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Landeszeitung

03. Dezember 2016 | 14:46 Uhr

in privaten betten : Zirkuswagen statt Hotelzimmer

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Das Online-Vermietportal „Airbnb“ bietet privaten Wohnraum an. Vorteil: Es entsteht ein enger Kontakt zu den Einheimischen. Kritik kommt vom Hotel- und Gaststättenverband.

Drei Monate lang wird der junge Franzose in dem Appartement von Gesa Völkner in Rendsburg bleiben. Er macht gerade ein Praktikum auf der Werft Nobiskrug und brauchte für die Zeit eine günstige Unterkunft. Auf der Onlineplattform „Airbnb“ ist er fündig geworden und auf das Angebot der 56-Jährigen gestoßen. Vor drei Jahren hat Völkner die Internetseite für sich entdeckt, auf der meist Privatpersonen ihre Unterkünfte als Schlafplatz anbieten. Sie ist eine von knapp 20 Nutzern in Rendsburg und Umgebung, die so ihr ganzes Haus, Zimmer oder Wohnung zur Verfügung stellen.

„Früher haben meine Söhne dort ihre Computer-Partys gefeiert, doch irgendwann brauchten wir die Räume nicht mehr“, erzählt die Rendsburgerin. Dann kam sie auf die Idee mit der Vermietung. Von ihren Geschwistern, die in Kanada leben, erfuhr sie von der einfachen Möglichkeit, Zimmer auf „Airbnb“ anzubieten. Seitdem schlafen regelmäßig Urlauber und Geschäftsleute in dem 40 Quadratmeter großen Appartement direkt an Völkners Haus. „Häufig habe ich Bauleiter hier. Die wollen ihre Ruhe haben und lieber privat unterkommen, als ins Hotel zu gehen. Und die junge Monteure, die hier übernachten, können sich nicht so etwas Teures leisten“, sagt sie.

Wobei teuer relativ ist: Nur 30 Euro zahlen die Gäste bei der Rendsburgerin pro Nacht. Viele Hotels können da nicht mithalten. Daher sind auch nicht alle von dem Konzept der Online-Plattform begeistert. Peter Raub vom Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) im Kreis Rendsburg-Eckernförde kritisiert das Konzept scharf: „Für unsere Branche ist das wirklich ein großes Ärgernis. Die Angebote sorgen für eine Wettbewerbsverzerrung. Denn die Privatleute müssen sich im Gegensatz zu den gewerblichen Betrieben nicht an die strikten Auflagen für die Branche halten.“ Damit meint er unter anderem die Bereiche Hygiene, Brandschutz oder Personal. Für Privatanbieter wie Gesa Völkner gebe es dort keine Vorgaben. Daher könnten sie ihre Unterkünfte deutlich günstiger anbieten. Von der Politik fordert Raub daher, gleiche Bedingungen für alle zu schaffen.

Ganz so kritisch sieht Monika Heise, Geschäftsführerin des Vereins Tourismus Mittelholstein, die Plattform nicht. Schließlich erreiche man dadurch auch Menschen, die sonst vielleicht gar nicht in die Region kommen würden, meint sie. „Es sind ganz individuelle Angebote, die wir so nicht bieten können. Man wohnt zum Teil bei den Vermietern zu Hause, man ist dicht dran an den Einheimischen.“ Wie zum Beispiel bei Thomas Jaspert in Bokel. Er bietet im Garten der alten Wassermühle restaurierte Zirkuswagen zur Übernachtung an. „In unser Reservierungssystem würden wir ein solches Angebot gar nicht aufnehmen können. Durch ,Airbnb‘ aber wird es möglich“, erklärt Heise.

Die ersten gewerblichen Betriebe haben das Angebot auch schon für sich entdeckt. Ellen Mäder präsentiert die Zimmer ihres „Hotel Neuwerk“ dort mit zahlreichen Bildern. Für sie sei die Plattform ein zusätzlicher Vertriebsweg, mit dem sie auch die jüngere Zielgruppe erreichen könne.

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erstellt am 27.Jul.2016 | 08:15 Uhr

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