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Norddeutsche Rundschau

10. Dezember 2016 | 13:53 Uhr

Zucht : 100 Jahre Liebe zum Langohr

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Rassekaninchenzuchtverein U 35 feiert sein 100-jähriges Bestehen / Zeitintensives Hobby erfordert viel Fleißarbeit und Erfahrung

„Die Liebe zum Kaninchen treibt uns an, und das Vereinsleben ist eine Bereicherung“, sagt Hans-Heinrich Karstens, 2. Vorsitzender des Rassekaninchenzuchtverein U  35, der auf eine lange Geschichte blicken kann. Der Verein wurde 1910 gegründet; zwischen 2000 und 2006 ruhte das Vereinsleben, bis sich einige Kaninchenzüchter zusammenfanden und den Verein neu belebten. Unter ihnen waren auch Karstens und seine Ehefrau Susanne (Kassenwartin) sowie Silke (Schriftführerin) und Michael Slamanig (Zuchtwart).

„Aus den ersten Jahren des Vereins liegen noch die alten, historischen Protokollbücher in Sütterlinschrift vor“, sagt die Schriftführerin, die berichtet, dass nur vier Jahre nach der Gründung das Vereinsleben schon wieder ruhte: der Erste Weltkrieg hatte begonnen. Auch während der Zweiten Weltkriegs kam das Vereinsleben zum Erliegen. Im Kampf ums Überleben wurden die Zuchttiere oft als Nahrung benötigt. Nach dem Krieg bauten die Vereinsmitglieder ihre Zucht aber wieder aus. Sie präsentierten ihre Tiere in Lokalen der Stadt. Doch das Interesse an der Kaninchenzucht sank.

Inzwischen sind die Mitgliederzahlen stabil, der Verein ist aktiv. Regelmäßig im November werden Kaninchenausstellungen ausgerichtet, so auch am 19. und 20. November auf dem Gemüsehof Kühn. Inzwischen hat der Verein 40 Mitglieder, davon vier Jugendliche. Sie züchten 13 verschiedene Rassen und Farbenschläge. Zurzeit sind es rund 480 Tiere, die den Vereinsmitgliedern gehören. Der Name U 35 wurde dem Verein vom Zentralverband Deutscher Rassekaninchenzüchter zugeteilt. Das „U“ steht für Schleswig-Holstein. Die Zahl ist die Vereinsnummer.

Susanne und Hans-Heinrich Karstens kamen als Erwachsene zur Zucht. „Mit zehn Jahren wollte eines unserer Kinder ein Kaninchen haben, doch dann hat es die Lust verloren und unsere Liebe zu den Tieren begann“, so der 2. Vorsitzende. Bei Michael Slamanig und seiner Frau war es genau andersherum: „Meine Eltern hatten schon Kaninchen. Ich bin damit aufgewachsen.“

Züchten ist ein relativ zeitintensives Hobby. „Im Schnitt verbringe ich jeden Tag eine Stunde mit der Pflege von Ställen und Tieren“, so Karstens. Wenn dann die Jungtiere kommen oder eine Schau vor der Tür steht, sei auch schnell mal ein ganzes Wochenende weg.

Zur Vorbereitung für eine Kaninchenschau gehört unter anderen das Schneiden der Krallen, das Säubern der Geschlechtsecken sowie die Fellpflege. Bei der Tischbewertung müssen die Tiere ruhig und entspannt sitzen bleiben. Dafür setzen die Vereinsmitglieder sie regelmäßig, meist wenn sie die Ställe säubern, auf Tischen ab. „Dann kann sich das Tier daran gewöhnen. Denn Kaninchen sind Fluchttiere, wenn sie Angst haben, hoppeln sie davon oder machen sich ganz klein“, sagt Michael Slamanig.

Bewertet werden die Tiere je nach Rasse nach verschiedenen Kriterien, den in einem Katalog festgeschriebenen Rassenstandards. Die Kaninchen können dabei eine Höchstpunktzahl von 100 Punkten erreichen. „Die volle Punktzahl bekommt kaum ein Tier, aber so 97 Punkte sind möglich“, so Slamanig. Zu große Abweichungen von dem Idealbild führen zum Ausschluss aus dem Wettbewerb.

Bei den Deutschen Riesenschecken ist beispielsweise die Fellzeichnung ein besonders schwer zu erfüllendes Kriterium. Das Ehepaar Karstens züchtet diese Rasse. Die Kaninchen sind weiß mit schwarzen Flecken. „Die Ohren müssen ganz schwarz sein, die Augen umrandet und ein schwarzer Strich, muss auf der Mitte des Rückens bis zur Blume entlang führen“, zählt Hans-Heinrich Karstens einige Merkmale auf. Wichtig seien auch die drei Punkte auf den Backen des Tieres sowie die Schmetterlingsform des Punktes auf der Schnauze. „Von 40 Tieren ist das Fell von rund elf entsprechend gezeichnet.“

Tiere zu züchten, die möglichst viele Kriterien erfüllen, ist einerseits Fleißarbeit sowie Erfahrung und andererseits auch etwas Glück. „Ich führe ein Buch mit eigenen Bemerkungen zu jedem Tier. Zudem wird festgehalten, welche Tiere verpaart worden sind“, sagt Slamanig. Damit könne er nachvollziehen, in der Erbanlage welchen Tieres der Fehler liege. Mit Fehler ist die Abweichung von den festen Rassemerkmalen gemeint. „Dabei überspringt ein sichtbares Merkmal auch mal eine Generation.“ Deshalb entstünde aus zwei Top-Tieren längst nicht mit Sicherheit ein ebenso schönes Kaninchen. Tiere, die sich nicht zur Rassenzucht eignen, werden an Kaninchenfreunde ohne Zuchtambitionen weitergegeben.

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erstellt am 09.Aug.2016 | 17:32 Uhr

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