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Vaterfigur und Fels in der Brandung : Mathias Wittig geht in den Ruhestand

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Aus der Redaktion des Quickborner Tageblatts

Quickborns Ehrenamtskoordinator Mathias Wittig geht Mitte Mai in den Ruhestand und zieht Bilanz.

Quickborn | Mehr als zwei Jahre lang hatte er ein offenes Ohr, hat an die Hand genommen, offene Fragen geklärt und Probleme gelöst. Ab Mitte Mai nun wird Quickborns Ehrenamtskoordinator Mathias Wittig kürzer treten. Dann verabschiedet sich der 66-Jährige in den Ruhestand und hinterlässt seinem Nachfolger, der noch gesucht wird, ein gut bestelltes Feld.

In Wittigs kleinem Büro im Haus Roseneck laufen viele Fäden zusammmen. Von hier aus koordiniert er seit 2015 die Arbeit von fast 200 Ehrenamtlichen in der Flüchtlingshilfe, eine Herkulesaufgabe. „Es geht auch darum, das Engagement in effektive Bahnen zu lenken“, sagt er.

Dabei hilft ihm sein gutes Personengedächtnis. „Ich kenne alle Ehrenamtlichen mit Namen und weiß einiges über ihren privaten Hintergrund.“ Für den ehemaligen Airbus-Qualitätsmanager ist die Hilfe für die Helfer eine Herzensangelegenheit, Teil der von ihm empfundenen Fürsorgepflicht. Diese Wertschätzung sei wichtig, denn ohne die Ehrenamtlichen „hätten wir es nicht geschafft, in der Flüchtlingsarbeit so schnell die nötigen Strukturen aufzubauen“.

Und in der Tat: Das ist allen, die in Quickborn in der Migrations- und Flüchtlingshilfe arbeiten – Haupt- wie Ehrenamtlichen – gelungen. „Unser System funktioniert gut“, sagt Wittig. Am Beginn seiner Arbeit, zu der er eher durch Zufall kam, stand ein Treffen mit allen, die sich für Flüchtlinge engagieren wollten. „Zu dem Zeitpunkt hatten wir schon eine Vorstellung von der groben Struktur und haben verschiedene Themengebiete vorgestellt, für die sich die Helfer eintragen konnten.“ Das Angebot reichte vom Erstkontakt über die Vermittlung von Sprachkenntnissen bis hin zur Organisation von verschiedenen Freizeitangeboten.

Vier Monate lang hat Wittig ehrenamtlich gearbeitet und zusammen mit den hauptamtlichen Kollegen „ganz schön gerödelt“. Dann war klar: Verantwortung und Umfang der Aufgabe ist einem Ehrenamtler kaum zuzumuten. Seit zwei Jahren hat er deshalb einen Vertrag mit der Diakonie und besetzt eine halbe Stelle. Mit den 19,5 Stunden kommt Wittig natürlich nicht aus, aber er schaut bewusst nicht auf die Uhr. Schließlich habe er es mit Menschen und ihren Schicksale zu tun.

Der runde Tisch

So hart es manchmal war, es ist auch viel geschafft worden. „Wichtig ist für mich immer, dass jeder Ehrenamtliche die Aufgabe übernehmen kann, mit der er glücklich ist und sich wohlfühlt“, sagt Mathias Wittig. Um sie fit zu machen für die Herausforderungen, vor die kulturelle Unterschiede, komplizierte rechtliche Vorgaben, die deutsche Bürokratie und Sprachbarrieren Flüchtlingshelfer stellen, hat er zusammen mit den hauptamtlichen Fachkräften den runden Tisch eingeführt. Regelmäßig bietet er Fachvorträge von externen Referenten zu Themen an, die die Helfer beschäftigen. Das Wissen stärkt ihnen den Rücken und macht sie sicher im Umgang mit Problemen.

Wenn er sich in einigen Wochen in die zweite Reihe zurückzieht, wird er etwas mehr Zeit für seine Hobbys haben. Mathias Wittig liebt Oldtimer, ist begeisterter Billardspieler, gehört dem Freiwilligenforum in Pinneberg an und arbeitet als ehrenamtlicher Berufscoach an einer Schule. In seiner Heimatstadt Quickborn betreut er drei junge Flüchtlinge im Alter zwischen 18 und 29 Jahren, von denen einer nach einem Taliban-Angriff blind ist. Er bleibt also gefragt, der dreifache Vater und fünffache Opa, ebenso wie sein offenes Ohr, sein Feingefühl und seine Motivationskunst.

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erstellt am 21.Apr.2017 | 16:30 Uhr

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