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Norddeutsche Rundschau

06. Dezember 2016 | 13:13 Uhr

Auf den Spuren deutscher Geschichte

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Flüchtlingsgruppe aus der Wilstermarsch stattete der Bundeshauptstadt einen Besuch ab

„Wie schön“, sagt Inge Wulff im Gespräch, „dass es solch hilfreiche Hände gibt.“ Gemeint ist in diesem Fall Werner van Osten, mit dessen zwei Privatfahrzeugen es in aller Früh, um halb 6, von Wilster nach Itzehoe ging und von dort gemeinsam mit einer kleinen Reisegruppe in die Hauptstadt, nach Berlin.

Inge und Thomas Wulff hatten den dreitägigen Ausflug von Artyom Haroyan und Dianna Sargsyan aus Armenien, Nasim Farahzadi und ihrem Mann Shapur Taghikhaki, Azadeh Haghighi und ihrem Mann Saied Ebrahimy aus Iran, Hadji Haitham-Jindi aus dem Irak sowie Hamide Akbari und ihrem Sohn Mehran aus Afghanistan über das Büro der SPD-Bundestagsabgeordneten Dr. Karin Thissen organisiert. Für das Ehepaar Wulff war das nicht der erste Ausflug dieser Art, dessen Ziel es ist, den neuen Mitbürgern Einblicke ins das Herz unserer Demokratie, das Regierungsviertel, zu gewähren.

Doch die anderen Teilnehmer aus Wilster erlebten die Hauptstadt auf diese Art zum ersten Mal und kamen in den Genuss einer geführten Tour – eine Betreuerin des Bundespresseamtes begleitete die Reisegruppe von Anfang an. Die Berlinreisenden wurden von Karin Thissen begrüßt. Die SPD-Abgeordnete beantwortete Fragen und ging, wie Inge Wulff erzählt, auf sehr sympathische Weise auf die Reisegruppe ein.

Auf dem Programm stand noch eine ganze Menge mehr: Man nahm teil an einer Plenarsitzung mit anschließender Fragerunde. Die Gruppe war Teil einer Führung durch das ehemalige Notaufnahmelager Marienfelde, wo sich heute das zentrale Museum zum Thema „Flucht und Ausreise aus der DDR“ in Deutschland befindet. Zur Erinnerung: Rund vier Millionen Menschen verließen zwischen 1949 und 1990 die DDR in Richtung Bundesrepublik; 1,35 Millionen von ihnen passierten das 1953 gegründete Notaufnahmelager in Berlin-Marienfelde. Hier wurden sie untergebracht und versorgt. Hier durchliefen sie auch das notwendige Verfahren, um eine Aufenthaltsgenehmigung für die Bundesrepublik und West-Berlin zu erhalten. Heute erinnert eine Ausstellung an Ursachen, Verlauf und Folgen der deutsch-deutschen Fluchtbewegung und es leben aktuell 800 geflüchtete Menschen aus aller Herren Länder dort.

„Besonders beeindruckt waren die Wilsteraner Gäste von den Schilderungen einer ehemaligen DDR-Bürgerin“, fasst Inge Wulff zusammen. Die Parallelen zwischen ihrer Flucht und den eigenen Erlebnissen seien frappierend.

Außerdem war für die Gruppe eine Stadtrundfahrt organisiert, man besuchte gemeinsam das Willy-Brandt-Haus, nahm teil an einer Führung durch das BMZ, das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, und zeigte sich beeindruckt von der Gedenkstätte des Deutschen Widerstandes, die sich ihren Besuchern als Ort der Erinnerung, der politischen Bildungsarbeit, des aktiven Lernens, der Dokumentation und der Forschung präsentiert. In der nach dem berühmtesten aller Widerstandskämpfer bezeichneten Stauffenbergstraße wird gezeigt, dass und wie sich einzelne Menschen und Gruppen gegen die nationalsozialistische Diktatur zur Wehr gesetzt haben.

Insgesamt dauerte der informative und erkenntnisreiche Ausflug drei Tage, zweimal übernachtete man und landete schließlich gemeinsam auf dem „Klo“, einer originellen Berliner Erlebniskneipe mit kuriosem Dekor und frisch gebrautem Bier, wohin Inge und Thomas Wulff ihre Schützlinge zum Abschluss ihres Aufenthaltes eingeladen hatten.

„Für Artyom Haroyan, Dianna Sargsyan, Nasim Farahzadi, Shapur Taghikhaki, Azadeh Haghighi, Saied Ebrahimy, Hadji Haitham-Jind, Hamide Akbari und Mehran Akbari war diese Reise ein wichtiger Schritt hin zum politischen Verständnis für das Land, dessen Mitbürger sie alle gerne werden möchten“, ist sich Inge Wulff sicher.

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erstellt am 02.Nov.2016 | 12:42 Uhr

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