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Norddeutsche Rundschau

08. Dezember 2016 | 11:02 Uhr

Berufswahl : Ausbildung mit Seegang

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Ob auf dem Schiff, am Flughafen oder an der Bundesgrenze: Die Arbeitsplätze des Zolls sind vielfältig – erstmals bildet die Behörde in Itzehoe aus

„Alle Mann festhalten!“ Spätestens bei diesem Ruf wird klar, dass das Zollboot „Glückstadt“ kein ganz gewöhnlicher Arbeitsplatz ist. Gerade passiert das knapp 24 Meter lange Schiff auf der Elbe einen Containerriesen auf dem Weg nach Hamburg. Die Bugwelle des Frachters schaukelt die „Glückstadt“ ordentlich durch.

Besatzungsmitglied Ulf Rahardt im Fahrstand warnt die Kollegen unter Deck. Neben ihm greift Alina Pramann die Armlehne des Sitzes und sieht glücklich aus. Die Fahrt mit dem im gleichnamigen Glückstadt stationierten Zollboot ist für 23-Jährige aus Goslar eine Premiere. Später am Tag übernimmt sie auch noch das Steuer. „Spannend und abwechslungsreich“ sei die Arbeit beim Zoll. „Bisher habe ich meine Entscheidung nicht bereut.“

Gemeinsam mit 18 anderen Anwärtern hat Pramann Anfang August ihre Ausbildung beim Hauptzollamt (HZA) Itzehoe begonnen. Die Fahrt mit der „Glückstadt“ ist Teil der „Kennenlern-Phase“, denn die Aufgaben und das Zuständigkeitsgebiet des HZA sind vielfältig. Auf den „seegehenden Einheiten“ sind nur ein Teil der rund 700 Zollbeamten beschäftigt. Das HZA überwacht auch den Grenzverkehr mit Dänemark, die Einfuhren am Flughafen Hamburg oder kämpft gegen Schwarzarbeit zwischen den nordfriesischen Inseln und dem Westen der Hansestadt. „Wir möchten unseren Anwärtern davon einen möglichst breiten Eindruck vermitteln“, sagt Ausbildungskoordinatorin Bettina Eggers.

2016 ist das erste Jahr, in dem das HZA Itzehoe selbst ausbildet. Die Dezentralisierung der Ausbildung ist Teil einer Gesamtstrategie, um die Attraktivität der Bundesbehörde als Arbeitgeber zu erhöhen. Denn die Konkurrenz am Ausbildungsmarkt ist groß. „Wir müssen sichtbar sein“, sagt Eggers. Alina Pramann hat sich vor allem im Internet über die Ausbildungsangebote informiert. „Mein Vater ist bei der Polizei, daher hatte ich auch den Zoll als Arbeitgeber auf dem Zettel.“ Sie bewarb sich gezielt für Itzehoe – wegen der Vielfalt des Zuständigkeitsbereichs. „Hier hat man alle Möglichkeiten“, ist sich die 23-Jährige sicher. Um ihren Wunschplatz zubekommen, musste sie sich in einem mehrstufigen Bewerbungsverfahren durchsetzen – schriftliche Tests und mündliche Auswahlrunden inklusive.

Nach der ersten Orientierungsphase geht es für Pramann und die fünf weiteren Anwärter für den gehobenen Dienst nun erstmal nach Münster. „An der dortigen Fachhochschule findet der theoretische Teil des dualen Studiums statt“, erklärt Eggers. Für die praktische Ausbildung kommen die angehenden „Zollinspekteure“ dann wieder in den Norden. Drei Jahre dauert die Ausbildung. Ihre zwölf Kollegen im mittleren Dienst dürfen sich nach zwei Jahren „Zollsekretär“ nennen.

An Bord der „Glückstadt“ bekommen die Anwärter noch jede Menge praktische Einblicke in die Arbeit des „blauen Zolls“, wie die Besatzungen der Schiffe im Gegensatz zu ihren „grünen“ Kollegen an Land genannte werden. „Unsere Hauptaufgabe ist es, Präsenz zu zeigen“, erläutert Schiffsführer Delf Horwege. Schmuggel finde heutzutage per Container in den Häfen statt. „Aber natürlich ist es denkbar, dass jemand zum Beispiel gefälschte Produkte oder unversteuerte Zigaretten irgendwo anlandet.“ Das zu verhindern, sei das Ziel der regelmäßigen Streifen des Zollbootes.

Alina Pramann sieht ihre berufliche Zukunft eher nicht auf dem Wasser. Dafür müsste sie auch noch zusätzlich zum dreijährigen Studium eine nautische Ausbildung, die der Zoll gemeinsam mit der Bundespolizei in Neustadt in Holstein anbietet, durchlaufen. Ihr hat aber besonders der Ausflug zum Flughafen gut gefallen. „Das könnte ich mir gut vorstellen. Aber wer weiß, es gibt ja viele Möglichkeiten.“

>Das HZA Itzehoe sucht aktuell Bewerber für den Start im August 2017. Bewerbungsschluss ist Ende September. Infos unter www.zoll.de. Interessenten können sich auch am 15. September um 16 Uhr im Berufsinformationszentrum in Heide, Rungholtstraße 1, und am 23. September auf der Ausbildungsmesse AzubIZ im Regionalen Berufsbildungszentrum in Itzehoe über die Ausbildungswege beim Zoll informieren. Für beide Veranstaltungen ist keine Anmeldung erforderlich.


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