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Norddeutsche Rundschau

07. Dezember 2016 | 23:22 Uhr

medizin : Ankunftszentrum: Ärzte sind bereit

vom
Aus der Redaktion der Glückstädter Fortuna

Das Klinikum Itzehoe ist beauftragt die Untersuchungen von Flüchtlingen zu übernehmen.

Michael Kappus ist gerüstet. Der Ärztliche Direktor des Klinikums Itzehoe hat alles geregelt für das neue künftige Ankunftszentrum für Flüchtlinge. Denn mit dem neuen Status wird es in der ehemaligen Marinekaserne medizinische Untersuchungen geben. Der Chefarzt wartet jetzt nur noch auf den Startschuss, dass die Landesunterkunft zur Erstaufnahme wird.

Eigentlich war die Umwandlung für diese Woche geplant, sagt er im Pressegespräch, an dem auch Christina Thomsen teilgenommen hat. Sie ist beim Klinikum Itzehoe zuständig für alles, was mit Flüchtlingen zu tun hat. Doch kurzfristig, so erklären die Beiden, sei der Termin verschoben worden. Jetzt warten sie täglich darauf, dass es los geht.

Zum neuen Ankunftszentrum gehören neben Anhörungen durch Mitarbeiter des Bundes auch die medizinischen Untersuchungen. Diese übernehmen Ärzte aus dem Klinikum an zwei Tagen jeweils von 9.30 bis 16 Uhr. Dolmetscher übersetzten.

Die Untersuchungen sind vom Staat angeordnet, sagt Michael Kappus. „Es soll auch sichergestellt werden, dass keine Infektionen eingeschleppt werden.“ Die Flüchtlinge werden zunächst körperlich vom Arzt komplett untersucht. „Und sie werden geimpft.“ Die Liste ist lang: Er spricht von Impfungen gegen Masern und Windpocken bis hin zu Tetanus und Kinderlähmung. „Und wer über 15 Jahre alt ist, der wird auf Tuberkulose geröntgt“, erklärt der Chefarzt. Wobei diese Krankheit vor allem in den Staaten der ehemaligen Sowjetunion wieder ausgebrochen ist.

Eigentlich gibt es auch ein teures Röntgengerät. Nur steht es noch im ehemaligen Camp in Kellinghusen. Es sei ein bürokratischer Akt, es nach Glückstadt zu holen, sagt Kappus. Deshalb werden die Ankommenden zunächst an einem Tag der Woche im Klinikum in Itzehoe geröntgt.

Als im vergangen Jahr die vielen Flüchtlinge kamen, hat Michael Kappus als ärztlicher Direktor des Klinikums die Koordination für den Kreis Steinburg übernommen. Es war eine Bitte des Kieler Ministeriums. Damals war der Standort Glückstadt schon im Gespräch, musste aber noch ausgebaut werden und die Ereignisse überschlugen sich. „Wir haben das Glück gehabt, mit Kellinghusen und dann mit Prinovis in Itzehoe anzufangen“, sagt er zu den beiden inzwischen stillgelegten Camps. „Dort haben wir Erfahrungen gesammelt und die Strategie für Glückstadt entwickeln können.“

Speziell für die Elbestadt betont er: „Die Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Ärzten klappt hervorragend.“ Sie teilen sich seit Bestehen der Arztpraxis im ehemaligen Torhaus die täglichen Dienste für die Allgemeinmedizin – die sogenannte Basismedizin. Auch Christina Thomsen betont, wie „reibungslos“ diese Zusammenarbeit klappt. „Es ist mir immer eine Freude den Dienstplan zu schreiben.“ Wobei es Michael Kappus ein Anliegen ist, mit einem „bösen Gerücht“ aufzuräumen. Denn immer wieder habe er gehört, dass Flüchtlinge wie Privatpatienten behandelt werden. „Sie bekommen keine Sonderbehandlung.“ Vielmehr sei es so, dass es zum Beispiel keine Brillen gibt, keine neuen Hüften bei Arthrose und auch keine Zahnbehandlungen, außer bei einer akuten Zahnentzündung. Und bei schweren Erkrankungen muss erst das Sozialministerium eingeschaltet werden, weil dies die Kosten übernimmt.

Der Chefarzt weiß über das ärztliche System auch in anderen Kreisen: „Schleswig-Holstein ist deutschlandweit mit am besten organisiert.“ Im Kreis Steinburg habe sich das zentrale System über das Klinikum bewährt. „Wir übernehmen die Verantwortung.“ Die möchte er auch behalten. Doch das Land muss den Dienst am Nächsten ausschreiben, so sind die EU-Vorschriften. „Wir werden uns dann bewerben“, stellt Michael Kappus klar. Aber zunächst wurde er von den zuständigen Behörden darum gebeten, sich jetzt zu kümmern. Und das tun sowohl Kappus als auch Christina Thomsen gerne.

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erstellt am 01.Jul.2016 | 05:00 Uhr

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