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Norddeutsche Rundschau

27. Februar 2017 | 14:47 Uhr

Wirtschaft : Ausbildungsleuchtturm Pohl Boskamp

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Hohenlockstedter Pharmaunternehmen braucht Fachleute für die Produktionsmaschinen / Wirtschaftsakademie ehrt Unternehmen für überbetriebliche Bildung

Heute läuft alles nur noch per Touchscreen im Pharmaunternehmen Pohl Boskamp. Die Zusammensetzung der Substanzen wird maschinell geprüft und selbst den Sprühstoß der Nitrosprays, die bei akuten Herzproblemen helfen, testet ein Hightechgerät. Doch Marianne Boskamp erinnert sich noch gut an ihr erstes Firmenpraktikum in der Zeit vor der Technisierung. Da habe sie gleich zu Beginn ein Paket Pflaster in die Hand gedrückt bekommen, um sich die Finger abzukleben. Denn die Nitrosprays wurden zu dieser Zeit noch Spray für Spray von Hand abgesprüht.

„Die Ansprüche im Produktionsbereich haben sich stark verändert. Früher hieß es gewissenhaft und ordentlich zu sein. Heute müssen unsere Mitarbeiter auch noch die Maschinen verstehen“, begründet die Geschäftsführerin, warum das Unternehmen seit 2006 in Zusammenarbeit mit der Wirtschaftsakademie (WAK) Schleswig-Holstein Industriemechaniker und Mechatroniker und im ersten Durchlauf auch Maschinen- und Anlagenführer überbetrieblich ausbilden lässt. Für „das herausragende Engagement des Unternehmens in der Personalentwicklung“, wurde Pohl Boskamp nun durch den Geschäftsführer der WAK Schleswig-Holstein Dr. Detlef Reeker geehrt. Er betonte den Leuchtturmcharakter des Unternehmens bezogen auf die Sicherung von Qualität durch Weiterbildung in der Region.

Es gehe darum aufzuzeigen, „da gibt es ein Unternehmen, das macht Personalentwicklung mit Herzblut“, erklärte der WAK-Geschäftsführer sein Anliegen, die überbetriebliche Ausbildung zusammen mit Pohl Boskamp in besonderer Weise herauszustellen. „Heute muss man jeden guten Mitarbeiter halten“, äußerte er. Deshalb sei es wichtig, gute Leute mit Qualifizierungsmaßnahmen zu binden. Auch nach der eigentlichen Ausbildung gehe das Weiterbildungsleben weiter, um die Mitarbeiter durch Anpassungsfortbildungen am Strom der Zeit zu halten oder durch Aufstiegsfortbildung höher zu qualifizieren – diese Perspektiven biete Pohlboskamp seinen Mitarbeitern mit individuellen Fortbildungsbausteinen und durch die Form der überbetrieblichen Ausbildung.

Überbetrieblich heißt, es werden Auszubildende aus verschiedenen Betrieben zusammengezogen und im Fall Pohl Boskamp an den WAK-Standorten Itzehoe und Elmshorn auf die Prüfung vorbereitet. „Wir wählen aus, was unsere Azubis lernen sollen, wo passt die Zusammenarbeit?“, beschreibt Hans-Heiko Mohr, Leiter für Ausbildung und Technik in der Abteilung Maschinenentwicklung bei Pohl Boskamp. Er sieht beispielsweise in der Möglichkeit größere Dreh- und Fräsmaschinen der WAK zur Fortbildung nutzen zu können einen Vorteil. Hans-Heiko Mohr selbst hat 2007 unterstützt durch Pohl Boskamp über eine Abendschule den Industriemeister abgelegt. Das sei damals noch ein außergewöhnlicher Weg gewesen – im Gegensatz zu heute: „Wir sind jetzt regelmäßig dabei, dass Mitarbeiter ihren Meister machen können“, erzählt er.

Mit der Ehrungsaktion der WAK soll nun möglichst ein Leutturm-Unternehmen pro Region hervorgehoben werden – so wie jetzt Pohl Boskamp. „Die Auszeichnung soll nicht inflationär vergeben werden“, betonte Reeker.

Marianne Boskamp hingegen würde gerne noch mehr Leuchtürme im Kreis Steinburg sehen. Die Konkurrenz belebe das Geschäft und mache den Standort für neue Mitarbeiter attraktiv – so auch für angehende Touchscreen-Bediener.

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erstellt am 14.Mai.2014 | 05:00 Uhr

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