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Norddeutsche Rundschau

06. Dezember 2016 | 22:59 Uhr

24-Stunden-Serie : Arbeiten, damit andere feiern können

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Nach Mitternacht haben bei Veranstaltungen im Colo Servicekräfte, Sicherheitspersonal und der Disc Jockey Hochkonjunktur in Wilster

Wenn andere bereits schlafen gegangen sind, fängt für sie die Arbeit erst richtig an. Die Zeit nach Mitternacht bedeutet für die Angestellten in dem Veranstaltungssaal „Colosseum“ in Wilster Hochbetrieb, besonders wenn Disco angesagt ist. Telse Rohwedder aus Nortorf/Averfleth (57) arbeitet bereits seit 25 Jahren hinterm Tresen. „Ich mache das als Hobby, wenn etwas los ist“, sagt das „Allround-Talent für Küche, Tresen, Kellnern – ich mache alles, was anfällt.“ Und wenn Not am Mann ist, hilft sie auch in der Küche aus.
2 Euro, 2,50 Euro, 3 Euro – sie kennt die Preise aller rund 30 Getränke von Schnäpsen über Cocktails bis zu sieben verschiedenen Sorten Wein und drei Sorten Sekt sowie die nicht alkoholischen Getränke von Fanta, Cola oder Selter.

„Ich empfinde das nicht als stressig oder anstrengend“, sagt sie. Denn inzwischen ist der Besucheransturm etwas rückläufig geworden. „Früher standen wir zu fünft hinterm Tresen. Da riefen sie ihre Bestellungen aus der zweiten Reihe. Heute ist das nicht mehr so schlimm.“ Sie kocht auch in der Küche für Buffets bei Schulabschlüssen oder anderen Gesellschaften für bis zu 200 Leute. „Wir sind meist erst nachts fertig mit dem Abwasch.“

Nach den vielen Jahren kennt Telse Rohwedder inzwischen viele der Gäste und weiß, was sie haben wollen. Bei der „Fubama“ ist sie im kommenden Jahr schon ein Vierteljahrhundert dabei. Da will sie dann auch mit einem Glas Sekt auf die vergangenen 25 Jahre anstoßen. Die Musik gefällt ihr in der Regel gut, nur dem Hip Hop, wenn er zu lange spielt, würde sie manchmal gerne den Stecker ziehen. „Aber es muss ja für jeden etwas geboten werden.“

Dafür sorgt unterdessen an seinem Pult der DJ des Abends. Gunnar G. (Gunnar Groksch aus Wacken) ist um diese Zeit in Hochform. „Zwischen 1 und 2 Uhr ist für mich hier Disco-Prime Time“, sagt er und schiebt schon die nächste CD ein. Damit kann er auf viel Erfahrung zurück greifen. Denn sonst tritt er auch bei NDR-Partys im gesamten Sendegebiet auf – von Wolfsburg bis Wilhelmshaven.

Die Tanzfläche ist ab 1 Uhr voll gefüllt, das Warm Up wird zu dieser Zeit abgelöst vom Hauptprogramm. „Da kann ich nicht mehr aufs Klo gehen“, sagt er. Mit brandneuer Musik und Party-Hits, aktuellen No.1- und Sommer-Hits macht er Stimmung zu buntem Licht im Partyvolk, das inzwischen vor seiner Bühne auf- und abhüpft.

Es gibt aber keine fest gelegte Abfolge an Titeln. „Ich entscheide das spontan, da muss ich kreativ sein, man braucht Fingerspitzengefühl. Das kann man aus keiner Software der Welt heraus kitzeln.“ Musikwünsche gehen dann auch nur, wenn sie ins Programm passen. Trotzdem spielt er Musiktitel manchmal auf Zuruf. „Das ist wichtig, um den Geschmack des Publikums zu ergründen.“ Bei Verlosungen holt er Leute auf die Bühne, stellt die Losfee vor, lässt sie den Hauptgewinn ziehen und präsentiert den Gewinner. In der Stunde mischt er 25 bis 30 Titel ab. „Die Stunde geht schnell vorbei, und danach flaut es bis zum Ende um 4 Uhr wieder ab.“

Währenddessen steht Security-Mann Ahmed Tok vom „TSD Sicherheitsdienst“ mit einem oder zweien seiner Angestellten am Eingang und wacht über den geordneten Ablauf. Er ist mit seinem Sicherheitsunternehmen mit 27 Angestellten seit 1991 selbstständig und kennt sich vor Ort bestens aus. „Ab 23 Uhr beginnt der Ansturm“, erzählt er. Nach dem Aufkommen an Gästen wird das dafür nötige Personal berechnet. Im „Colosseum“ stehen sie meist mit vier Mann, beobachten, machen Ausweiskontrollen und kontrollieren den „Muttizettel“, je nach Erfordernis filzen sie auch bei der Taschenkontrolle, suchen Jacken nach Waffen ab. „Das nützt ja nichts“, sagt Ahmed. „Wir müssen die Sicherheit herstellen, um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten.“

Im Innenraum haben sie die Notausgänge im Auge und sehen im Raucherbereich nach dem Rechten. „Meist geht es bei Auseinandersetzungen um Persönliches“, hat er fest gestellt. So müssen sie Eifersuchtsszenen entschärfen, Streitigkeiten schlichten oder Schlägereien verhindern. „Ich kenne meine Pappenheimer. Die halten sich zurück, weil sie das Ergebnis kennen: Am Ende fliegen sie beide raus.“

Dann ist der Disco-Abend gegen 4 Uhr vorbei. Beim Abfließen des Besucherstroms sind sie wieder gefordert, die Menge zu beobachten. „Da dürfen wir kein Gedrängel zulassen.“ Wenn es dann noch nötig, greifen sie aber auch hier noch ein, um späte Eskalationen zu vermeiden. Und so haben alle drei erst weit nach vier Uhr Feierabend – wenn sich andere schon wieder ans Aufstehen machen.

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erstellt am 25.Aug.2016 | 04:49 Uhr

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