zur Navigation springen

Norddeutsche Rundschau

07. Dezember 2016 | 23:25 Uhr

Barrierefreiheit : Alle Wege führten zum Brunnen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Die Diskussion über die Marktplatzgestaltung geht weiter. Die FDP stellt historische Bilder aus dem 19. und 20. Jahrhundert vor – als Beweis dafür, dass es damals schon Streifen gab.

„Es ist nicht in Ordnung, dass die CDU ganz oder gar nicht an der Lösung für den Marktplatz festhält“, sagt Stefan Goronczy, FDP-Stadtvertreter. Das Argument der Christdemokraten, das historische Stadtbild durch die ebenen Streifen nicht zerstören zu wollen, sei hinfällig. „Bereits zwischen 1900 und 1930 liefen Wege sternförmig über den Markt, direkt auf den Kandelaber zu. Das Pflaster hob sich vom Kopfstein ab.“ Katharina Wilke vom Ortsvorstand der FDP hat die historischen Bilder entdeckt: „Die habe ich auf der Seite ,Glückstadt in Ansichten’ von Ulf Evers bei Facebook gesehen.“

Eine Lösung für den Marktplatz, die ebenfalls auf Streifen aufbaut, haben die Mitglieder im Bauausschuss im Grundsatzbeschluss festgehalten. Über den historischen Marktplatz sollen Wege mit ebenen Steinen gebaut werden. In der Planungsvariante, die weiter verfolgt wird, ist jedoch der Standplan für den Wochenmarkt die Grundlage. Zwischen den Ständen sollen dann Streifen aus farblich abgestimmten, geschliffenen Granitsteinen angelegt werden. Die genaue Breite und die Details sind noch unklar.

Die Baukosten liegen zwischen 150  000 und 180  000 Euro. „Hier darf nicht vergessen werden, dass die Stadt davon nur ein Drittel trägt“, sagt Goronczy. Der Beschluss wurde von den Politikern im Bauausschuss gegen die Stimmen der CDU durchgesetzt.

Die Wege zeichnen sich auf der historischen schwarz-weiße Ansichtskarte aus dem Verlag Heinrich Struck, verschickt 1933, als helle Streifen ab. Die Struktur der Streifen weist darauf hin, dass sie aus einem ebeneren Baumaterial sind als der Rest des Bodens. Einer der Wege führte damals zum Bürgersteig am Fleth, ein anderer in den Torbogen am Rathaus, der nächste direkt zur Eingangstür der Kirche. Damit vervollständigten die sternförmig vom Marktplatz wegführenden Wege den grundlegenden Aufbau der Stadt. Denn als Glückstadt 1617 gegründet wurde, war der Marktplatz der zentrale Mittelpunkt. Von dort führen die Straßen noch heute fächerförmig weg. Dort, wo heute der Kandelaber steht, war damals ein Wasserbrunnen, der von allen Seiten ohne größere Umwege erreichbar war.

„Also waren da schon einmal Wege. Auch deshalb stehen wir voll hinter dem Grundsatzbeschluss“, sagt Goronczy. Das historische Stadtbild werde nicht zerstört. Viel mehr käme im Ansatz eine Gestaltungsvariante wieder, die es vor mehr als 100 Jahren schon einmal gab.

Der Stadtvertreter der FDP habe sich zudem auch über eine Aussage im Leserbrief von Wolfgang Engemann, Stadtvertreter der CDU, zum Thema Marktplatzgestaltung geärgert. Darin schrieb der Christdemokrat: „Den Marktplatz besuchen wöchentlich am Dienstag und Freitag zirka insgesamt 450 bis 600 Personen, man möge dabei bedenken, das sind maximal zirka fünf Prozent unserer Bevölkerung.“

Dies ist für die Mitglieder der FDP kein tragendes Argument gegen die beschlossene Gestaltungsvariante. Katharina Wilke: „Der Marktplatz ist gerade für die Älteren wichtig, insbesondere sie gehen zum Wochenmarkt. Vielleicht kommen auch noch mehr, wenn sie den Marktplatz trotz Einschränkungen betreten können. Auch der Altersdurchschnitt wird in den nächsten Jahren noch steigen.“ Sie selbst würde es sich zweimal überlegen, jemanden im Rollstuhl über den Marktplatz zu schieben. „Das ist zurzeit noch sehr schwierig. Aber das wird sich in Zukunft ändern.“

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen