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Norddeutsche Rundschau

11. Dezember 2016 | 13:00 Uhr

Praktikum : Aus Afrika ins kalte Kellinghusen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Zwei junge Frauen aus Tansania sind mit dem entwicklungspolitischen Freiwilligendienst „Weltwärts“ neun Monate in Kellinghusen

Nein, Heimweh plage sie nicht, strahlen Mercy Lyimo und Nancy Towo. Zu schaffen machten den jungen Frauen anfangs nur die Temperaturen. Vom afrikanischen Sommer verwöhnt, mussten sie sich an die norddeutsche Schmuddelkälte gewöhnen. Auch im übertragenen Sinne bedurfte es einiger Zeit, anzukommen. „Aber das geht den Volunteers in Afrika auch so“, sagt Mercy und blinzelt draußen vor dem Eine-Welt-Café in die Frühlingssonne .

Seit Dezember sind die „um einige Ecken“ verwandten jungen Frauen in der Störstadt zu Gast. Ermöglicht wurde der neunmonatige Aufenthalt durch den entwicklungspolitischen Freiweilligendienst Weltwärts. Aus Deutschland reisten über den Rafikia-Verein bereits etliche Volunteer-Generationen nach Tansania. Ziel ist jeweils die tansanische Gemeinde Mrimbo, wo Rafiki eine weiterführende Schule baute und sich bildungspolitisch engagiert. Die staatlich genehmigte und anerkannte Kiumako Secondary School bietet den 18-bis 28-Jährigen „weltwärts“ Freiwilligen ein breites Betätigungsfeld.

Marcus Wack, zweiter Vorsitzender von Rafiki, ist im Verein auch für den Freiwilligendienst zuständig. Neuerdings sieht er nicht nur bei den deutschen Freiwilligen in Mrimbo nach dem Rechten: Seit das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) einen gleichberechtigten Austausch zwischen den Partnerländern fördert, ist er auch für Volunteers zuständig, die auf umgekehrtem Weg den Austausch zwischen den Partnern fördern. „Rafiki ist die Aufnahmeorganisation“, sagt Wack. Unterkunft für die jungen Leute aus den Partnerländern bietet die Gesellschaft für Bildung, Beruf und Kultur (Bibeku), in der Wack Geschäftsführer ist.

Nancy schnupperte im vergangenen Jahr im Rahmen eines Begegnungsbesuchs schon einmal drei Monate Kellinghusener Luft. Damals reifte der Entschluss, für längere Zeit zurück zu kehren. „Das Leben hier kennen lernen und vor allem die Sprache besser beherrschen“, nennt Nancy ihre Beweggründe. Diese Perspektive lockte auch die 21-jährige Mercy. Die beiden Studentinnen hoffen, auch beruflich vom Engagement im deutschen Bundesfreiwilligendienst (Bufdi) profitieren zu können.

Mercy studiert Sozialpädagogik. Mit dem Diplom in der Tasche plus den vor Ort erworbenen Sprachkenntnissen sieht sie gute Chance bei deutschen Hilfsorganisationen oder kirchlichen Organisationen unterzukommen. Nancy, die in Daressalam im IT-Bereich studiert, peilt einen Job bei deutschen Unternehmen oder im Tourismus an.

Mercy ist jeden Nachmittag in der Schulberg-Kita tätig. Nancy kümmert sich um die Internationalität der Rafiki-Homepage. Neben Deutsch und Englisch ist die Seite dank Nancys Übersetzungskünsten jetzt zusätzlich auf Suahli (am weitesten verbreitete Verkehrssprache Ostafrikas) zu lesen. Gemeinsam mit Lehramtsstudentin Jana Krawat stecken die beiden zudem einmal wöchentlich die Köpfe in deutsche Grammatikbücher. „Ihnen stehen außerdem alle Unterweisungsbereiche der Bibeku offen“, sagt Wack.

In der Freizeit, die sie meistens zusammen verbringen, spielen Nancy und Mercy Volleyball in Wrist und finden bei Familie Wack jederzeit familiären Anschluss. Marcus Wack freut sich über die Neuerung des gleichberechtigten Austauschs: „Jetzt wächst die Generation heran, die die jeweilige Sprache spricht“, beobachtet er. Kämen ehemalige Volunteers zu Besuch, sprächen sie meistens fließend Kisuahli. „Da bekommt die Kommunikation eine ganz andere Qualität.“ Und: Das Interesse am Austausch ist auf beiden Seiten groß. Wenn Nancy und Mercy im September die Heimat zurückkehren, warten dort schon die nächsten Weltwärts-Freiwilligen auf den Flieger in den Norden.

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erstellt am 05.Mai.2016 | 10:00 Uhr

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