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Norddeutsche Rundschau

07. Dezember 2016 | 15:31 Uhr

GetreideSilo am Itzehoer Hafen : Arbeitsplatz über den Dächern der Stadt

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Torsten Ollech arbeitet im Getreidesilo der Firma Trede und von Pein und genießt eine wunderbare Aussicht.

Die Aussicht war sicher nicht das entscheidende Kriterium als der Getreidesilo an der Stör 1965/66 in die Höhe wuchs. Torsten Ollech genießt trotzdem den Ausblick auf einem der höchsten Gebäude Itzehoes gern, wenn er bei der Arbeit Gelegenheit dazu hat. „Bei gutem Wetter hat man einen tollen Blick über die Stadt und über die Marsch bis zur Elbe“, sagt er und zeigt auf die anderen Standorte seiner Firma in Dammfleth und Beidenfleth.

Meistens ist aber viel zu tun, wenn der 49-jährige Silomeister von Trede und von Pein auf das über 50 Meter hohe Dach seines Arbeitsplatzes an der Hafenstraße kommt. Dann funktioniert zum Beispiel ein Förderband der Verteilung, die unter Volllast bis zu 150 Tonnen Getreide pro Stunde bewegen kann, nicht richtig. „Gerade in der Erntezeit muss es dann schnell gehen. Dann wird hier 24 Stunden gearbeitet, sieben Tage in der Woche“, sagt Ollech. Seit über 20 Jahren ist er in dem riesigen grauen Betonbau tätig und kennt jede Ecke. „Schwindelfrei muss man schon sein.“ Verstopft eine der 24 Lagerkammern des Silos gibt es nur den Weg von oben, um sie wieder gangbar zu machen. „Dann heißt es abseilen“, sagt Ollech. Bis zu 34 Meter tief, denn wenn Stroh oder feuchte Körner verkleben, passiert dies meist ganz unten in den sich verjüngenden Zellen. „Normalerweise läuft das Getreide aber wie von selbst aus dem Silo.“

Die Fließfähigkeit der Körner ist auch der Grund für die Form des Silos, erklärt Phillip von Pein, Mitglied der Geschäftsführung des Familienunternehmens. „Er ist so gebaut, damit man die Schwerkraft beim Bewegen des Getreides zumindest in der einen Richtung nutzen kann.“ Das spare Energie und Zeit. „In ebenen Hallen müssen Sie ständig mit Radladern oder ähnlichem arbeiten.“ Auch für den Standort des auffälligen Gebäudes gibt es einen ganz pragmatischen Grund: Viel Getreide, das Trede und von Pein von den Landwirten aus der Region kaufen, wird nämlich per Schiff abtransportiert. „Die Wasserstraße Stör ist heute fast noch wichtiger als früher“, sagt von Pein. Regelmäßig pendeln die firmeneigenen Binnenschiffe MS Stör und MS Steinburg mit Getreide von Itzehoe zum Hamburger Hafen. „Angesichts der Verkehrsprobleme auf der A7 ist das sehr wichtig für uns. Früher schafften unsere LKW vier Touren nach Hamburg und zurück. Heute sind es wegen Staus oft nur zwei.“

Den großen Silo, der Platz für über 6000 Tonnen Korn bietet, benötigt die Firma, um die Vermarktung über das ganze Jahr zu gewährleisten. „Naturgemäß bekommen wir unsere Ware vor allem im Spätsommer. Dann platzt der Silo aus allen Nähten und wir müssen auch noch andere Lagerflächen nutzen“, so von Pein. „Über das Jahr wird dann nach und nach verkauft und spätestens Mitte-Ende Juli ist der Silo dann wieder leer.

In der Zwischenzeit kümmern sich Torsten Ollech und seine Kollegen darum, dass die verschiedenen Sorten und Qualitäten immer in den richtigen Kammern landen. Vor allem Weizen, Raps und Gerste, aber auch Hafer, Mais und Triticale wird gelagert. Ist die Erntezeit wie in diesem Jahr sehr feucht, muss das Korn zunächst „lagerstabil“ gemacht werden. Auch dafür wird die besondere Form des Silos genutzt. „Wir erzeugen in einem holzbeheizten Kessel Dampf, der über Wärmetauscher dann wieder Luft in bestimmten Schächten des Silos erhitzt“, erklärt Ollech. Das feuchte Getreide rieselt dann über kleine Dächer mit Lüftungsschlitzen langsam an der heißen Luft vorbei, die mit der Feuchtigkeit wie in einem Kamin nach oben steigt.

Einen Nachteil hat sein hoher Arbeitsplatz aber, findet der Silomeister: Wenn der Fahrstuhl ausfällt, habe der Silo ziemlich viele Stufen. „Dann hoffen wir, dass der Aufzug schnell repariert wird und in der Zwischenzeit nichts anderes kaputt geht.“

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erstellt am 01.Nov.2016 | 05:00 Uhr

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