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Norddeutsche Rundschau

11. Dezember 2016 | 05:23 Uhr

5400 Spardosen auf dem Dachboden

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Die Wellenkamper Sammlerin Anke Spindelmann gibt Einblick in ihre Sammlung mit Figuren in allen Farben, Formen und Größen

Es muss nicht immer das klassische Sparschwein sein. Hunde, Mickey Mäuse, russische Matroschkas und sogar einen Totenkopf entdeckt der Besucher beim Rundgang durch Anke Spindelmanns Wohnung. Alle haben einen Schlitz auf der Rückseite und manchmal auch eine Öffnung im Boden. Seit ihrem 15. Lebensjahr sammelt die heute 54-jährige Wellenkamperin Spardosen. 5453 Exemplare in allen Farben, Formen und Größen hat sie inzwischen zusammengetragen, eine Auswahl ist im Moment in einer Ausstellung im Kreismuseum Prinzeßhof zu sehen, der größte Teil lagert fein säuberlich verpackt und archiviert auf ihrem Dachboden.

Sie stamme aus einer Sammlerfamilie, erzählt die ehemalige Suchtbeauftragte und jetzige Hausfrau. Ihr Vater sammelte Keramik, ihr Bruder Schallplatten und ihr Cousin Nachttöpfe. „Irgendwann dachte ich, du musst auch irgendetwas sammeln.“ Als sie in ihrem Kinderzimmer gleich drei Spardosen entdeckte, sei klar gewesen, worauf sie sich spezialisieren würde.

Eines der ersten Sammlerstücke fand die gebürtige Eckernförderin im Hafengasthaus, das ihre Eltern einst bewirtschafteten. „Ein bärtiger, Pfeife rauchender Seemann stand dort immer auf der Fensterbank, eine Spardose, die mein Vater mal geschenkt bekommen hatte.“ Als der Betrieb aufgegeben wurde, schenkten die Eltern ihr das Stück. Im neuen Hotel, das die Familie fortan übernahm, war unter den Gästen schnell bekannt, womit man Anke Spindelmann eine Freude bereiten konnte. Stammgäste brachten ihr regelmäßig Spardosen aus aller Welt mit. „Besonders mochte ich damals die Figürlichen, wie Pudel oder Hasen.“

Nach und nach wuchs die Sammlung. Als die ersten 300 Exemplare zusammen waren, begann Spindelmann Buch zu führen. Seither wird jeder Neuzugang nummeriert, Informationen zu Wert und Herkunft werden notiert. Richtig bewusst gesammelt habe sie nie, die meisten Stücke habe sie beiläufig gefunden. So etwa das fast lebensgroße Ferkel. Die Sammlerin ächzt, als sie es vom Boden auf den Tisch hebt. Die Figur ist aus Gusseisen, wiegt etwa 20 Kilogramm. Bei einem ihrer regelmäßigen Föhr-Urlaube habe sie es in einem Laden entdeckt. Ganze drei Jahre dauerte es, bis sie den Inhaber von 120 auf 50 D-Mark heruntergehandelt habe. Zur Abholung ihrer bislang wohl schwersten Spardose musste ihr Mann eigens mit dem Auto in die Föhrer Fußgängerzone fahren. Der muss, ebenso wie der Rest der Familie, nicht lang überlegen, was Anke Spindelmann zum Geburtstag oder zu Weihnachten geschenkt bekommt. „Eine Spardose geht immer“, sagt die Sammlerin, die viele ihrer Stücke auch auf Flohmärkten oder im Internet bei Ebay ersteht.

Im Gegensatz zu vielen anderen Sammlern sei ihr Budget als vierfache Mutter begrenzt. Viele der 70 Mitglieder im europäischen Verein der Spardosensammler (European Money Bank Collectors, EMBC), dem Spindelmann seit 2008 angehört, hätten sich auf bestimmte Kategorien spezialisiert. Für sie kam das nie infrage: „Das kann schnell ziemlich teuer werden, wenn einem ein bestimmtes Exemplar noch fehlt.“ Die beliebten mechanischen Spardosen aus Gusseisen aus den USA würden schnell mal für fünfstellige Summen gehandelt. Spindelmann besitzt nur eine Replik. Eine ihrer wertvollsten Spardosen sei eine Keramik-Figur, die drei Affen darstellt. „Ich vermute, dass ich dafür einen dreistelligen Betrag bekommen würde.“

Dennoch besitzt die Sammlerin einige exotische Stücke, etwa eine Mini-Maus-Spardose aus Japan und einen mit Plüsch überzogenen Plastikwal aus Alaska. Aus einem Urlaub im Harz brachte sie zwei Walpurgis-Hexen mit Hut und Besen mit, die ein tiefes Gelächter anstimmen und deren Augen leuchten, sobald die Münze eingeworfen werde.

Jetzt, wo ihre Kinder erwachsen seien, habe sie endlich wieder mehr Zeit, sich auf ihr Hobby zu konzentrieren. Vielleicht kann sich Spindelmann in naher Zukunft sogar ihren Traum erfüllen: Ein Ausstellungsraum in der eigenen Wohnung, der einzig und allein den Spardosen gewidmet ist.

> Die Ausstellung der Spardosen im Itzehoer Kreismuseum Prinzeßhof ist noch bis 25. September zu sehen. Am Sonnabend, 27. August, 10 bis 13 Uhr, bietet Museumspädagogin Manuela Jansons einen Workshop für Kinder ab sechs Jahren an, in dem sie ihre eigene Spardose basteln können. Die Teilnahme kostet 11,50 Euro. Anmeldung unter 04821/64068.

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erstellt am 22.Aug.2016 | 16:00 Uhr

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