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Lokales

11. Dezember 2016 | 12:53 Uhr

Nach Obduktion : Leiche in der Elbe bei Lauenburg: Toter ist vermisster Familienvater

vom

Anwohner entdecken eine Leiche in der Elbe. Der Tote ist Marco S., der vermisste Familienvater aus Drage. Ein Fahrrad soll neue Hinweise liefern.

Lauenburg | Bei der aus der Elbe geborgenen Wasserleiche handelt es sich um den mit seiner Familie vermissten 41-Jährigen aus dem niedersächsischen Drage. „Der Mann ist in der Elbe ertrunken“, teilte Polizeisprecher Jan Krüger in der Nacht zum Samstag mit. „Fremdeinwirkung kann dabei ausgeschlossen werden.“ Für die Ermittler werde damit ein erweiterter Suizid - also ein Familiendrama - immer wahrscheinlicher. Die Suche nach seiner Frau und der zwölfjährigen Tochter geht weiter. „Wir arbeiten mit unserer Sonderkommission auch am Wochenende uneingeschränkt weiter“, erklärte Polizeisprecher Jan Krüger. Polizeitaucher und ein Sonarboot suchten bis zum Nachmittag den Elbgrund um die Fundstelle weiter nach Spuren ab – ohne Ergebnis. Hoffnungen, die beiden noch lebend zu finden, gibt es nicht.

Zeugen wollen den 41-Jährigen am Donnerstag vergangener Woche das letzte Mal bei Drage gesehen haben. Die Spuren von Frau und Tochter verloren sich bereits am Tag davor. Das grüne Herrenrad des Mannes konnte bereits am Donnerstag in der Bahnhofstraße in Winsen sichergestellt werden. Es wurde am Freitag von Zeugen identifiziert. Offenbar war der Familienvater damit nach Winsen gefahren und hatte es dort zurückgelassen.

Die Polizei richtete nach eigenen Angaben eine Sonderkommission mit 25 Beamten ein. Drage ist ein 4100-Einwohner-Ort an der Elbe südöstlich von Hamburg im Landkreis Harburg. Der Fundort der Leiche in Lauenburg liegt rund 20 Kilometer stromaufwärts auf der schleswig-holsteinischen Seite.

Am Freitag gegen 5.30 Uhr hatten Anwohner die Polizei verständigt, nachdem sie in der Morgendämmerung unweit des Ufers vor der Elbuferpromenade den leblos im Wasser treibenden Körper entdeckt hatten.

Feuerwehrleute bergen in Lauenburg einen toten Mann aus der Elbe. Der Mann war mit einem schweren Betonklotz versenkt worden.
Feuerwehrleute bergen in Lauenburg einen toten Mann aus der Elbe. Der Mann war mit einem schweren Betonklotz versenkt worden. Foto: Timo Jann

„Ich war bei der Bergung dabei“, sagt Lars Heuer, Wehrführer der Gemeinde. „Wir haben mit 20 Kameraden die leblose Person geborgen“, schildert er die Situation am frühen Morgen nüchtern. Die Sprache ist klar, die Stimme ruhig - schnell ahnt man: Heuer hat Erfahrung mit solch unerfreulichen Einsätzen. „Mit einem Rettungsboot haben wir den Toten ans Ufer gebracht und dort der Polizei übergeben.“ Genau um 5.29 Uhr sei die Feuerwehr alarmiert worden, erinnert er sich noch.

Die Elbuferpromenade in Lauenburg: Hier wurde der Tote entdeckt.
Die Elbuferpromenade in Lauenburg: Hier wurde der Tote entdeckt. Foto: Timo Jann
 

Die Bergung gestaltete sich schwierig, da der Leichnam mit einem etwa 25 Kilo schweren Betonklotz, mit dem für gewöhnlich mobile Baustellenzäune aufgestellt werden, beschwert war. Nach Einschätzung des Notarztes muss der Tote mehrere Tage im Wasser gelegen haben. Aufgrund der Gasbildung im Körper reichte das Gewicht dann nicht mehr aus, um den Toten unter Wasser zu halten. Er trieb auf und wurde am Freitagmorgen bäuchlings im Wasser treibend entdeckt. Der Leichnam sei nur etwa 400 Meter von der Elbbrücke in Lauenburg entfernt geborgen worden, einer der wenige Brücken über den Fluss in der Region.

Freitagabend waren auf der Elbe vor Lauenburg Spürhunde auf Booten und Taucher im Einsatz. „Wir wollen so herausfinden, wo die Person ins Wasser gelangte oder ob dort weitere Tote zu finden sind“, sagte Krüger, noch bevor die Identität des Toten bestätigt wurde. Konkrete Hinweise darauf, dass auch die Frau und die Tochter dort zu finden seien, gebe es aber nicht.

Nachdem Leichenspürhunde von einem Boot aus angeschlagen hatten, wurde noch bis in die Nacht vor Lauenburg mit Tauchern im Wasser gesucht. Ohne Ergebnis. Die Elbe war durch die Wasserschutzpolizei stundenlang für die Schifffahrt gesperrt worden, um den Einsatz der Taucher nicht zu gefährden.

Diese zogen in der Nacht ein silberfarbenes Damenrad unterhalb der Brücke aus dem Wasser. Aufgrund des Auffindeortes geht die Polizei davon aus, dass der 41-Jährige mit diesem Rad auf die Elbbrücke gefahren ist, das Rad ins Wasser geworfen hat und dann selbst hinterher gesprungen ist.

Die Ermittler der Soko Schulze erhoffen sich von der Bevölkerung Hinweise zu dem Fahrrad und fragen ganz konkret: Wer kann Angaben zur Herkunft des Rades machen? Wer hat beobachtet, wie dieses Rad von der Elbbrücke bei Lauenburg in das Wasser geworfen worden ist? Hinweise nimmt die Soko unter 04181 / 285285 entgegen.

Foto: Polizei
 

Fest steht mittlerweile, woher der 25 Kilo schwere Betonklotz stammt, den Marco S. umgebunden hatte. Er gehört zu einem Absperrgitter einer Baustelle auf der Lauenburger Elbbrücke. Von dort war der Vermisste wahrscheinlich selbst ins Wasser der Elbe gesprungen, untergegangen und ertrunken, so die Annahme der Ermittler. Die Polizei sucht auch am Sonntag weiter nach der Frau sowie der Tochter des Mannes. Bisher gab es keinerlei Hinweise auf deren Verbleib.

Insgesamt waren fünfzig Polizisten und Feuerwehrleute im Einsatz.

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erstellt am 01.08.2015 | 14:00 Uhr

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