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Norddeutsche Rundschau

04. Dezember 2016 | 13:12 Uhr

Infrastruktur : „2026 fahren wir durch den Tunnel“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Die Staatssekretäre Enak Ferlemann und Frank Nägele haben konkrete Vorstellungen zur A20-Planung – allerdings gibt es eine Unbekannte: die Umweltverbände.

„Wir erwarten umfassende Informationen und endlich einen Zeitplan, der nicht nur auf dem Papier steht“, hatte Rainer Bruns im Vorwege gesagt. Und der Vorsitzende des Vereins Neue Wege für Schleswig-Holstein, der an Elbe und Westküste mit dem Motto „A20 – sofort“ eine deutliche Forderung formuliert, wurde nicht enttäuscht. Die Staatssekretäre Enak Ferlemann (Bundesverkehrsministerium, CDU) und Frank Nägele (Landeswirtschaftsministerium, SPD) wurden am Dienstagabend in der Holcim-Kantine in Lägerdorf sehr konkret, was die Planungen in Sachen Autobahn 20 angehen.

Ferlemann stellte klar, dass die A20 im Bundesverkehrswegeplan als „vordringlicher Bedarf“ vermerkt und damit innerhalb der Laufzeit bis 2030 fertiggestellt werden soll. „Und das Geld dafür ist da.“ Denn man sei dieses Mal den umgekehrten Weg gegangen und habe erst die finanziellen Mittel eingeholt, bevor die Planungen gemacht worden seien. Mit 270 Milliarden Euro sei die Größenordnung des aktuellen Bundesverkehrswegeplans enorm. „Wir können mit Fug und Recht behaupten, dass die A20 komplett ausfinanziert ist“, so der Staatssekretär aus dem Verkehrsministerium. Und: Der Norden ist laut Ferlemann der große Sieger. Mehr Geld als bisher seien für die Infrastruktur in Schleswig-Holstein vorgesehen.

Der Ball liege nun beim Land, als Umsetzungsbehörde des Verkehrswegeplans. In Deutschland gebe es einen Planungsrückstand, das sei eine Herausforderung. Dafür müsse man die personellen Ressourcen bereitstellen. „Und daran mangelt es in Niedersachsen und noch mehr in Schleswig-Holstein.“ Die Kompetenzen in den Verwaltungen seien immer weiter heruntergefahren worden. „Und jetzt kommt der Bund mit dem vielen Geld und der Norden kann es nicht abgreifen“, sagte Enak Ferlemann und spielte damit seinem Landes-Kollegen den Ball zu.

Frank Nägele hatte Torsten Conrad, Direktor des Landesbetriebs Straßenbau und Verkehr, mitgebracht, um deutlich zu machen, wie wichtig das Thema in Kiel genommen werde. „Für uns war ein wichtiger Zeitpunkt die Entscheidung in Leipzig.“ Man habe nicht mit einem so wohlwollendem Urteil gerechnet, aber jetzt sei der Weg frei. Grundsätzlich gelte, dass bei den Planungen Gründlichkeit vor Schnelligkeit gehe. Das bedeute manchmal längere Planungsphasen, dafür aber schneller Umsetzung. Damit die Planungen reibungslos laufen, habe man in den vergangenen vier Jahren das Personal in der Planfeststellungsbehörde verdoppelt – von zwölf auf inzwischen weit mehr als 20. Die Zahl der Planer werde immer wieder aufgestockt, allein für 2017 habe Conrad die Aufgabe, 30 zusätzliche Planer einzustellen.

Konkret wurde Frank Nägele dann mit der Zeitplanung. Ende dieses, spätestens Anfang nächsten Jahres sei Planrecht für den schleswig-holsteinischen Teil des Tunnels geschaffen, ein Jahr länger werde für den Anschluss benötigt. „Ihr bringt das Baurecht, wir schreiben aus“, so Enak Ferlemann. Hinzu komme noch eine Bauzeit von fünf bis sechs Jahren. „Sie haben mal gesagt, dass sie 2026 durch den Tunnel fahren möchten, ich denke, das ist noch realisierbar“, sagte der Staatssekretär an Rainer Bruns gerichtet.

Man müsse sich allerdings bewusst sein, fügte Nägele einen unberechenbaren Faktor hinzu, dass die A20 eines der letzten großen Autobahnprojekte in Deutschland sei. „Das ist für die Umweltverbände schon fast eine Frage der Ehre dieses zu bekämpfen.“ Der Staatssekretär versicherte aber, dass die Landtagswahl im nächsten Jahr den Bau der A20 nicht mehr verhindern werde.

Sowohl Nägele als auch Ferlemann lobten die A20-Initiative. „Es gibt kein Projekt in Deutschland, das keine Gegenbewegung hat, aber es gibt vielleicht nur eines, das so eine starke Bewegung dafür hat. Bleiben sie dran, Herr Bruns“, forderte Enak Ferlemann.

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erstellt am 03.Nov.2016 | 12:11 Uhr

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