zur Navigation springen

Norddeutsche Rundschau

08. Dezember 2016 | 11:02 Uhr

Interview : Amtsdirektor ist die Lösung

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Der ehemalige Leitende Verwaltungsbeamte Stephan Schulz spricht über verloren gegangenes Vertrauen und die Zukunft des Amtes

Bis Montag war Stephan Schulz Leitender Verwaltungsbeamter des Amtes Kellinghusen. Dann wurde ihm offiziell der Beschluss des Amtsausschuss mitgeteilt: Sofortiger Widerruf der Bestellung. Stattdessen hat er jetzt eine Stabsstelle in der Verwaltung inne und arbeitet den Fachbereichsleitern zu. „Das Vertrauensverhältnis zum Leitenden Verwaltungsbeamten ist unüberbrückbar zerstört“, hieß es zur Begründung der Abberufung. Über seine Sicht der Zusammenarbeit spricht Stephan Schulz im Interview mit unserer Zeitung.

Herr Schulz, ist das Vertrauensverhältnis wirklich gestört?
Ja. Aber von beiden Seiten.

Wie ist es soweit gekommen?
Ich fühlte mich in eine Rolle gedrängt, die ich kraft Gesetzes nicht ausfüllen darf und will. Die Zuständigkeiten sind eigentlich klar geregelt. Der Leitende Verwaltungsbeamte führt die Geschäfte der laufenden Verwaltung, der Amtsausschuss gibt die Ziele und Grundsätze vor, dem Amtsvorsteher obliegen die Verwaltungsleitung und wichtige Entscheidungen. Hierbei habe ich den Amtsvorsteher vermisst. Er war zu wenig präsent im Hause. Als ehrenamtlicher Amtsvorsteher ist dies auch schwierig. Ein letzter Knackpunkt war dann die Beratung über die Zusammenarbeit im IT-Bereich, hier wurden intern andere Aussagen gemacht als nach außen.


Haben Sie denn nicht rechtzeitig genug auf das Problem hingewiesen?
Doch. Seit eineinhalb Jahren rede ich darüber, dass das Amt auf Grund seiner Größe – 23  000 Einwohner in 19 Kommunen – und seiner Aufgaben nicht mehr ehrenamtlich zu verwalten ist. Es ist nicht mehr nur die Schreibstube für die Gemeinden, wie die Verwaltung es zu Zeiten des ehemaligen Amtes Kellinghusen-Land war. Mit Kellinghusen und Hohenlockstedt sind zwei Städte und Gemeinden hinzugekommen, die das Amt vor neue Herausforderungen gestellt haben.

Wie waren die Reaktionen darauf?
Der Amtsvorsteher hat mir signalisiert, mich auf den Weg zu begleiten. Nur war dies danach nicht feststellbar. Deshalb habe ich dann selbst Ende des Jahres 2015 den Antrag auf Widerruf der Bestellung zum Leitenden Verwaltungsbeamten gestellt. Danach wurde ich gebeten, den Antrag zurückzuziehen, dies habe ich nicht getan. Im folgenden Amtsausschuss wurde mein Antrag dann abgelehnt mit dem Zusatz, dass ein Arbeitskreis gebildet wird, der die Zuständigkeiten eines Leitenden Verwaltungsbeamten, eines Amtsvorstehers und eines Amtsdirektors feststellt.

Hört sich doch ganz positiv an.
Der Arbeitskreis hat aber nie getagt, lediglich im Gremium „Bürgerbüro Hohenlockstedt“ kam das Thema zur Sprache. Und es gab einen Vortrag eines Kommunalberaters. Der Referent hatte vor allem das Modell der Hauptamtlichkeit mit einem Amtsdirektor vorgestellt. Aber leider waren nur wenige Amtsausschussmitglieder anwesend.

Das heißt mit anderen Worten: Für Sie hat sich nichts geändert, die Zuständigkeiten waren immer noch nicht geregelt?
Stimmt. Der Amtsausschuss hat sich nicht an den Beschluss gehalten, die Zuständigkeiten festzustellen. Hätte er es getan, wäre die letzte Sitzung vielleicht nicht so chaotisch verlaufen.

Dort ist dann aber der Widerruf der Bestellung mit einer Enthaltung beschlossen worden. Ein nach dem Gesetz vorgesehener erster Beschluss wurde bereits im Juni gefasst.
Der Antrag dazu kam auch für mich überraschend.

Wie stellen Sie sich denn die Zukunft des Amtes Kellinghusen vor?
In der Hauptamtlichkeit mit einem Amtsdirektor. Es gibt kaum ein Amt in Schleswig-Holstein in der Größe Kellinghusens, das noch ehrenamtlich geführt wird. Ich hätte mir in diesem Jahr eine zustimmende Entscheidung gewünscht, damit das Amt 2017 hauptamtlich geführt wird. Bis zur Kommunalwahl 2018 könnte dann der jetzige, erfahrene Amtsvorsteher den neuen Amtsdirektor in seiner Arbeit begleiten und unterstützen.

Wie bewerten Sie die Entscheidung des Amtsausschusses, jetzt noch nicht über die Hauptamtlichkeit zur reden, sondern die Stelle intern auszuschreiben?
Zum einen ist es die falsche Reihenfolge. Bevor ein neuer Leitender Verwaltungsbeamter bestellt wird, müsste über die Hauptamtlichkeit entschieden werden. Auf den Weg dahin hatte ich auch meine Unterstützung angeboten. Diese Entscheidung wurde nun bis auf weiteres vertagt. Zum anderen habe ich rechtliche Bedenken, die Stelle nur intern auszuschreiben. Schon bei der Ausschreibung 2009 gab es Bedenken dagegen, deshalb wurde dann extern ausgeschrieben. Intern gab es damals auch keinen Bewerber, auch konnte oder wollte bisher keiner die Funktion meines 1. Stellvertreters übernehmen. Und jetzt soll es nur eine interne Ausschreibung geben?

Wie geht es mit Ihnen persönlich weiter?
Ich habe jetzt eine Stabsstelle und arbeite weiter von meinem bisherigen Büro im Rathaus Kellinghusen aus. Meine weitere Zukunft sehe ich aber außerhalb des Amtes Kellinghusen.


Karte
zur Startseite

von
erstellt am 31.Jul.2016 | 16:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen