zur Navigation springen

Landeszeitung

09. Dezember 2016 | 06:56 Uhr

Zu viel Wohnraum für Flüchtlinge

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Sinkende Zahl an Zuweisungen: Büdelsdorf kann langfristige Mietverträge nicht auflösen / Stadt sichert sich 24 Einheiten aus Neubauprojekt

Längst kommen nicht mehr so viele Flüchtlinge in Schleswig-Holstein an wie im vergangenen Jahr. Das merkt man auch in Büdelsdorf. Statt der für 2016 prognostizierten 130 Asylsuchenden sind bisher erst 32 eingetroffen. 263 Plätze hat die Stadt angemietet, in Wohnungen und in vier Sammelunterkünften. Aber nur 179 sind zurzeit belegt. „Wir bleiben auf den Kosten sitzen“, sagte Bürgermeister Jürgen Hein . Damit ergeht es Büdelsdorf nicht anders, als dem Nachbarn Rendsburg, wo man mit Vorhaltekosten für angemietete und nicht belegte Wohnungen von 145  000 Euro in diesem Jahr rechnet (wir berichteten).

In Büdelsdorf werden nach Angaben von Peter Schwedt, Leiter des Integrationsbereichs, monatlich für Miete und Nebenkosten von Wohnungen und Containern 72  000 Euro fällig. Vom Land gibt es aber nur für die untergebrachten Flüchtlinge Geld, insgesamt 43  000 Euro. Schwedt: „Somit haben wir im Monat 29  000 Euro ungedeckte Kosten.“ Im Herbst 2015, als die Zuweisung von Flüchtlingen besonders hoch war, sei man froh gewesen, überhaupt Wohnraum anmieten zu können, so Hein. Teils habe man Mietverträge über drei bis fünf Jahre unterschreiben müssen. „Die Vermieter haben die große Nachfrage ausgenutzt, aber wir waren froh, überhaupt Wohnungen zu bekommen“, beschreibt der Verwaltungschef die Lage, in der die Stadt damals steckte.

Inzwischen ist klar, dass ein Großteil der untergebrachten Flüchtlinge aus sicheren Herkunftsländern stammt und somit kein Bleiberecht erhält. „Das schafft weiteren freien Wohnraum, den wir nicht brauchen.“ Es gehe darum, sich in „gesundem Maße“ von Wohnraum zu trennen, sagte Hein. Aber die Einschätzung, mit welcher Zahl von Flüchtlingen in Zukunft zu rechnen ist, sei angesichts der politischen Großlage schwierig. „Hält sich die Türkei noch an den Flüchtlingspakt?“ Es könne ein Fehler sein, wenn die Stadt jetzt den angemieteten Wohnraum abstößt und sich dann herausstellt, dass sie ihn in zwei Monaten wieder brauchen werde. „Die Lage ist zurzeit nicht einzuschätzen“, so Hein. Als die Flüchtlingszahlen noch stiegen, hat die Verwaltung ihr Personal aufgestockt. Auch das habe zu Mehrkosten geführt. Diese Mitarbeiter angesichts sinkender Zahlen wieder abzubauen, sei nicht sinnvoll. „Wir brauchen sie für die Versorgung der Dagebliebenen“, sagte Hein. Außerdem werde die Stadt 24 Wohnungen in einem Neubauprojekt der Baugenossenschaft Mittelholstein anmieten. Hier sollen Flüchtlinge mit Bleiberecht auf Dauer untergebracht werden, aber auch „günstiger Wohnraum für alle“ geschaffen werden. „Die Schlacht um billigen Wohnraum findet in Büdelsdorf nicht statt“, sagte Hein.  

zur Startseite

von
erstellt am 03.Aug.2016 | 15:22 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen