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Norddeutsche Rundschau

03. Dezember 2016 | 16:46 Uhr

Blitzermarathon : 26 Stundenkilometer unter dem Tempolimit

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Großkontrolle bremst Raser aus: Nur vier von 264 Autofahrern vor dem Kindergarten Kleve geblitzt

Vor dem Kindergarten „Löwenzahn“ in der Straße Sandkuhle in Kleve hatten die Polizeihauptmeister Thomas Thiessen und Wolfgang Döring gestern Stellung bezogen, um Jagd auf Raser zu machen. 60 Stundenkilometer sind an dieser Stelle erlaubt. Ein Fahrzeug fiel den Beamten schon von weitem ins Auge. Nach neun beziehungsweise 16 Jahren in der Verkehrsüberwachung haben die Zwei einen Blick dafür entwickelt. „34 km/h“ zeigte der Computer als gemessene Geschwindigkeit des Pkw an. „Da war einer aber übervorsichtig. Der wohl langsamste Fahrer des Tages“, amüsierte sich Döring.

Tatsächlich waren die Autofahrer beim gestrigen Blitzermarathon auf der Hut. Zwischen 7 und 13 Uhr passierten 264 Fahrzeuge die Radarfalle, aber nur vier waren schneller als die erlaubten 60 Kilometer pro Stunde. Döring: „Sonst sind es hier um die 30 Temposünder.“ Spitzenreiter war ein Pkw-Fahrer, der mit 77 km/h an der Kita vorbeiraste. 20 Euro Verwarngeld muss er nun zahlen. Wie viele Raser den Beamten der Polizeidirektion Itzehoe gestern insgesamt ins Netz gingen, war der Polizei bei Redaktionsschluss noch nicht bekannt.

Rund 40 Beamte der Polizeidirektion kontrollierten an sieben Stellen im Kreis Steinburg sowie an weiteren sieben in Dithmarschen, ob Geschwindigkeitsbegrenzungen eingehalten wurden. Vor allem Unfallschwerpunkte, Kindergärten und Schulen standen im Fokus der Großkontrolle. „Es geht uns bei der Aktion nicht ums Erwischen, sondern wir wollen damit die Autofahrer für das Thema sensibilisieren“, machte Merle Neufeld, Pressesprecherin der Polizeidirektion Itzehoe deutlich. Bei Verkehrsunfällen mit tödlichem Ausgang sei nichtangepasste Geschwindigkeit die Hauptunfallursache. Das Tempo zu drosseln, könne Leben retten wie die Polizei mit einem Beispiel erklärt: Bei einer Geschwindigkeit von 65 Kilometern in der Stunde sterben acht von zehn Fußgängern, die angefahren werden. Bei 50 Kilometern pro Stunde überleben acht von zehn Fußgängern. Ein Unterschied von 15 km/h entscheidet also darüber, ob acht von zehn Fußgängern überleben oder sterben.

Bereits um 7 Uhr hatten Döring und Thiessen die Ausrüstung und das Einsatzfahrzeug im Wert von rund 250  000 Euro in Stellung gebracht – Sensoranlage, Fotoanlage und Blitzgerät – alles gut versteckt unter Tarnnetzen. Der Computer an Bord des Einsatzfahrzeuges erfasst automatisch alle Fahrzeuge und speichert die Bilder der Temposünder. „Wenn einer geblitzt wurde, kommen manche Fahrer nochmal zurück und fotografieren den Blitzer“, berichtete Thiessen. Gestern blieb es an der Kontrollstelle aber ruhig. Thiessen: „Ich habe schon auf dem Weg zum Dienst bemerkt, dass viele Autofahrer langsamer fahren.“ Merle Neufeld: „Damit haben wir schon viel erreicht. Und die Kindergartenkinder kamen heute sicher hin und zurück.“

Die Polizeidirektion hatte gestern an insgesamt 14 Stellen in den Kreisen Dithmarschen und Steinburg Blitzer aufgebaut. Der erste Blitzmarathon fand im Februar 2012 in Nordrhein-Westfalen statt, ein Jahr später feierte die Großkontrolle dann bundesweit Premiere. Im Jahr 2015 erfolgte die erste bundesweite Aktion. Von dem Bußgeld bekommt die Polizei keinen Cent. Merle Neufeld: „Verwarngelder unter 60 Euro gehen ans Land. Bußgelder ab 60 Euro bringen Punkte in Flensburg und gehen dann an die Kreise, wo sie von den dortigen Bußgeldbehörden bearbeitet werden.“



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erstellt am 22.Apr.2016 | 05:40 Uhr

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