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Landeszeitung

11. Dezember 2016 | 11:02 Uhr

Wunder-Kind Gefühls-Welt Lebens-Freude

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Genie und Wahnsinn liegen oft nicht weit auseinander. Künstler scheinen dafür sehr anfällig zu sein. Wie der zum Schluss einohrige Vincent van Gogh oder in E.T.A. Hoffmanns Lebensansichten des Katers Murr der Maler Ettlinger: „Musikanten schaffen, sind sie in Liebe gekommen, herrliche Werke“ heißt es darin. Fragt sich, ob das nur für Komponisten oder auch für Interpreten wie den Pianisten David Helfgott gilt, dessen Leben sogar verfilmt worden ist. Ein pianistisches Wunderkind, das zeitweise in einer psychiatrischen Klinik lebte, um danach ein Comeback zu feiern. Der Druck von außen war so mächtig, dass er ihm nicht widerstehen konnte. Ein Zustand, unter dem auch andere weltberühmte Pianisten wie Vladimir Horowitz oder Glenn Gould litten. Beide entwickelten ihre Macken, Horowitz reiste mit dem eigenen Flügel zu Konzerten, Glenn Gould spielte zum Schluss nur noch im Studio. Glück für die Gesellschaft, dass sich diese „Wahnsinnigen“ anders als die derzeit hyperaktiven Terroristen zurückzogen und so der Nachwelt in angenehmer Erinnerung bleiben. Wer sich den Film über Helfgott ansieht und sich auf diese Weise mit Verhaltensweisen von Menschen auseinandersetzt, hat bezüglich Toleranz und Wertschätzung großen Erkenntnisgewinn. Was aber nicht bedeutet, Verständnis für Terroristen zu haben.

„Musikanten schaffen, sind sie in Liebe gekommen, herrliche Werke“. Beim ersten Schritt dabei zu sein, ist nur wenigen vergönnt. Profi- Künstler haben es nicht gern, wenn ihnen beim Einstudieren eines neuen Werkes ein Publikum zuschaut und -hört. Verständlich, müssen doch bei „Nachschöpfungen“ alle Mitspieler nach Anleitung durch den Dirigenten in die Gedanken- und Gefühlswelt der Komponisten schlüpfen. Damit nicht genug: Alles gleichzeitig, harmonisch und in derselben Betonung. Dieser Aufgabe stellt sich gleich mehrfach die Orchesterakademie des Schleswig-Holstein Musik Festivals. An vier Tagen kann man live erleben, wie viel Detailarbeit es bedeutet, mit besten Nachwuchsmusikern aus aller Welt in die Gedanken- und musikalische Welt von Komponisten einzutauchen. Schon in der Generalprobe darf man nichts mehr von den Mühen spüren. Bis es soweit ist, wird neben Durchhaltevermögen handwerkliches Können, Beherrschen der Instrumente und ganz viel Liebe zur Musik gefordert. Wer nur eine Probe erlebte, weiß danach, was Durchhaltevermögen für Musiker in der Praxis bedeutet. Ein langes Konzert nur bis zum Ende zu hören, ist nichts dagegen.

Sitzen, hören, schweigen: Wer davon genug hat, kann bis Montag überall in der Stadt Lebensfreude, Bewegung und frische Luft genießen. Die Europäischen Jugendspiele bieten wie eine kleine Vor-Olympiade jugendlichen Gästen aus sieben Partnerstädten Rendsburgs neben den Wettbewerben viele Gelegenheiten zu neuen Freundschaften und Kontakten. Was Außenstehende auf den Sportplätzen, Sporthallen, sogar auf dem Golfplatz, bei Ruder- und Schwimmwettbewerben erleben, ist nur ein kleiner Teil der vielen Begegnungen von Jugendlichen aus sieben Ländern, die sich trotz unterschiedlicher Muttersprachen verständigen und zeigen, was sie können. Mehr als 500 junge Europäer und Rendsburger erleben in diesen Tagen das bereichernde Gefühl von Vielfalt. Wunderbar, und gar nicht mehr selbstverständlich.

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erstellt am 27.Jul.2016 | 13:10 Uhr

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