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Kirchen-Kunst : Als St. Cyriacus zum Kunstwerk wurde

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Einst umstritten, heute hoch gelobt: Hans Kocks Gestaltung der Kirche in Kellinghusen.

Vor 43 Jahren zeichnete der Künstler Hans Kock für die Neugestaltung des Innenraums der St. Cyriacus-Kirche verantwortlich. Damals war das kein Selbstgänger. Jetzt befasst sich ein Seminar erneut mit Kocks Arbeit.

Als das Museum vor 13 Jahren Plastiken und Zeichnungen von Hans Kock zeigte, war der damals 84-jährige Künstler noch persönlich zugegen. In einem Gespräch mit Pastor Volkhard Kullick versuchte der Bildhauer seinerzeit, den Bürgern die von ihm 1974 geschaffene Ausgestaltung des Kirchenraums näher zu bringen. „Es ist kein Geheimnis, dass es Widerstand gab“, erinnert Antonia Gottwald, Kuratorin des Vereins „Freunde des Bildhauers und Philosophen Hans Kock“, an die damals kontrovers geführte Diskussion. Erneut in den Fokus genommen wird das Gesamtkunstwerk St. Cyriacus am Freitag, 5. Mai.

Von Gottwald zehn Jahre nach dem Tod des Künstlers initiiert, will die Veranstaltung „Dem Herrn gehörig, Glaube – Kirche – Kunst, die Ausgestaltung der St. Cyriacus-Kirche in Kellinghusen durch Hans Kock 1974/1993“ den Künstler, seine Kunst sowie Auftrag und Ausführung des hiesigen Werks beleuchten.

„Den Weg zur Neugestaltung bereiteten zwei verheerenden Kirchenbrände 1686 und 1929, die alles künstlerisch Wertvolle vernichteten,“ so Gottwald. Kock habe bei der Neugestaltung daher weitestgehend freie Hand gehabt und diese genutzt, um den düsteren Raum in eine einheitlich lichte Farb- und Bildkomposition zu verwandeln. Kirchenvorstand Hinnerk Egge lernte den Künstler 1974 bei der Arbeit im Gotteshaus kennen. Schon damals war er ein Fürsprecher der modernen, von Kritikern als zu kalt empfundenen Gestaltung. „Hinnerk Egge war ein Vorreiter und setzte sich sehr für die künstlerische Ausgestaltung Kocks ein“, erinnert Gottwald. Eng mit dem Künstler zusammen arbeitete seinerzeit der Kellinghusener Malermeister Harry Timmermann.

In einer Kirchenführung zu Beginn des Seminars werden beide von ihrer Begegnung mit dem international bekannten und in Deutschland wohl bedeutendsten Bildhauer der Gegenwart berichten. Eine große Freude war dem Künstler die unter Federführung von Egge hergestellte, reich bebilderte Dokumentation „Die St. Cyriacus-Kirche in Kellinghusen, gestaltet von Hans Kock“, die kurz vor seinem Tod im Jahr 2007 fertiggestellt worden war und 2011 von der Kirchengemeinde herausgegeben wurde. Vor Ort sein wird zudem Wolfgang von Hennigs, Kirchenoberbaudirektor im Ruhestand, der Kock seinerzeit als Künstler für St. Cyricacus empfahl.

Der über Jahre in lokaler Kritik stehenden Ausgestaltung stehen Besuchern heute mit großer Begeisterung gegenüber. In den Bann zog das Gesamtkunstwerk nicht zuletzt Christian Kuhnt, Intendant des Schleswig-Holstein Musik Festivals, der zunächst zögerlich auf einen weiteren Kirchenspielort reagierte, nach der Besichtigung von St. Cyriacus 2016 jedoch begeistert den Zuschlag erteilte. Gottwald: „Die einfache, klare Formgebung den Innenraums, die in spannungsvoller Harmonie mit der schlichten Kompaktheit des Feldsteinbaus steht, wird als etwas Einmaliges wahrgenommen.“

Die Veranstaltung ihres Seminars erfolgt in Kooperation mit der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde, dem Museum Kellinghusen sowie der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar. Die abschließende Abendveranstaltung um 19.30 Uhr „Alle Stimmen sind die Stimmen der Vergängnis“ ist für Besucher offen.

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