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Norddeutsche Rundschau

08. Dezember 2016 | 05:19 Uhr

Geburtstag : 58 Einwohner gehen auf Zeitreise

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Aebtissinwisch feiert 475-jähriges Bestehen. Enge Zusammenarbeit mit dem Nachbardorf Ecklak gelobt.

Auf eine Zeitreise durch die 475-jährige Geschichte der Gemeinde Aebtissinwisch nahm Bürgermeisterin Regina Kraft die Gäste der Jubiläumsfeier mit. Die fand im Festzelt auf dem Gelände des Gemeinschaftshauses statt und erreichte ihren Höhepunkt mit einem überraschenden Konzert des Shantychores „Itzehoer Störschipper“, das der Festausschuss organisiert hatte.

Die Zeitreise begann mit der erstmaligen urkundlichen Erwähnung der kleinen Wilstermarsch-Gemeinde im Jahr 1541. Aebtissinwisch gehörte damals zum Zisterzienser-Kloster Itzehoe. Anfangs wurde hier noch Torf gestochen, und auch die zwei Gaststätten des Ortes sind längst Geschichte. „Wir hatten eine eigene Poststelle, Lebensmittelgeschäfte, einen Friseur und bis 1920 auch eine kleine Meierei“, erinnerte Regina Kraft. Die Schule hatte 1969 mit der Neuordnung des Schulwesens für die gesamte Wilstermarsch geschlossen werden müssen. 1970 entstand das heutige Gemeinschaftshaus, anfangs Clubhaus des damals bestehenden Tennisclubs.

Die Einwohnerzahl ist inzwischen auf 58 gesunken. Damit gibt es in Aebtissinwisch keine Gemeindevertretung mehr, sondern in der Gemeindeversammlung sind alle wahlberechtigten Einwohner auch stimmberechtigt. Mit dem Wunsch nach steigenden Einwohnerzahlen erinnerte die Bürgermeisterin an eine längst vergangene Wette. Dabei ging es um einen Kinderwagen, falls es einem schon älteren Mitbürger gelingen sollte, noch einmal Vater zu werden. „Gesagt – getan“, schmunzelte Regina Kraft und sprach von einer ereignisreichen Übergabe des verwetteten Kinderwagens.

Die Bürgermeisterin sprach dem Festausschuss ihren Dank für die Vorbereitung der 475-Jahr-Feier aus. Er habe alles geplant und organisiert und sich um alles gekümmert, lobte Regina Kraft. Ihr Gruß galt nicht nur den Einwohnern, die zur Jubiläumsfeier gekommen waren, sondern auch zahlreichen Ehrengästen, an ihrer Spitze Kreispräsident Peter Labendowicz, Amtsvorsteher Helmut Sievers, der Nachbarbürgermeister Heino Evers aus Ecklak, Wehrführer Jan Eggers, Ralf Glückstadt und Petra Albers von der Verwaltung des Amtes Wilstermarsch sowie Vertreter der Vereine und Verbände.

Der Kreispräsident sah in dem 475. Geburtstag der Gemeinde einen Anlass, innezuhalten und sich zu besinnen auf die Geschichte des Dorfes. Diese Besinnung biete Grund zum Feiern – aus Dankbarkeit, aus Freude und aus Liebe zum Heimatort. Der Kreis Steinburg danke all denen, die den Ort an der Lebensader Nord-Ostsee-Kanal durch ihr meist ehrenamtliches Wirken zu einer „wundervollen Gemeinde mit ländlichem und dörflichem Charme“ entwickelt hätten. Wörtlich sagte Labendowicz: „Die Feierlichkeiten zum 475-jährigen Jubiläum möchte ich auch als eine Art Frischzellentherapie für den Gemeinschaftssinn, für das Zusammengehörigkeitsgefühl und für klare politische Zielrichtungen bezeichnen. 475 Jahre alt – Aufbruch zu neuen Zielen: Durch gemeinsames Planen und Handeln ist die Gemeinde, wenn auch klein, so dennoch stark und zukunftsorientiert!“ Der Redner übermittelte die Grüße des Kreises Steinburg, des Kreistags und des Landrats und überreichte der Bürgermeisterin ein Geldgeschenk.

In gleicher Weise schloss sich Amtsvorsteher Helmut Sievers für alle weiteren 13 Gemeinden des Amtes Wilstermarsch, für die Amtsverwaltung und die Stadt Wilster an. Er lobte die Ur-Demokratie in der Gemeinde und die Arbeit von Regina Kraft, die die Gemeinde seit 2009 führe. Zugleich wies er auf die seit 126 Jahren bestehende Zusammenarbeit der beiden Gemeinden Aebtissinwisch und Ecklak als Träger der Freiwilligen Feuerwehr hin und sah das Dorf als touristischen Anlaufpunkt für Radfahrer und Kanuten und wies auch auf den Ferienhof Strüven in Oberstenwehr als attraktiven Teil des Tourismus hin.

Die Gemeinsamkeit von Ecklak und Aebtissinwisch lobte auch Nachbarbürgermeister Heino Evers: in der Feuerwehr, als Anlieger des neuen, 60 Hektar großen Bodenlagers, aus dem die Gemeinden auch Gewerbesteuereinnahmen erwarten könnten, und im Vorstand des Schulverbandes, „in dem wir 40 Prozent der Mitglieder stellen“. Als Geschenk seiner Gemeinde übergab er einen Gutschein für eine Kreisflagge. Mit einem Geldgeschenk und einem Gruppenbild der Feuerwehr anlässlich der 125-Jahr-Feier in 2015 schloss sich Wehrführer Jan Eggers den Gratulanten an.

Annelene Beimgraben als Vorsitzende des DRK-Ortsvereins Wilster-Land würdigte den großen Anteil Aebtissinwischer Bürger an der DRK-Arbeit. So sei der damalige Schulleiter Hans Kleinau in den 50er- und 60er-Jahren Schriftführer im DRK-Vorstand gewesen. Sein Nachfolger Peter Kock übe dieses Amt seit fast 40 Jahren aus. Annelene Beimgraben gratulierte mit einem „Jubiläumswasser“ und einem Geldgeschenk. Die ehemalige Mitbürgerin Gertrud Nagel, die inzwischen auf die andere Kanalseite nach Burg gewechselt ist, bescheinigte Aebtissinwisch: „Die Gemeinde ist trotz ihrer 475 Jahre jung geblieben.“ Dank großzügiger Spenden hatte die Gemeinde das Fest trotz leerer Gemeindekassen auf die Beine stellen können. Sie lud zu einem leckeren Büfett und Getränken ein und wünschte allen Gästen einige gesellige Stunden bei dem Überraschungsprogramm des Festausschusses.

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erstellt am 19.Jul.2016 | 17:00 Uhr

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