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Norddeutsche Rundschau

10. Dezember 2016 | 02:20 Uhr

Als Itzehoer Botschafter in Ungarn

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Dieter Schümann (80) fuhr mit offiziellen Gastgeschenken und Grüßen aus dem Rathaus in das Dorf Lispeszentadorján

Der tiefste Südwesten Ungarns. Kroatien und Slowenien sind nicht weit weg. Hügel, Wälder, Weinberge. Und ein Dorf mit einem Namen, den nicht jeder sofort fließend aussprechen kann: Lispeszentadorján. Für Dieter Schümann ist es kein Problem. Der 80-Jährige besuchte den Ort in der Region Zala. Aber nicht einfach als Tourist: Schümann kam als offizieller Botschafter der Stadt.

„Allrounder“ steht auf der Visitenkarte des Itzehoers. „Im Prinzip kann man alles, wenn man will“, sagt der Rentner, der in Westerhorn im Ortsteil Dauenhof geboren wurde. Dort führte der gelernte Außenhandelskaufmann mit seinem Bruder den Betrieb der Eltern, verkaufte Kohlen, Düngemittel und Kartoffeln, bis der Rücken 1970 nicht mehr mitmachte. Danach war Schümann im Bereich Finanzdienstleistungen tätig, wohnte ab 1994 für die Zeit von 16 Jahren in Mecklenburg-Vorpommern, bevor er nach Itzehoe zog.

Mit Ungarn ist er seit 50 Jahren verbunden. Als Urlauber fuhr Schümann immer wieder in das Land und knüpfte eine Vielzahl von Kontakten. So lernte er viele Spitzensportler kennen, darunter die ungarische Fußball-Legende Ferenc Puskás. Doch in einer Dokumentation des NDR sah Schümann etwas Neues von dem Land: „Ein Dorf in Ungarn“ zeigt Lispeszentadorján als beschaulichen Mikrokosmos jenseits der Touristenströme. Bei einer Rundreise mit seinem Sohn vor vier Jahren ergab sich der Besuch noch nicht, jetzt sagte sich Schümann: „Da will ich hin!“

Der 80-Jährige fuhr die 1300 Kilometer an einem Tag – allein. Das Landleben habe ihn interessiert, bei dem alle Selbstversorger seien, „wie das bei uns im Krieg auch war“. Per Mail und Telefon hatte er vorher Kontakt und war dann begeistert von der Begrüßung: „Ich bin so herzlich von allen aufgenommen worden, das war fantastisch. Davon werde ich noch lange zehren.“

Und er hatte etwas mitgebracht: ein dreiteiliges Schreibset sowie ein Wappen, beides vom Rathaus zur Verfügung gestellt. Dazu ein Grußwort von Bürgermeister Andreas Koeppen an seinen Amtskollegen Ártus Béla in dem
300-Seelen-Dorf: „Es ist wichtig, wenn sich über freundschaftliche private Kontakte der Gedanke des gemeinsamen europäischen Hauses vertieft und somit das Gefühl für ein vereintes Europa in der Bevölkerung weiter wächst.“ Die Stadt prüfe bei solchen Anfragen genau, wofür die Geschenke gedacht seien, sagt Sprecher Frank-Dieter Simon. In so einem Fall, wo es um eine nette Geste gehe, werde es gern gemacht – „es kommt auch nicht so häufig vor“.

Schümann konnte nur zwei Nächte bleiben, nahm in dieser Zeit aber am Dorfleben teil. Den Kindern gab er ein Eis aus („Die waren so dankbar“), für die Erwachsenen gab es Bier. Wenn nötig, half der Neffe des Bürgermeisters als Dolmetscher: „Ich kann viel verstehen, aber mich nicht fließend unterhalten, weil die Sprache so schwierig ist“, sagt der Itzehoer.

Angesichts der offiziellen Botschaft und der Geschenke aus der Steinburger Kreisstadt sei Bürgermeister Béla natürlich sehr stolz gewesen, schildert Schümann. Und er bekam eine Antwort mit auf den Heimweg inklusive Dorfbroschüre: „Wir freuen uns sehr über den Besuch und über den internationalen Kontakt“, heißt es dort. Gern lade man mehr Besuch aus Itzehoe nach Lis- peszentadorján ein: „Jeder ist herzlich willkommen hier.“

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erstellt am 19.Jul.2016 | 05:00 Uhr

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