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Norddeutsche Rundschau

26. März 2017 | 11:23 Uhr

Behördenärger : Auto-Anmeldung auf Umwegen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Heinz Günther Hingst aus Fitzbek hat einen Bürokratiemarathon hinter sich: Er wollte seinen Mercedes aus Monaco anmelden.

In seiner Garage steht ein Mercedes CLS 500 in trendigem mokkabraun. Bis vor kurzem brauste damit noch ein steinreicher Teppichunternehmer aus Monaco die Côte d’Azur entlang. Heinz Günther Hingst aus Fitzbek ergatterte das Auto aus dem monegassischen Kleinstaat „zu einem Schnäppchenpreis“. Bis der 74-Jährige die Zulassung in den Händen hielt, war es aber ein holpriger Weg.

Statt ordentlich Gas zu geben, bremste ihn die Verkehrsaufsicht des Kreises in Itzehoe aus. Sieben Mal versuchte Hingst vergeblich eine Zulassung für den Mercedes zu bekommen. Beim letzten Versuch eskalierte die Situation, jetzt hat er Hausverbot. „Ich komme mir vor wie ein Verbrecher, weil ich ein Auto zulassen will: Ich habe das Auto gekauft, nicht geklaut.“ 400 der rund 24  300 im vergangenen Jahr angemeldeten Fahrzeuge in Steinburg waren gebrauchte aus dem Ausland. Einen Gebrauchtwagen aus dem europäischen Ausland in Deutschland anzumelden, ist trotz EU nicht immer einfach, bestätigt Dieter Pape, Leiter des Ordnungsamtes beim Kreis Steinburg. „Die EU-Vorschriften legt jedes Land anders aus.“ Im Fall Hingst entbrannte ein wahrer Bürokratiemarathon. Bis er schließlich die Zulassung in den Händen hielt, dauerte es eineinhalb Monate.

Der erste Stolperstein: Um ein Auto anzumelden, benötigt der Fahrzeuginhaber die Originalpapiere – die sind aber in Monaco Staatseigentum, wie Hingst erklärt, und werden deshalb nicht ausgehändigt. Stattdessen erhielt er aus Monaco provisorische Ersatzpapiere. Doch die Zulassungsbehörde erkannte diese nicht an. Hingst ließ die beglaubigten Kopien übersetzen, aber auch damit kam er nicht weiter. „Die wollten sich die Papiere nicht einmal ansehen“, ist der Rentner empört. Aus Protest setzte er sich auf den Boden des Amtes – bis die Polizei ihn abführte. Jetzt hat er Hausverbot. Pape erklärt diesen Schritt so: „Wir haben versucht zu helfen, aber er wollte sich nicht helfen lassen und wurde handgreiflich. Wir müssen unsere Mitarbeiter schützen.“ Und ohne die Originalpapiere seien dem Amt die Hände gebunden. „Die Erfahrung zeigt, dass man aufpassen muss, es waren viele gefälschte Papiere im Umlauf.“ Hingst weist den Vorwurf, gewalttätig geworden zu sein von sich, er habe nur das Gespräch gesucht.

Die Kennzeichen erwiesen sich als weitere Stolperfalle. Hingst wollte Folien- statt Blechschilder haben, doch die sind in Deutschland nicht zugelassen. Pape: „Wir haben Rücksprache mit unserer Fachaufsicht gehalten: In Deutschland gibt es keine zertifizierten Firmen, die Folienschilder herstellen.“ Hingst hatte die Schilder extra in Siegen in Auftrag gegeben, auf denen zwar eine Prägung mit Zertifizierungsnummer angegeben ist, „die bezieht sich aber auf die Folie, nicht auf das Schild“, so Pape.

Heißt: Die Folienkennzeichen sind ungültig, Hingst musste die Blechvariante anbringen. Die Behörde in Monaco schickte dem Rentner unterdessen auf erneute Anfrage doch die Originaldokumente. Weil Hingst Hausverbot bei der Itzehoer Verkehrsaufsicht hat, stellte er einem Bekannten eine Vollmacht aus – es klappte. Endlich hielt Hingst die Zulassungspapiere in den Händen, allerdings mit falschen Angaben. „Die Zulassungsstelle hat die Fahrzeugdaten nicht korrekt abgeschrieben“, so Hingst. Pape räumt ein: „Wir haben uns vertippt. Wenn ein Fehler passiert, bügeln wir das aber aus.“ Die korrigierten Papiere kann Hingst abholen lassen – das will er aber nicht. „Ich habe niemanden, der das für mich übernimmt. Entweder ich hole die selbst, oder die bringen mir die Papiere. Notfalls ziehe ich vor Gericht, um die Kosten wieder einzutreiben, die mir dadurch entstehen.“ Abgeschreckt hat ihn das Bürokratiedrama nicht. „Ich würde immer wieder einen Wagen aus dem Ausland kaufen!“

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erstellt am 12.Mär.2017 | 07:58 Uhr

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