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Norddeutsche Rundschau

11. Dezember 2016 | 15:01 Uhr

„Als Patriarch schafft man es nicht“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Seit 90 Jahren betreibt die Familie Frauen inzwischen sieben Lebensmittelmärkte in Dithmarschen und Steinburg

Im Jahr 1958 stieg Peter Frauen (81) in das Lebensmittelgeschäft seines Vaters ein. Seither hat er gemeinsam mit seinen Söhnen Jan (54) und Dierk (48) sieben Märkte in Steinburg und Dithmarschen aufgebaut und etabliert. Im Interview mit Redaktionsleiter Tobias Stegemann blickt er zurück auf bewegte Zeiten, erklärt, wie man ein Familienunternehmen so lange erfolgreich führt und verrät, wie der berühmte Slogan „Ohne Frauen geht’s nicht“ entstanden ist.

Seit 90 Jahren kaufen die Menschen bei Ihnen ein. Wie führt man erfolgreich ein Familienunternehmen über so lange Zeit? Wie führen Sie es?

Peter Frauen: Wir haben das große Glück, dass es bei uns in der Familie so gut funktioniert. Nachdem sich meine beiden Söhne, zuerst Jan, später auch Dierk, dazu entschieden hatten, einzusteigen, habe ich sofort die Weichen gestellt. Es war mir klar, dass sie nicht dasselbe machen dürfen. Jeder brauchte seinen eigenen Verantwortungsbereich, damit sich alle vertragen. Das ist mir auch geglückt. Jan ist verantwortlich für Einkauf, Vertrieb und Werbung und Dierk für Personal und Controlling. Das harmoniert sehr schön.

Mussten Sie einen der beiden überzeugen, Verantwortung zu übernehmen oder kamen sie auf Sie zu?

Das war ihre eigene und freiwillige Entscheidung.

Fühlen Sie sich als Patriarch oder haben Sie die wichtigen Entscheidungen immer gemeinsam getroffen?

Als Patriarch schafft man es nicht und kommt nicht weiter. Das waren immer Team-Entscheidungen.

Was sind aus Ihrer Sicht die Hauptmerkmale eines guten Lebensmittelmarktes?

Wichtig ist ein guter und sauberer Laden mit einem ordentlichen Erscheinungsbild, ein gutes Sortiment mit tollem Preisniveau. Und man braucht freundliche und fleißige Mitarbeiter.

Ist ein freundliches Auftreten eines der Hauptkriterien bei Neueinstellungen?

Das macht inzwischen ja Dierk, aber soweit das möglich ist, achten wir schon darauf. Offensichtlich machen wir viele Dinge anders als die Konkurrenz, so dass sich neue Mitarbeiter erst an uns gewöhnen müssen. Da haben wir einige tolle Menschen in der Vergangenheit gewonnen.

Verpflichtet diese lange Tradition oder müssen Sie sich in erster Linie am Tagesgeschäft, an der Konkurrenz und den aktuellen Entwicklungen orientieren?

Eigentlich beides. Einerseits müssen wir aufpassen, was unsere Konkurrenz macht, damit wir den Anschluss nicht verlieren. Auf der anderen Seite müssen wir unserer Philosophie treu bleiben. Die einhundert Jahre möchte ich gerne noch miterleben, und ich habe das Gefühl, das wird was.

Sie haben viele Entwicklungen durchlebt. Was glauben Sie kommt in der Zukunft auf die Lebensmittelbranche zu?

Der Trend zum Einkauf im Internet ist sicherlich auch für uns nicht so ganz einfach.

Wird diese Tendenz auf den Lebensmitteleinkauf durchschlagen?

Es wird schwierig werden und noch eine ganze Zeit dauern, aber man arbeitet ja daran. Wie es sich mit der Frische verhält, wenn man Lebensmittel lagert und ausliefert, wird sich zeigen.

Haben Sie Gedanken oder vielleicht sogar schon Vorkehrungen in dieser Hinsicht getroffen?

Nein, derzeit noch nicht.

Sie betreiben inzwischen sieben Märkte. Gibt es Überlegungen für eine weitere Expansion?

Wir haben ja nie aggressiv expandiert. Im Gegenteil, uns wurden die Märkte oder Grundstücke in den meisten Fällen angeboten. Nach Abwägung der Vor- und Nachteile haben wir dann zugegriffen oder abgelehnt. Von daher waren es stets günstige Gelegenheiten. Wir sind nicht auf der Suche, aber wenn sich mal wieder eine Möglichkeit ergeben würde, würden wir das genau prüfen.

Das Mutterhaus in der Brunsbütteler Koogstraße ist vergleichsweise klein. Gab es Überlegungen, diesen Markt abzugeben?

Nein, daran hängt ganz viel Herzblut. Wir haben immer versucht, diesen Laden profitabel zu machen, was uns inzwischen gelungen ist. Grundsätzlich haben wir alle Kaufangebote – und da waren gute dabei – abgeblockt. Geld alleine macht nicht glücklich.

Können Sie sich vorstellen, dass das Unternehmen einmal nicht mehr in Familienhand ist?

Ich habe ja Enkeltöchter, aber ich bin davon überzeugt, dass Mädchen das auch können. Sie hören bereits interessiert zu, wenn ich über das Geschäft rede. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass sie die Plätze von mir und meinen Söhnen übernehmen. Ich habe ihnen allerdings gesagt, dass sie sich einen ordentlichen Freund aussuchen sollen (lacht).

Ihr Slogan ,Ohne Frauen geht’s nicht’: Wie ist der entstanden?

Der ist entstanden auf der Konfirmation von Jan. Unser 50-jähriges Bestehen stand bevor, und ich wollte etwas mit dem Namen Frauen machen. Mein Schwager und ich haben uns zurückgezogen und am Ende stand dieser Satz auf dem Papier. Wir sind in die Wohnstube gegangen, wo die ganze Familie zusammensaß und haben das vorgestellt. Alle haben hurra gerufen, und damit war das beschlossen.

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erstellt am 24.Mai.2016 | 05:30 Uhr

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