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Norddeutsche Rundschau

24. März 2017 | 19:07 Uhr

Brokdorf : Atom-Museum an der Unterelbe ?

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Im Forschungsprojekt Regiobranding suchen die Akteure nach neuen Chancen und Alleinstellungsmerkmalen für die Elbmarschen.

Auf der Suche nach Zukunftsperspektiven für die Elbmarschen kommt aus dem Teilnehmerkreis des Forschungsprojekts Regiobranding jetzt eine ganz neue Idee: Nach der endgültigen Stilllegung des Kernkraftwerks Brokdorf, so schlug der Glückstädter Dr. Sven Wiegmann jetzt in einem Workshop vor, könnte das gesamte Areal doch in ein gigantisches Atom-Museum verwandelt werden. Seine Vision: An der Unterelbe würde eine prägende Epoche der Menschheitsgeschichte in all seinen Facetten präsentiert – mit der prägnanten Betonkuppel als weithin sichtbarem Markenzeichen. „Das lockt im Jahr 2040 eine halbe Million Besucher in die Marsch“, schätzt der Diplom-Geograph und weist dabei auf die Chance für ein europaweites Alleinstellungsmerkmal hin.

Nach vorbereitenden Untersuchungen durch Wissenschaftler und Studenten der Universitäten Hannover, Greifswald und Hamburg geht Regiobranding jetzt langsam in die heiße Phase über. Zu den Themenbereichen „Kulturlandschaft nutzen und erleben“, „Regionale Baukultur als Ressource erkennen“ und „Kulturlandschaft und deren Wandel sichtbar machen“ gab es in dieser Woche unter dem Motto „Was können wir tun, und wie können wir es umsetzen?“ erste Auftaktworkshops. In einer dieser Arbeitsgruppen sitzt auch Sven Wiegmann, bis vor einem Jahr Vorsitzender des Bauausschusses in seiner Heimatstadt. „Wir müssen die ersten in Europa sein“, sieht er in einem Atom-Museum einen Publikumsmagneten par excellence und verweist auf eine im Ansatz vergleichbare Institution im US-amerikanischen Albuquerque. Dort steht das weltweit bislang einmalige National Atomic Museum. Zielsetzung: Es sollen die historischen und technologischen Aspekte der Atomkraft bewahrt und aufgezeigt werden. Zu sehen ist dort unter anderem der Nachbau einer Atombombe. Für Wiegmann geht es darum, einen bedeutsamen Zeitabschnitt unserer Geschichte auch der Nachwelt noch verständlich und erklärbar zu machen. „Schließlich müssen unsere Kinder noch mit den Folgen leben.“ Die Brokdorfer Kuppel sei dafür geradezu prädestiniert. „Die sieht man doch auch von jedem Traumschiff aus“, unterstreicht Wiegmann die exponierte Lage direkt an der Elbe. Um das Bild abzurunden – und als zusätzliche Anziehungspunkte – könnte man, so sein Vorschlag, sogar ein ausgedientes russisches Atom-U-Boot und Atomraketen in Brokdorf präsentieren – alles natürlich befreit von jeglichen strahlenden Innereien.

Der Sprecher ist überzeugt davon, dass sich so etwas sogar in großem Stil finanzieren lasse. „Es gibt bestimmt Fördermittel. Schließlich ist das hier ja eine unterprivilegierte Region.“ Vielleicht, so seine Hoffnung, sei sogar Betreiber Preußen Elektra dafür zu gewinnen. Sein Fazit: „Wir brauchen in der Region einen Hot Spot.“ „Aber nicht im doppelten Sinne“, warf der Wilsteraner Workshop-Teilnehmer Jürgen Ruge ein. Wie er zeigten sich auch die anderen Mitglieder der Arbeitsgruppe sichtlich überrascht von dem weit reichenden Vorschlag Wiegmanns. Für Olaf Prüß vom Regionalverein Wilstermarsch reichte die Idee sogar ein bisschen zu weit in die Zukunft. „Wir müssen jetzt unsere Chancen nutzen“, sieht er einen eher kurzfristigen Handlungsbedarf. Den Standort Brokdorf mit seiner Lage direkt an der Elbe hält aber auch er für ausbaufähig. Bislang werde die weitere Entwicklung dort durch das noch vorhandene Kernkraftwerk aber mehr gehemmt.

Für andere Workshopteilnehmer ist ohnehin eher der tief greifende Wandel in der Landwirtschaft das zentrale Thema. „Wir brauchen aber nicht nur zufriedene Landwirte, sondern generell zufrieden hier lebende Menschen“, sagte die Sommerländerin Helga Ellerbrock und unterstrich die Bedeutung einer funktionierenden Infrastruktur. Heiko Strüven, Landwirt aus Aebtissinwisch, verwies auf Überlegungen, die traditionelle Weidehaltung von Milchkühen in den Vordergrund zu rücken und als regionales Produkt „Weidemilch“ anzubieten. Ein anderer Teilnehmer hält auch den Erhalt und die Stärkung von kleinen und vitalen Städten wie Glückstadt, Wilster und Krempe für bedeutend. Auch vorhandene Besonderheiten wie die tiefste Landstelle könnten deutlich besser herausgestellt und für touristische Zwecke genutzt werden. In den nächsten Monaten wollen die Akteure weitere Ideen entwickeln und eventuell auch Modellprojekte vorstellen. Finanzielle Ressourcen werden auch gesehen. Ein Teilnehmer: „Im Großraum Hamburg ist doch genug Geld vorhanden.“

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