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Norddeutsche Rundschau

11. Dezember 2016 | 03:22 Uhr

Umweltbelastung : Ärger mit Altlasten an der Südspange

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Bei den Bauarbeiten an der südlichen Umgehungsstraße Itzehoes sind giftige Rückstände im Boden gefunden worden. Die Stadt rechnet mit höheren Kosten, sieht aber Zeitplan nicht gefährdet.

Der Benzingeruch in der Baugrube an der Ecke Hafen- und Dorfstraße ist deutlich wahrnehmbar. Drei unscheinbare Metallrohre ragen aus dem Boden. Vor Jahrzehnten führten sie vermutlich Kraftstoffe für eine Tankstelle – und wurden bei deren Schließung einfach im Boden gelassen. Die alten Leitungen sind der jüngste unangenehme Überraschungsfund auf der Baustelle für die Südspange. „Es wurde früher eine Menge Mist gemacht“, sagt Reiner Kuhr, Leiter der Itzehoer Stadtentwässerung.

„Der Geruch ist meistens das, was zuerst auffällt. Wir bauen ja nicht zum ersten Mal und wissen, wie eine Kanalbaustelle riechen sollte“, erklärt Kuhr. So war es auch bereits vor einiger Zeit an der Dorfstraße, als die Stadtentwässerung im Zuge der neuen Südumgehung der Kreisstadt mit dem Bau eines Regenwasserkanals begann. Nach Terpentin oder Benzin habe es gerochen. „Wir haben die Arbeiten unterbrochen und den Boden in Absprache mit dem Amt für Umweltschutz des Kreises untersucht.“ In den Proben wurden erhöhte Konzentrationen von Mineralölkohlenwasserstoffen und Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe gefunden.

Beide Schadstoffgruppen gelten als krebserregend. „Eine unmittelbare Gefahr für die Anlieger bestand nicht, aber diese Stoffe dürfen nicht ins Grundwasser oder in die nahe Stör gelangen“, sagt Ines Wittmüß, Leiterin des Amtes für Umweltschutz. Knapp 2000 Kubikmeter Boden wurden bereits abgetragen und auf Deponien gebracht. „Nicht alles war belastet, aber wir gehen da lieber auf Nummer sicher“, sagt Wittmüß.

Die Giftstoffe im Boden stammen vermutlich von einem Gaswerk, das etwa zwischen 1900 und 1950 an der Dorfstraße betrieben wurde – sicher ist das aber nicht. „Aufzeichnungen aus dieser Zeit sind oft nicht sehr genau. So etwas ist immer viel Recherchearbeit und ein bisschen Rätselraten“, sagt Bodo Schmedtje, Leiter der Tiefbauabteilung im Itzehoer Rathaus. „Wir haben ja leider schon Erfahrung mit Altlasten im Stadtgebiet. Man hat sich früher einfach keine Gedanken darüber gemacht.“

Auch der Boden rund um die nun bei den Straßenbau-Arbeiten gefundenen Kraftstoff-Leitungen wird in Kürze abgetragen und entsorgt. Die Rohre wurden bereits von einer Spezialfirma gespült, damit bei ihrer Entfernung nicht noch mehr Kraftstoff ins Erdreich läuft. Den Zeitplan für die Arbeiten sieht Schmedtje durch die Zufallsfunde nicht gefährdet. Allerdings wird der Bau durch die Umweltgifte teurer. Die Mehrkosten muss die Stadt allein tragen. Das Land als Fördergeldgeber für den Bau der Straße beteiligt sich nicht an der Beseitigung von Altlasten. „Wie viel es kosten wird, können wir aktuell noch nicht sagen“, so Schmedtje. Eine genaue Abrechnung liege noch nicht vor.

Weder er noch Ines Wittmüß rechnen mit weiteren bösen Überraschungen. Inzwischen wurden in dem Gelände in einer sogenannten Raster-Untersuchung weiträumig Proben genommen – ohne neue Befunde. Doch hundertprozentig sicher sei die Methode nicht, so Schmedtje, dessen Abteilung daher für den Haushalt 2017 mehr Mittel zur Altlastenbeseitigung einplant. „Alles andere wäre unseriös. Wir wissen nicht genau, was wir eventuell noch finden.“

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erstellt am 15.Sep.2016 | 05:03 Uhr

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