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Norddeutsche Rundschau

23. April 2014 | 21:58 Uhr

Itzehoe - Abgehängt durch neue Bus-Fahrpläne

vom

Die Kündigung als letzter Ausweg? Weil der Fahrplan geändert wurde, kommt Tanja Brüdersdorf abends nicht mehr nach Hause. Die 37-Jährige aus Wellenkamp pendelt täglich zum Arbeiten nach Itzehoe.

Itzehoe | Ob mit Bus, Bahn oder Auto - jeden Tag pendeln etliche Menschen zwischen Wohnort und Arbeitsplatz. Auch für Tanja Brüdersdorf beginnt jeder Morgen mit einer Busfahrt. Täglich fährt die 37-Jährige mit dem Bus von Wellenkamp zu ihrem Arbeitsplatz nahe der Itzehoer Innenstadt. Dort ist sie an der Käsetheke eines Supermarktes beschäftigt. Doch damit könnte bald Schluss sein. "Ich muss meinen Arbeitsplatz wohl kündigen", erzählt die Itzehoerin.
Der Grund: Änderungen im Fahrplan. Bisher fuhr der letzte Bus vom Zob um 20.20 Uhr. "Den habe ich gerade noch so geschafft, nach Feierabend", erzählt sie. Doch seit dem 9. Dezember wurden Fahrten in den frühen Morgen- und Abendstunden, die von weniger als drei Fahrgästen genutzt wurden, gestrichen. Letzte Abfahrt Richtung Wellenkamp ist jetzt 20.10 Uhr. Zehn Minuten, die für Tanja Brüdersdorf eine kleine Katastrophe bedeuten. "Ich habe um 20 Uhr Feierabend und muss vom Hanseatenplatz erst zum Zob kommen, um dort umzusteigen. Das ist einfach zu knapp", schildert sie das Problem.

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Öffentliche Verkehrsmittel nutzen, "das geht ja gar nicht"

Ein Auto hat die 37-Jährige nicht. Im Moment ist sie auf die Hilfe von Kollegen angewiesen, die sie nach der Arbeit mit nach Hause nehmen. Auch ihr Chef sei sehr hilfsbereit, versuche ihre Schichten so zu legen, dass sie abends eine Mitfahrgelegenheit habe. "Da habe ich wirklich Glück", sagt sie. Doch auf Dauer sei das keine Lösung. "Ich kann ja von den Kollegen nicht verlangen, dass die sich immer nach mir richten." Im Sommer könne sie die Strecke zwar mit dem Fahrrad fahren - aber das sei ihr zu allem Überfluss gerade gestohlen worden.
Vor dem gleichen Problem steht auch Daniela Claußen. Die 18-jährige Wellenkamperin arbeitet als 400-Euro-Kraft in der Nähe des Alsen-Geländes und verpasst aufgrund der Öffnungszeiten regelmäßig den Bus am Zob. Zwar sei auch ihre Chefin bisher sehr tolerant gewesen - die Einsparungen kann sie trotzdem nicht nachvollziehen. "Man hört ja immer, man soll mehr öffentliche Verkehrsmittel nutzen, aber das geht ja gar nicht", ärgert sie sich.
Bei den Steinburger Linien ist man sich des Problems durchaus bewusst. "Wir mussten leider einige Kürzungen bei Fahrten vornehmen, die zu gering besetzt waren", sagt Betriebsleiterin Elfi Lang. Aber es solle niemand im Regen stehen gelassen werden. "Wir haben das Problem erkannt und arbeiten derzeit an verschiedenen Lösungs ansätzen", verspricht sie. Im Moment sei bereits ein so genanntes Linientaxi im Einsatz, das vor allem zu den Feierabendzeiten vom Klinikum Itzehoe bis zum Zob fährt und die Haltestellen der Linie 4 ersetzt. Möglich sei auch, die Fahrzeiten in den Wintermonaten auszuweiten, so Lang. Dass möglichst schnell eine Lösung gefunden wird, hofft auch Tanja Brüdersdorf. Denn wenn sich nicht bald etwas ändere, bleibe ihr nur noch die Kündigung. "Ich weiß einfach sonst keine Lösung mehr."

von Anabela Brandao
erstellt am 25.Dez.2012 | 05:32 Uhr

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01. | Arne Mumm | 23.12.2012 | 13:49 Uhr
10 MInuten Takt

Wenn Frau Brüdersdorf den Bus um 20.20 Uhr erreichen kann und der um 20.10 Uhr jetzt der letze ist der fährt schlage ich folgendes vor... Den Bus um 20.10 Uhr streichen und den um 20.20 Uhr wieder einsetzen. Oder vielleicht gar erst um 20.30 Uhr fahren lassen... Als "Sicherheitspuffer".

02. | Jøran-Njål Solbakken | 22.12.2012 | 19:37 Uhr
Fahrrad kaufen

Klar ist das sehr ärgerlich, wenn der geeignete Bus nicht mehr fährt.
Aber da ich selber über Jahre mit dem Fahrrad von IZ-Wellenkamp in
die Innenstadt gefahren bin, halte ich in diesem Fall eine
Kündigung für absolut überzogen.
Also ein gebrauchtes Fahrrad kaufen und erst mal bis zu einer guten Lösung damit zur Arbeit fahren. Das machen täglich in Deutschland
viele Arbeitnehmer/innen und auch in Winter!

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