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Norddeutsche Rundschau

05. Dezember 2016 | 09:35 Uhr

Integration : 350 Flüchtlinge lernen freiwillig Deutsch

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Egal ob sie schon als Asylbewerber anerkannt sind oder nicht – am Berufsbildungszentrum erhalten ab heute viele Flüchtlinge Sprachunterricht.

Rund 1600 Flüchtlinge leben derzeit im Kreis Steinburg – etwa ein Viertel von ihnen wird allein am Regionalen Berufsbildungszentrum (RBZ) in Itzehoe unterrichtet. Das Besondere: Auch jene, die noch keinen Aufenthaltsstatus haben, können dort die deutsche Sprache lernen. Ein Projekt mit Alleinstellungsmerkmal, wie Reinhold Wenzlaff, Lehrer am RBZ und mit seinem Verwaltungsteam um Marion Gaudlitz Koordinator der Lernstunden für die unter und über 18-Jährigen, betonte. „Ihr dürft hier Deutsch lernen, ihr müsst es aber nicht“, unterstrich Wenzlaff als er die jungen Männer und Frauen begrüßte, für die heute der reguläre Unterricht beginnen wird. Ihm zur Seite standen als Dolmetscher Zahra Mohseni (Dhari), Majid Al Moualem (Arabisch), Tatef Voskanjian (Russisch/Armenisch) und Shama Khalaf (Kurdisch).

Im Vorfeld galt es dieser Tage, rund 350 Flüchtlinge, davon etwa 180 unter 18-Jährige, zunächst in zwei verschiedene Gruppen grundsätzlich einzuteilen – jene, die gar kein Deutsch sprechen, sowie jene, die sich schon besser verständigen können und bereits im vergangenen Schuljahr am RBZ waren. Erstere Gruppe wird künftig 20 Stunden in der Woche Deutsch lernen. Die anderen erhalten 24 Stunden Unterricht, davon zwölf Stunden Deutsch, jeweils zwei Stunden Mathematik, Englisch und Wirtschaft/Politik, die restlichen sechs Stunden bleiben für praktisches Arbeiten zur beruflichen Erstqualifikation. „Wenn ihr das erfolgreich macht, dann steht am Ende des Schuljahrs die Prüfung für den Ersten Schulabschluss ESA an“, erklärte Wenzlaff. Auch eine Kombination aus Integrationskurs des Jobcenters (für Flüchtlinge mit erstem Aufenthaltstitel) und ESA-Prüfung (früher Hauptschulabschluss) wäre möglich – „damit es schnell geht“. Für die erworbenen Deutschkenntnisse gibt es entsprechende Zertifikate, zum Einstieg erfolgten Tests für A1 und A2, je nach Ergebnis wurden die Klassen entsprechend der Deutschkenntnisse eingeteilt.

Damit der Unterricht gelingt, werden Klassen von durchschnittlich 15 Schülern gebildet – „Wir unterrichten im Schichtbetrieb“, beschrieb Reinhold Wenzlaff die Situation aufgrund begrenzter Raumkapazitäten an der Schule. Ohne die Unterstützung durch die evangelische und katholische Kirche, die Räume in der Wilhelmstraße und am Albert-Schweitzer-Ring zur Verfügung stellen, sowie die Patrizier-Stuben am Lehmwohldt wäre der Unterricht in dem Umfang nicht möglich. Zum Deutschunterricht für die 350 Flüchtlinge kommt noch eine Kompassmaßnahme in Zusammenarbeit des RBZ mit der Volkshochschule und der Bibeku (Gesellschaft für Bildung Beruf Kultur) für 25 Schüler sowie ein „normaler Integrationskurs“ ebenfalls in Partnerschaft mit der Volkshochschule für 18 Schüler.

Wenzlaff betonte, dass dieser Schulbesuch freiwillig ist. „Dies ist ein spezielles Angebot, das es nur hier im Kreis Steinburg gibt – nicht in Hamburg oder Niedersachsen, auch nicht in Kiel.“ Das gehe „nur, weil es Geld vom Staat gibt und wir nette Lehrer haben, die das hier machen.“ Dabei hob er das großes Engagement der Ehrenamtler ebenso wie seiner Berufskollegen hervor. Gelingen könne das Projekt nur, wenn alle an einem Strang ziehen – darum: Wer unentschuldigt dem Unterricht dreimal fern bleibt, „der ist raus“. Außerdem werden den Schülern die Schulregeln vorgelegt, die sie unterschreiben müssen. Wenzlaff: „Ich wünsche euch und uns eine erfolgreiche und friedliche Schule.“  

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erstellt am 09.Sep.2016 | 11:34 Uhr

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