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Norddeutsche Rundschau

10. Dezember 2016 | 02:22 Uhr

Jubiläum : 58 Einwohner feiern 475. Geburtstag

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Wie aus Kloster-Ländereien eine der kleinsten selbstständigen Gemeinden im Kreis Steinburg wurde. Dorf-Fest in Aebtissinwisch am 16. Juli.

Ihren 475. Geburtstag feiert die nur 58 Einwohner zählende Gemeinde Aebtissinwisch mit einer Festveranstaltung im Dorfgemeinschaftshaus. Die Jubiläumsfeier beginnt am Sonnabend, 16. Juli, um 18 Uhr. Dazu hat Bürgermeisterin Regina Kraft etwa 90 Gäste eingeladen, unter ihnen den Steinburger Kreispräsidenten Peter Labendowicz, Amtsvorsteher Helmut Sievers, die Nachbar-Bürgermeister aus Ecklak und Neuendorf-Sachsenbande, Heino Evers und Jens Tiedemann, Vertreter der Vereine und Verbände sowie kommunaler Einrichtungen.

Regina Kraft freut sich auf die bevorstehende 475-Jahr-Feier. 1541 wurde die kleine Wilstermarsch-Gemeinde erstmalig urkundlich erwähnt. „Die Ländereien gehörten damals zum Kloster Itzehoe“, berichtet die Dorfchefin. Das dem Zisterzienser-Orden nahestehende Nonnenkloster „für Adel-Fräuleins“ wurde von einer Äbtissin geleitet. In alten Landkarten in dieses Gebiet „de Wiske“ bezeichnet, das so viel heißt wie Wiese. 1889 wurde Aebtissinwisch aus dem klösterlichen Verantwortungsbereich gelöst und damit eine selbstständige Gemeinde. Hier wird eine Ur-Demokratie gelebt, denn in Gemeinden unter 70 Einwohnern sind alle wahlberechtigten Mitbürger ab 18 Jahren in einer Gemeindeversammlung stimmberechtigt.

Zu Aebtissinwisch, anfangs auch „Brodersende“ genannt, gehörten vor 475 Jahren 19 Grundeigentümer. Der Mann mit dem größten Hof wurde damals zum Klostervogt ernannt, dem für seine Führungsaufgabe ein besonderes Grundstück aus dem Klosterland, das so genannte „Bauernstück“, zur Nutzung überlassen wurde. 1888 wurde das Vogtsamt aufgelöst, das „Bauernstück“ kam in den Besitz der Gemeinde. Diese verkaufte das Land 1980, um mit dem Erlös den Bau eines Rad- und Gehweges zu finanzieren. Das „Bauernstück“ befindet sich heute im Besitz von Knut Jens, dem einzigen noch aktiven Landwirt in Aebtissinwisch.

In der Vergangenheit wurde auf mehreren Moorflächen in der Gemeinde Torf abgebaut. In den Nachkriegsjahren gab es sogar die Auflage, dass daraus Winterfeuerung an die Flüchtlinge verteilt werden musste. Die Dorfschule wurde mit der Neuordnung des Schulwesens 1969 aufgelöst. Seitdem besuchen Aebtissinwischer Kinder die Grundschule und die Gemeinschaftsschule in Wilster oder eines der Gymnasien in Itzehoe.

Die Aufgaben des Brandschutzes teilen sich Aebtissinwisch und Ecklak als gemeinsame Träger der Freiwilligen Feuerwehr. Auch der Kindergarten in Ecklak wird von den Aebtissinwischer Kindern genutzt. Auf dem 304 Hektar großen Gemeindegebiet, größtenteils unter dem Meeresspiegel liegend, sind viele Häuser früher auf Warften gebaut worden. Die Wilster Au, die von der Schenkelbrücke auch durch Aebtissinwisch fließt, wird über das Schöpfwerk Vaalerfeld auf den Nord-Ostsee-Kanal entwässert. Ein drohender Deichbruch im Bereich Oberstenwehr hatte vor einigen Jahren bei einer Sturmflut in letzter Minute verhindert werden können.

„Bei uns ist alles ruhig und positiv“, lässt Regina Kraft angesichts der leeren Haushaltskassen keine Besorgnis aufkommen. Die Wegeunterhaltung ist die letzte größere Aufgabe, die in jedem Jahr wieder angepackt werden muss.

Dankbar ist die Bürgermeisterin, dass Sponsoren der Gemeinde auch für die Ausrichtung der 475-Jahr-Feier unter die Arme gegriffen haben. Das Gemeinschaftshaus ist der Dorfmittelpunkt für die Einwohnerschaft. Hier werden Kinder- und Dorffeste gefeiert, das jährliche Fahrradringreiten ausgerichtet und auch ein Tennis-Juxturnier ausgetragen.

„Hier spielt sich alles ab“, lobt Regina Kraft die lebendige Dorfgemeinschaft. Der alte Tennisplatz wird jetzt als Parkplatz genutzt; mit Mitteln der EU wurde eine überdachte Radfahrer-Raststätte geschaffen und gleich nebenan steht ein Spielplatz mit Rutsche und Kletterturm und Kletternetz für die Kleinsten zur Verfügung. „Was uns fehlt, sind Neubürger und Kinder“, bedauert Regina Kraft die sinkenden Einwohnerzahlen.

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