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Norddeutsche Rundschau

09. Dezember 2016 | 16:37 Uhr

Schleswig-Holstein Musik Festival : Absolute Meister mit viel Finesse

vom
Aus der Redaktion der Glückstädter Fortuna

Der noble Stil des Klaviertrios um den weltbekannten Pianisten András Schiff begeistert das Publikum im ausverkauften Theater Itzehoe.

Parkett und beide Ränge des Theaters Itzehoe waren gefüllt. Das Haus musste sein ganzes Arena-Rund, also auch den Bereich hinter der Bühne, aufbieten, um die Nachfrage bei diesem Konzert des Schleswig-Holstein Musik Festivals zu stillen. Sogar vor der Bühne waren zwei Zusatzreihen installiert. Das führte dann mit insgesamt 678 verkauften Karten zum rekordverdächtigen Füllungsgrad des Hauses.

Diese überragende Publikumsresonanz wurde durch ein hochanspruchsvolles Programm ausgelöst, dem sonst eigentlich nur Kenner in Salon-Atmosphäre lauschen. In diesem Fall lockte der Name des weltbekannten Pianisten Sir András Schiff, der am Freitagabend mit seiner Gattin Yuuko Shiokawa an der Violine und dem Cellisten Miklós Perényi auftrat. „Absolute Meister“ nannte dieses Klaviertrio das Programm – womit Joseph Haydn, Felix Mendelssohn Bartholdy und Ludwig van Beethoven gemeint waren.

Jedoch dürfen sich auch die drei Künstler selbst als absolute Meister begreifen. Nicht nur, dass sie seit Jahrzehnten ein eingespieltes, sich blind verstehendes Trio bilden. Nein, sie präsentierten sich von bedächtiger Wohlproportioniertheit, voller Finesse in immer neuen Klangschattierungen und in der Tempogestaltung. Den begeisterten Beifall des Publikums verdienten sie sich auch mit der Noblesse, die ihren Schönklang verzierte.

Es könnte diskutiert werden, ob dieser vornehme Stil dem jugendlich-feurigen Stück von Mendelssohn Bartholdy (Klaviertrio Nr. 1 d-Moll op. 49) gerecht wurde, das vor allem im Schlusssatz durchaus etwas weniger gezügelte Leidenschaft abkönnte. Feurig und überschäumend könnte man es spielen, wenn Mendelssohn mit einem Anflug von romantischer Verzückung den Kontrast zum Still-Geheimnisvollen betonen möchte. Aber das ist nicht der Stil der drei Künstler.

Ihr Spiel liebt die dezente Andeutung – zum Beispiel den musikalischen Humor Joseph Haydns (Klaviertrio E-Dur Hob. XV.28), den vor allem András Schiff am Steinway-Flügel im Schlusssatz herausfilterte. Effekthascherei ist nicht der Stil dieses Trios. Was auch in Beethovens Klaviertrio (B-Dur op. 97) deutlich wurde: Statt Pathos und Spannung überzeugten die Drei hier mit Empfindung und Tiefe. Was wie Schwunglosigkeit wirken könnte, erweist sich letztlich als kultivierte Zuwendung und Hingabe in die Geheimnisse unauslotbarer Meisterschaft bei Haydn, Mendelssohn und Beethoven.

Die drei Künstler hatten sich den ganzen Tag in Itzehoe aufgehalten, betreut von vier Mitgliedern des örtlichen Festival-Beirats unter Leitung von Susanne Meyer. Eine Szene am Rande illustriert die noble Haltung des Weltstars András Schiff. Eine Viertelstunde vor Konzertbeginn – das Große Haus hatte sich schon gut gefüllt – inspizierte er noch einmal kurz die Bühne, tätschelte seinen Steinway und ging, vom Publikum nicht erkannt, diskret wieder ab.

Erst als er zum Konzert auftrat, trug er seine Noten zum Flügel, geradezu zärtlich beidarmig an seinen Körper gedrückt, so wie eine Mutter ihr noch schlafendes Kind im Arm hält. Den Noten sah man ihr Alter und ihren Gebrauchszustand an. Das war rührend und hatte Stil, wie Schiff seine kostbaren Noten drapierte und so mit einer winzigen Geste den Gestus des Konzerts vorwegnahm.

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