zur Navigation springen

Norddeutsche Rundschau

18. Januar 2017 | 07:12 Uhr

Itzehoer FlüchtlingsCamp : Alles muss raus aus der Unterkunft

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Johanniter räumen das ehemalige Prinovisgelände. Die Zukunft des Containerdorfs ist noch ungewiss.

Lkws fahren vor, Kisten werden geschleppt, ein Dutzend Mitarbeiter sind im Einsatz: Auf dem Gelände der Flüchtlingsunterkunft an der Störfischerstraße herrschte in dieser Woche noch einmal Hochbetrieb. Wahrscheinlich zum letzten Mal, denn schon seit Dezember vergangenen Jahres sind die angemieteten Hallen nicht mehr bewohnt. In das Containerdorf mit 2000 Plätzen, das im Frühjahr in Erwartung der nächsten Flüchtlingswelle eingerichtet wurde, ist nie jemand eingezogen. Im Juli verkündete Innenminister Stefan Studt die endgültige Schließung des Lagers.

Seither sind die Johanniter, die die Unterkunft betreuen, mit dem Rückbau beschäftigt. Von ehemals 17 Mitarbeitern sind noch Leiter Lars Bessel sowie Manuela Bannert und Andreas Borze verblieben. Daneben ein Mitarbeiter des Landesamts für Flüchtlinge. In den vergangenen Wochen hätten sie sich insbesondere darum bemüht, eine Nachnutzung für die zahlreichen Sachspenden zu finden, die noch in der Unterkunft seien, sagt Leiter Lars Bessel. „Das ist uns auch gelungen. Der Großteil der Spenden findet hier in der Region eine neue Verwendung.“

So seien Kleidung und die Einrichtung der Friseur-Stube bereits in die Flüchtlingsunterkunft in Glückstadt gebracht worden, ein Teil des Spielzeugs sei an den Deutschen Kinderschutzbund in Itzehoe gegangen. Der Rest werde nun in den Räumen der Johanniter in Wellenkamp eingelagert. Bobbycars, Sofas, Regale, Nähmaschinen und Kletterbäume tragen die Mitarbeiter aus dem Gebäude. „Wir planen weitere Projekte, zu denen ich im Moment aber noch nichts Konkretes sagen kann“, so Ulrike Bessel von der örtlichen Dienststelle der Johanniter. Daher werde auch Andreas Borze als einziger der drei Mitarbeiter weiter bei den Johannitern beschäftigt, für Manuela Bannert und Lars Bessel ist dagegen am 30. September Schluss – ein Jahr nach der Eröffnung der Notunterkunft.

Besonders das Vierteljahr, in dem das Camp belegt gewesen sei, sei eine ausgesprochen lehrreiche Zeit gewesen, sagt Lars Bessel im Rückblick. „Ich habe viele wunderbare Menschen und teils rührende persönliche Schicksale kennengelernt.“ Außerdem sei er beeindruckt vom ehrenamtlichen Engagement der zahlreichen Helfer. „Ohne die hätten wir es nicht geschafft.“ Die Arbeit im leeren Camp in den vergangenen Monaten sei allerdings relativ frustrierend gewesen. „Wenn ich regelmäßig auf 2000 freie Schlafplätze blicke und gleichzeitig höre, dass die Menschen weiter im Mittelmeer ertrinken, dann macht mich das traurig.“

Wie es mit dem Containerdorf weitergehe, stehe bislang nicht fest, teilt das Kieler Innenministerium auf Anfrage mit. Miete und Unterhalt der 350 Container kosten das Land im Moment 530  000 Euro im Monat. Für die rund 70  000 Quadratmeter große Fläche der Landesunterkunft auf dem Grundstück des China Logistic Centers werden rund 300  000 Euro an monatlicher Miete fällig, der Vertrag mit Eigentümer Gustav Jürgen Tietje läuft noch bis September 2017. Aktuell werde mit dem Vermieter über eine vorzeitige Vertragsauflösung verhandelt, heißt es aus dem Innenministerium. Tietje selbst weiß allerdings nichts von solchen Verhandlungen: „Bislang ist niemand auf mich zugekommen“, teilt er auf Anfrage mit.


Karte
zur Startseite

von
erstellt am 11.Sep.2016 | 08:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen