, bei allen Planungen und Projekten die Bevölkerung mitzunehmen. „Die Energiewende muss verträglich gestaltet werden“, forderte er. Labendowicz nannte sich einen „sehr kritischen Beobachter“ der Energiewende und mahnte eine bezahlbare Versorgung der Menschen an. „Strom darf nicht zum Luxusgut werden.“ Auch der Verlauf von Stromtrassen müsse für Natur und Menschen möglichst optimal gestaltet werden.

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erstellt am 01.Jul.2016 | 17:15 Uhr

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