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Norddeutsche Rundschau

05. Dezember 2016 | 11:37 Uhr

Auf den Spuren von Opa Jacques

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Auf den Spuren ihres Großvaters war eine französische Familie in Hohenlockstedt.

Nach dem Tode ihrer Großeltern stießen Fanny und David Sulpice gemeinsam mit ihrem Vater Raymond bei der Auflösung des Haushaltes auf jede Menge Bilder, Postkarten und Dokumente. Diese wiesen daraufhin, dass „Opa Jacques“ sich im Zweiten Weltkrieg in Deutschland aufgehalten haben muss. Besser gesagt: In Winseldorf, Schlotfeld oder im Lockstedter Lager. 71 Jahre später begaben sich die drei Franzosen auf die Spuren des Großvaters und Vaters, der im August 100 Jahre alt geworden wäre. „Wir hoffen so sehr, dass wir noch weitere Details über das Leben unseres Großvaters erfahren“, sagte die 39-Jährige Enkeltochter. Eine ganze Woche lang suchte sie gemeinsam mit ihrem drei Jahre jüngeren Bruder und ihrem Vater (65) die Standorte auf, die auf den alten Schwarz-Weiß- Fotografien zu sehen sind.

Unterstützung bei der einwöchigen Spurensuche erhielten die Franzosen, die in der Stadt Lyon wohnen, von Achim Jabusch und Jürgen Schmidt vom Verein für Kultur und Geschichte, dem Chronisten Siegfried Schäfer, dem ehemaligen Schlotfelder Bürgermeister Ernst Sommer und Gisela Andresen. „Ich bin die noch einzige Lebende, die an der Chronik der Gemeinde Schlotfeld mitgearbeitet hat“, betonte die Schlotfelderin, die anhand der von den französischen Gästen mitgebrachten Fotos recherchierte. „Auf vielen der historischen Fotos sind Türen, Fenster und Häuser zu erkennen– wenn jemand darüber Bescheid weiß, dann ist sie es“, erklärte Jabusch.

Eine Fotografie beschäftigt die Franzosen ganz besonders. „Es gibt ein Portrait von einer Lisa Hass. Zu der würden wir gerne Kontakt aufnehmen – wenn sie noch lebt“, übersetzte Laurence Bluhm, die den Franzosen als Dolmetscherin zur Verfügung stand. Vor Ort konnte dann in Erfahrung gebracht werden, dass diese von Schlotfeld nach Heide und schließlich in die Nähe von Kiel verzogen war. Ferner wussten die Franzosen, dass ihr Großvater 1940 in Sandbostel bei Bremervörde gewesen sein soll. „Die Gemeinde diente seinerzeit als Auffanglager für Kriegsgefangene“, erzählte Siegfried Schäfer, der sich seit vielen Jahren intensiv mit der Geschichte des Lockstedter Lagers beschäftigt.

„In einem kleinen Notizbuch schrieb unser Großvater, dass er am 17. September 1940 in Sandbostel war“, sagte Fanny Sulpice. Auch lasse ein alter Ausweis vermuten, dass er wohl von August 1941 bis Mai 1945 Teil eines Arbeitskommandos bei Winseldorf oder Schlotfeld gewesen sein müsse. Die Spurensuche führte die Familie Sulpice jedoch nicht nur nach Hohenlockstedt, sondern auch nach Lorient in der Bretagne, nach Belgien, Münster und Hamburg. „Überall wurden Ortsbegehungen gemacht und Kontakte geknüpft“, sagte die Dolmetscherin, die inzwischen ebenso großes Interesse an der Spurensuche hat wie die Familie. „Wir bleiben daher auf jeden Fall in Kontakt und hoffen nun auf die Mithilfe der Zeitungsleser.“

Sehr angetan waren die Franzosen von der Gastfreundschaft und Unterstützung. „Wir sind sehr gerührt“, sagte Fanny Sulpice unter Tränen. Sie hofft, dass sie irgendwann alle Antworten auf die Fragen zu ihrem „Opa Jaques“ erhalten wird.

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